Die deutschen Großstädte wachsen seit Jahren rasant. Berlin hat in den letzten sechs Jahren (31.12.2011 bis 31.12.2017) jährlich 47.500 Einwohner (1,4% p.a.) hinzugewonnen, Hamburg und München ebenfalls bemerkenswerte 18.700 (1,1% p.a.) bzw. 15.200 (1,1% p.a.) pro Jahr (Statistisches Bundesamt, 2018). Das sind historische Dimensionen. Die Wanderungsstatistik zeigt, dass dieses Wachstum von zwei Gruppen getragen wird: Der Zuwanderung aus dem Ausland, und den Zuzug junger Bevölkerungsgruppen aus dem Inland. Hierdurch nimmt nicht nur die Bevölkerung der Großstädte zu. Auch die Bevölkerungsstrukturen werden beeinflusst. Während sich die Alterungsprozesse in den Großstädten abschwächen, setzen sie sich im ländlichen Raum in verstärkter Form fort.

Dieser Beitrag nimmt die Wanderungen innerhalb Deutschlands in den Blick. Um diese abzubilden, wird Deutschland im Folgenden in 71 kreisfreie Großstädte und in 330 restliche Kreise geteilt. Zu den kreisfreien Großstädten gehören hier alle Städte mit mehr als 100.000 Einwohnern (Stand 2017) sowie die Region Hannover und die Städteregion Aachen. Das Ergebnis: 63 kreisfreie Großstädte konnten 2017 einen Wanderungsüberschuss erzielen. Ein Wanderungsdefizit zeigen nur acht Städte, beispielsweise Braunschweig oder Trier. Dabei verzeichnen fast alle (68 von 71) Großstädte mehr Zuzüge als Fortzüge aus dem Ausland. So kamen im Zeitraum 2012 bis 2017 im Saldo jährlich 619.000 neue Einwohner nach Deutschland, hiervon 43 Prozent in die Großstädte. Dieser Zuzug ist wichtig, da die deutsche Wirtschaft zunehmend auf Fachkräfte aus dem Ausland angewiesen ist (Geis, 2018). Dies hat auch Auswirkungen auf die Wohnungsmärkte, auch wenn Migranten einen deutlich geringen Wohnkonsum aufweisen, da sie in der Regel in größeren Haushalten wohnen. Im Jahr 2016 lag die Pro-Kopf-Wohnfläche für einen Inländer nach dem sozio-ökonomischen Panel bei 48,4 Quadratmetern. Ein Ausländer wohnte hingegen auf durchschnittlich 32,9 Quadratmetern.

Da die Trends der Binnenwanderung in den letzten Jahren stark von der Zuwanderung nach Deutschland überlagert wurde, wird nun ganz bewusst nur die Binnenwanderung der deutschen Bevölkerung betrachtet. Dies ist wichtig, da die Wanderungsstatistik der ausländischen Zuwanderer durch die häufigen Umzüge der Flüchtlinge nach einer Erstanmeldung stark überzeichnet ist. Von den Zuzüglern waren 20 Prozent im Zeitraum 2012 bis 2017 Asylsuchende (Statistisches Bundesamt, 2018). Beschränkt man sich auf die Binnenwanderung der Bevölkerung mit deutscher Staatsbürgerschaft, dann verzeichnen 2017 nur noch 14 kreisfreie Großstädte ein positives Binnenwanderungssaldo. Die sieben größten Städte verlieren alle im Saldo deutsche Einwohner. Gerade dort hat die Stadt-Umland-Wanderung in den letzten Jahren deutlich zugenommen.