Der Boom wird getragen durch eine anhaltend hohe Nachfrage nach Wohn- und Gewerbeflächen. Hiervon profitieren insbesondere die Projektentwickler und die Baubranche, aber nachgelagert alle Immobilienunternehmen. Allerdings führt die Flächenknappheit zu steigenden Preisen und sinkenden Renditen. Die Investoren können dies aber aktuell noch gut kompensieren.

In der aktuellen Befragung des IW-Immobilien Scout24-Index haben 100 Unternehmen der Immobilienbranche über ihre konjunkturelle Lage Auskunft gegeben. Das Ergebnis ist erneut eindeutig und höchst erfreulich. Bei der wichtigsten Frage des Indexes können die Immobilienunternehmen angeben ob ihre Geschäftslage gut, normal oder schlecht ist. 86,5 Prozent gaben bei der zweiten Quartalsbefragung in diesem Jahr an, dass ihre Lage gut ist. 12,9 Prozent schätzten ihre Lage hingegen als normal ein. Nur 0,5 Prozent gaben eine schlechte Geschäftslage an. Nach der Saldenmethode werden die negativen Antwortanteile von den positiven abgezogen. Hieraus resultiert der Lagewert von 86,0, der geringfügig höher als drei Monate zuvor ist (85,3). Bemerkenswert ist, dass 19,7 Prozent davon ausgehen, dass sich ihre Geschäftslage (weiter) verbessern wird. Die Mehrheit von 74,7 Prozent geht von keiner Veränderung aus und nur 5,6 Prozent erwarten eine ungünstigere Geschäftslage. Hieraus resultiert ein Erwartungswert von 14,0, der 5,9 Prozentpunkte unter dem Vorquartalsergebnis liegt.

Aus Lage- und Erwartungswert wird das Immobilienklima berechnet, welches mit 47,4 nur 3,0 Prozentpunkte unter dem Vorquartal liegt. Da das Immobilienklima seit nunmehr zwei Jahren um die Werte von 50 zirkuliert, ist hieraus kein negativer Trend zu erkennen. Vielmehr hat sich der konjunkturelle Boom auf hohem Niveau verstetigt. Wichtig ist hierbei zu erkennen, dass der aktuelle Aufschwung sich substanziell von den Vorherigen unterscheidet, da er von fundamentalen konjunkturellen und demografischen Faktoren getragen wird. In den 1990iger Jahren wurde das Wachstum beispielsweise weniger konjunkturell, sondern vielmehr durch steuerliche Anreize und Subventionen des Staates angefeuert (Henger/Voigtländer, 2015). Durch die gesetzten Fehlanreize wurde insbesondere bei Wohnimmobilien in den schrumpfenden Regionen der neuen Bundesländer viel Geld vernichtet. Der Dotcom-Boom um die Jahrtausendwende betraf wiederum vor allem die Bürostandorte. Damals entstanden viele neue Büroflächen, die nach dem Platzen der Dotcom-Blase im Jahr 2002 keine Nachfrage mehr fanden. Die größten Büroimmobilienstandorte Frankfurt am Main und Düsseldorf leiden bis heute unter einer hohen Leerstandsquote von über 10 Prozent. Die Quote ging dort in den letzten Jahren merklich zurück, sodass mittlerweile auch dort erhebliche Knappheiten an attraktiven Büroflächen besteht.