Die US-Steuerreform zeigt erste Wirkungen. Im ersten Quartal 2018 flossen Dividenden und Entnahmen in Höhe von 287,7 Milliarden US-Dollar in die Vereinigten Staaten – das war 14-mal so viel wie im Durchschnitt der ersten Quartale in den Jahren 2015 bis 2017 und fast doppelt so viel wie im gesamten vergangenen Jahr (155 Milliarden US-Dollar) (Bureau of Economic Analysis, 2018a). In der Folge reduzierte sich laut Kapitalbilanz der Bestand an ausländischen Direktinvestitionen (FDI) um rund 149 Milliarden US-Dollar. Bei den Dividenden handelt es sich um zuvor im Ausland erwirtschaftete und reinvestierte Gewinne, die statistisch als FDI gezählt werden. In den vergangenen drei Jahren waren die FDI um durchschnittlich rund 100 Milliarden US-Dollar gewachsen. Ein Rückgang der Direktinvestitionsbestände war zuletzt im zweiten Halbjahr 2005 als Folge kurzfristiger Steuererleichterungen für repatriierte Gewinne im Rahmen des American Jobs Creation Act zu verzeichnen (Bureau of Economic Analysis, 2018b).

Auch heute ist der Zusammenhang mit der zum 1. Januar 2018 in Kraft getretenen US-Steuerreform, nach der die Steuersätze drastisch reduziert wurden, augenscheinlich. Während die Steuerbelastung der repatriierten Gewinne vor der Reform bei 35 Prozent lag, werden jetzt einmalig 15,5 Prozent auf die gesamten Bargeldbestände und 8 Prozent auf alle anderen im Ausland akkumulierten Einkünfte fällig (EY, 2018). Die Repatriierung selbst bleibt steuerfrei, es gibt folglich keinen steuerlichen Anreiz mehr, die Gewinne im Ausland zu belassen. In der Vergangenheit hatten US-Unternehmen erwirtschaftete Gewinne ihrer Tochtergesellschaften im Ausland belassen, um einer Besteuerung in den USA zu entgehen. So haben US-Unternehmen seit 1982 4,2 Billionen US-Dollar im Ausland einbehalten, was 72 Prozent der seitdem angefallenen US-Auslandsinvestitionen ausmacht. Dieses Motiv hat sich nun durch die Steuerreform deutlich relativiert. Zweifelsfrei zeigt sich in diesen Zahlen, wie mobil der Faktor Kapital ist und wie steuerliche Anreize zu Verhaltensanpassungen und Ausweichreaktionen führen können.

Anders als bei reinen Portfolioinvestitionen ist das Ziel einer Direktinvestition, die Kontrolle über das Investitionsobjekt zu erlangen oder zu behalten (OECD, 2008). Zum Teil wird das Geld jedoch nicht für Sachinvestitionen verwendet. Denn unter den Begriff Direktinvestition fallen nicht nur Investitionen in den Bau neuer Anlagen oder Fabriken, sondern ebenso Kapital, das in Holdinggesellschaften angelegt ist. Rund die Hälfte aller US-FDI ist in Holdinggesellschaften investiert, die das Kapital verwalten und weiterinvestieren sollen. Davon entfallen rund 54 Prozent auf die Niederlande, Luxemburg und die Bermudainseln – Deutschlands Anteil liegt lediglich bei knapp 2 Prozent (Bureau of Economic Analysis, 2018c). Vor diesem Hintergrund wird klar, dass nicht jede Direktinvestition zu realen ökonomischen Aktivitäten führt, weshalb Interpretationen von aggregierten Direktinvestitionsdaten hinsichtlich realer Effekte schwierig sind.

Geparkte Gewinne fließen aus Steueroasen zurück in die USA

Auffällig bei einer Auswertung der gesamten Netto-Direktinvestitionsströme aus den USA, also dem Saldo aus ausgehenden Kapitalströmen und der Reduzierung von Investitionsbeständen, ist, dass das Gros des Geldes aus nur wenigen Ländern stammt. Neben den Bermudainseln gehören auch die Niederlande und die Schweiz dazu (Abbildung). Rund 28 Prozent des US-FDI-Bestandes auf den Bermudainseln wurden im 1. Quartal 2018 abgezogen, aus den Niederlanden waren es 8 Prozent und aus der Schweiz 6 Prozent. Zudem stagnieren die US-FDI in Irland – in den Vorjahresquartalen floss dagegen stets deutlich mehr Kapital von den USA nach Irland als von dort abgezogen wurde.