In den letzten Jahren wird es für die Familien in Deutschland immer mehr zur Selbstverständlichkeit, ihre Kinder bereits vor dem dritten Geburtstag institutionell betreuen zu lassen. Wünschten sie sich das im Jahr 2014 für 41,5 Prozent der unter Dreijährigen, galt dies 2018 bereits für 47,7 Prozent. Nimmt man nur die Zweijährigen in den Blick, lag die Bedarfsquote im Jahr 2018 sogar bei 79,3 Prozent, was klar darauf hindeutet, dass für diese Altersgruppe bereits in den nächsten Jahren eine Vollversorgung notwendig sein wird. Auch bei den Einjährigen lag der Anteil mit 62,0 Prozent bei fast zwei Dritteln. Damit lässt sich schließen, dass aus Sicht der Mehrheit der Eltern der Betreuungsbeginn heute zwischen dem ersten und zweiten Lebensjahr des Kindes erfolgen sollte (BMFSFJ, 2015; 2019).

Den für die Bereitstellung der Plätze zuständigen Städten und Gemeinden ist diese Entwicklung durchaus bewusst. So haben sie die Zahl der Betreuungsplätze für unter Dreijährige zwischen März 2014 und März 2019 um rund 155.000 von 661.000 auf 818.000 ausgebaut. Allerdings ist die Betreuungsquote damit nur um 2 Prozentpunkte von 32,3 Prozent auf 34,3 Prozent gestiegen. Dabei lag der Wert für die Zweijährigen im März 2019 bei 63,2 Prozent und der für die Einjährigen bei 37,1 Prozent (Statistisches Bundesamt, 2014; 2019a). Vergleicht man diese mit den Betreuungsbedarfen, ergeben sich Lücken von 16,1 Prozentpunkten für die Zweijährigen, 24,9 Prozentpunkten für die Einjährigen und 13,4 Prozentpunkten für alle Kinder unter drei Jahren.

Das Auseinanderfallen der Entwicklungen der Platzzahlen und Betreuungsquoten geht darauf zurück, dass die Kinderzahlen stark gestiegen sind. Lebten am 31.12.2013 noch 2,04 Millionen unter Dreijährigen in Deutschland, waren es am 31.12.2018 mit 2,38 Millionen rund ein Sechstel mehr (Statistisches Bundesamt, 2019b). Ursächlich hierfür war, wie von Geis-Thöne (2019a) aufgezeigt, neben der Zuwanderung auch eine demografiebedingt gestiegene Zahl an potenziellen Müttern und eine höhere Geburtenneigung der jungen Frauen. Dabei dürfte der Höchstwert bei den unter Dreijährigen bereits erreicht sein. Jedoch wird die Zahl der Kindergartenkinder in den nächsten Jahren noch spürbar ansteigen, sodass für diese mehr Betreuungsplätze benötigt werden und der weitere quantitative Ausbau der Betreuungs-infrastruktur nicht vollständig den unter Dreijährigen zugute kommen kann.

Rechnet man unter Verwendung der Bedarfsquote für das Jahr 2018 (aktuellere Daten liegen noch nicht vor) und der Kinderzahl am 31.12.2018 hoch, wie viele Plätze für unter Dreijährige derzeit an sich benötigt würden, kommt man auf 1,14 Millionen. Für das Jahr 2014 liegt dieser Wert nur bei 846.000 und damit um rund 290.000 oder ein Viertel niedriger. Differenziert man nach Altersgruppen, ist der Bedarf an Plätzen für Zweijährige von 475.000 auf 637.000 und für Einjährige von 350.000 auf 494.000 gestiegen (BMFSFJ, 2015; 2018; Statistisches Bundesamt 2019b; eigene Berechnungen).