Wenn aktuell von kräftig steigenden Steuereinnahmen des Staates die Rede ist, wird eine Steuerart in der Regel gar nicht bedacht: die Kirchensteuer. Da die Kirchensteuer direkt der katholischen und evangelischen Kirche zufließt, kümmern sich zum Beispiel die Steuerschätzer im Auftrag des Bundesfinanzministeriums nicht um ihre Entwicklung. Folglich ist die Kirchensteuer auch bei der Bestimmung der Steuerquote, also dem Anteil der Steuereinnahmen am Bruttoinlandsprodukt, außen vor. Rechnerisch würde ihr Aufkommen die Steuerquote nach der Finanzstatistik im Jahr 2018 um 0,4 Prozentpunkte auf 23,3 Prozent erhöhen (BMF, 2018).

Eingezogen wird die Kirchensteuer von den staatlichen Finanzämtern, zur Erstattung der anfallenden Erhebungskosten erhält der Fiskus durchschnittlich 3 Prozent der Einnahmen (Deutsche Bischofskonferenz, 2018, 59). Das entspricht aktuell einem Betrag von knapp 400 Millionen Euro. Nach Abzug dieser Gebühr beläuft sich das Aufkommen einschließlich Kirchgeld im Jahr 2018 auf etwa 12,6 Milliarden Euro, nachdem es im Vorjahr 12,1 Milliarden Euro betrug (Statistisches Bundesamt, 2018, 73).

Technisch wird die Kirchensteuer als Aufschlag auf die Lohn- und Einkommensteuer erhoben. In Baden-Württemberg und Bayern beträgt der Zuschlagssatz 8 Prozent, im Rest der Republik 9 Prozent. Seit 2009 wird auf gezahlte Abgeltungsteuer ebenfalls Kirchensteuer erhoben. Auch wenn im säkularen Deutschland Staat und Kirche kassenmäßig streng getrennt sind, gibt es einen Zusammenhang zwischen den Einnahmen. Da nämlich die gezahlte Kirchensteuer von der an Bund, Länder und Gemeinden fließenden Einkommensteuer abzugsfähig ist, führt jeder Euro Kirchensteuer zu einer Reduzierung des Einkommensteueraufkommens. In der Steuererklärung wird die Kirchensteuer wie eine Spende an eine gemeinnützige Organisation behandelt. Insgesamt fallen die Einkommensteuereinnahmen im Jahr 2018 durch den Sonderausgabenabzug der gezahlten Kirchensteuer um rund 3,9 Milliarden Euro geringer aus (BMF, 2017, 93). Einschließlich der daraus resultierenden Mindereinnahmen beim Solidaritätszuschlag beläuft sich der Aufkommenseffekt auf gut 4,1 Milliarden Euro.