Schlechtere Perspektiven am Arbeitsmarkt

Die Corona-Pandemie wird aller Voraussicht nach zu einer massiven Verschlechterung der Lage am deutschen Arbeitsmarkt führen, deren Ausmaß man aktuell noch kaum abschätzen kann. Dabei gibt es bereits heute erste Hinweise darauf, dass Zuwanderer hiervon besonders stark betroffen sein werden. So ist die Zahl der arbeitslosen Ausländer bereits im ersten Monat des Lockdowns zwischen dem 12. März 2020 und dem 14. April 2020 um 98.000 oder 14,4 Prozent gestiegen. Bei den Inländern war der relative Anstieg mit einem Plus von 12,7 Prozent zwar nicht wesentlich niedriger, jedoch ist der Effekt auf die Arbeitslosenquote bei ihnen vor dem Hintergrund eines günstigeren Ausgangsniveaus, viel kleiner. So war bei ihnen nur ein Anstieg um 0,5 Prozentpunkte auf 4,6 Prozent zu verzeichnen, wohingegen es bei den Ausländern 1,9 Prozentpunkte waren und die Quote im Mai 2020 bei 14,7 Prozent lag (Bundesagentur für Arbeit, 2020a; eigene Berechnungen).

Betrachtet man, in welchen Branchen die Zuwanderer tätig sind, ist für die nächsten Monate insbesondere bei den Geflüchteten eine substanzielle Verschlechterung der ohnehin ungünstigen Arbeitsmarktlage zu erwarten. So lag der Anteil der besonders stark auf konjunkturelle Schwankungen reagierenden Arbeitnehmerüberlassung bei den Beschäftigten mit Staatsangehörigkeiten der Asylherkunftsländer Afghanistan, Eritrea, Iran, Irak, Nigeria, Pakistan, Somalia und Syrien im September 2019 mit 14,4 Prozent viel höher als bei allen Ausländern mit 7,1 Prozent und bei den Deutschen mit 1,5 Prozent. Ähnliches gilt auch für das vom Lockdown besonders betroffene Gastgewerbe, dessen Anteil bei ihnen 12,7 Prozent betrug, im Verglich zu 9,0 Prozent bei allen Ausländern und 2,5 Prozent bei den Inländern (Bundesagentur für Arbeit, 2020b).

Bereits in der Vergangenheit waren die Ausländer in Deutschland von negativen Entwicklungen am Arbeitsmarkt immer deutlich stärker betroffen als die Inländer, wie eine Studie von Geis (2010) zeigt. Zudem stellt er anhand multivariater Analysen fest, dass hierfür die Unterschiede beim Bildungsniveau, der Berufserfahrung und den Sprachkenntnissen ursächlich waren. Auch wenn sich die aktuelle Situation stark von früheren Wirtschaftskrisen unterscheidet, ist damit zu rechnen, dass in nächster Zeit niedrigqualifizierte Zuwanderer mit schlechten Deutschkenntnisse besonders häufig ihre Arbeitsstellen verlieren und keine neuen finden werden. Dies lässt sich kaum verhindern, jedoch können Qualifikationsangebote helfen, dass die betroffenen Personen ihre Karriereperspektiven verbessern und am Arbeitsmarkt schnell wieder Fuß fassen.