Um Wachstum und Wohlstand zu sichern, ist die deutsche Wirtschaft zunehmend auf Fachkräfte aus dem Ausland angewiesen. So hat in den letzten Jahren in Deutschland ein Beschäftigungsaufbau stattgefunden, der ohne Zuwanderung in dieser Form kaum zu realisieren gewesen wäre. Zwischen Juni 2012 und Juni 2017 ist die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten insgesamt um 2,88 Millionen auf 32,16 Millionen, dem bisher höchsten Wert in der Bundesrepublik, gestiegen. Dabei hat die Beschäftigung von Inländern um 1,61 Millionen und die von Ausländern um 1,28 Millionen zugenommen (BA, 2017). Gleichzeitig ist absehbar, dass die Erwerbsbeteiligung von Einheimischen im nächsten Jahrzehnt stark zurückgehen wird. Scheiden dann nämlich die geburtenstarken Babyboomer-Jahrgänge 1955 bis 1969 altersbedingt aus dem Arbeitsmarkt aus, stehen bei weitem nicht genügend junge Menschen zur Verfügung, um die entstehenden Lücken zu füllen.

Die Zunahme der Ausländerbeschäftigung zwischen Juni 2012 und Juni 2017 war zu wesentlichen Teilen durch EU-Zuwanderer getragen. So entfielen rund 889.000 der 1,28 Millionen zusätzlich Beschäftigten auf EU-Ausländer und nur 386.000 auf Drittstaatenangehörige (BA, 2017). Dabei ist die Gesamtbevölkerung mit Staatsangehörigkeiten von Drittstaaten mit einem Plus von 1,65 Millionen zwischen 31.12.2011 und 31.12.2016 sogar etwas stärker angestiegen als die Gesamtzahl der EU-Ausländer mit 1,46 Millionen (Statistisches Bundesamt, 2018). Während die Integration von Zuwanderern aus den anderen EU-Ländern in den deutschen Arbeitsmarkt, wie auch von Geis (2017a) gezeigt, derzeit hervorragend gelingt, ergeben sich bei den Drittstaatenangehörigen also größere Herausforderungen. Dennoch ist Deutschland auf längere Sicht auf Zuwanderer aus diesen Ländern angewiesen, da auch die anderen EU-Länder vom demografischen Wandel betroffen und die Wanderungspotenziale entsprechend begrenzt sind.

Setzt man die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten im Juni 2017 (BA, 2017) ins Verhältnis zur Gesamtzahl der Personen zwischen 20 und 64 Jahren am 31.12.2016 (Statistisches Bundesamt, 2018), zeigt sich, dass sich die Beschäftigungssituation von Drittstaatenangehörigen je nach Herkunftsland deutlich unterscheidet. Nimmt man nur Länder mit über 25.000 Personen in Deutschland in den Blick, findet sich für Albaner mit 67,8 Prozent der höchste Anteil, gefolgt von Bosniern mit 58,2 Prozent und Serben mit 52,7 Prozent. Für alle Drittstaatenangehörigen liegt der Wert bei 37,7 Prozent und für EU-Zuwanderer bei 58,8 Prozent. Insgesamt lässt sich sagen, dass die Beschäftigung von Drittstaatenangehörige aus den Balkanländern nahezu auf demselben Niveau liegt wie die von EU-Ausländern, wohingegen Personen aus den Flüchtlingsherkunftsländern Afghanistan, Irak und Syrien noch vergleichsweise selten einer sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung nachgehen.

Betrachtet man die Anforderungsniveaus der Stellen dieser sozialversicherungspflichtig Beschäftigten (BA, 2017), zeigen sich deutliche Unterschiede je nach Herkunftsland. Dabei lassen sich drei Gruppen unterscheiden. Die erste Gruppe bilden Länder mit einem sehr hohen Anteil von rund der Hälfte und mehr an Personen in Spezialisten- und Expertentätigkeiten, die einen Hochschul- oder betrieblichen Fortbildungsabschluss, wie den Meister, voraussetzen, und einem geringen Anteil von Personen in einfachen Helfertätigkeiten von unter einem Fünftel. Unter den Herkunftsländern mit über 25.000 Beschäftigten zählen hierzu China, Indien und die Vereinigten Staaten. Die zweite Gruppe bilden Länder mit einem vergleichsweise hohen Anteil an Experten und Spezialisten von über einem Viertel und einem überschaubaren Anteil an Helfern von unter 30 Prozent, worunter Russland und die Ukraine fallen. Die dritte Gruppe bilden Länder mit einem hohen Helferanteil von über 30 Prozent und weniger als 20 Prozent Spezialisten und Experten, worunter insbesondere die Balkan-, Flüchtlingsherkunftsländer und die Türkei fallen. Dabei weist Syrien unter diesen Ländern mit 17,4 Prozent den mit Abstand höchsten Anteil an Spezialisten und Experten auf. Bei den meisten anderen Ländern liegt der Wert unter 10 Prozent.