In den letzten Jahren haben die regionalen Unterschiede in der demografischen Entwicklung durch die hohe Anzahl von Zuzügen junger Zuwanderer aus dem In- und Ausland in die Großstädte deutlich zugenommen. Themen wie die soziale Daseinsvorsorge, gleichwertige Lebensverhältnisse oder eine Neuausrichtung der Regionalpolitik rücken daher wieder stärker in den Fokus der Politik.

Divergenzen in der Bevölkerungsentwicklung und Altersstruktur sind mit weitreichenden Konsequenzen für die Daseinsvorsorge, öffentliche Infrastruktur und regionale Wirtschaftsentwicklung verbunden. Hierzu zählen unter anderem beim Infrastrukturbedarf die regionalen Bedarfe im Gesundheits- und Bildungswesen und der Fachkräftebedarf zum Erhalt der regionalen Wettbewerbsfähigkeit. Denn je höher der Anteil älterer Menschen, desto höher sind tendenziell Bedarfe im Gesundheitswesen und bei der Pflege. Da diese weitestgehend die Allgemeinheit über die Sozialversicherungen trägt, wird auch die regionale Versorgungslage in der übergeordneten Bundespolitik diskutiert. Zudem sind Auswirkungen auf die Fachkräftesicherung, Technologiediffusion und Einwohnerrückgänge zu erwarten. Letztere sind wiederum mit steigenden durchschnittlichen Versorgungskosten und Anpassungskosten verbunden. Andererseits sind höhere Anteile junger Menschen mit höheren Bedarfen bei Bildungseinrichtungen (Kindertagesstätten und Schulen) verbunden, dessen Bereitstellung in erster Linie von den Kommunen erfolgt.

In diesem Beitrag stehen langfristige und regionstypische Trends der Alterungsprozesse im Fokus. Dazu werden die 401 Kreise in Deutschland in zwei Kategorien aufgeteilt, die 71 kreisfreien Großstädte und die restlichen 330 sonstigen Kreise. Zu den kreisfreien Großstädten gehören alle kreisfreien Städte mit mehr als 100.000 Einwohnern (Stand 2017) sowie die Region Hannover und die Städteregion Aachen. Die Abbildung vergleicht die Altersentwicklung mit den Wanderungen nach Zielort für die zwei untersuchten Regionskategorien für den Zeitraum 1995 bis 2016. Die Altersentwicklung wird anhand des mittleren Alters der Bevölkerung gezeigt, die für die beiden Regionskategorien über die regionale Verteilung der Altersklassen mit einwohnergewichteten Durchschnittswerten ermittelt wurde (siehe Statistisches Bundesamt, 2018). In den kreisfreien Großstädten nahm das mittlere Alter von 40,7 im Jahr 1995 auf 42,7 im Jahr 2016 zu. Anzumerken ist allerdings, dass dieser Anstieg bis zum Jahr 2009 stattfand. Seitdem blieb das mittlere Alter in den kreisfreien Großstädten konstant, sodass die Alterung der Gesellschaft in diesem Regionstyp zumindest vorrübergehend gestoppt wurde. In den sonstigen Kreisen stieg das mittlere Alter im Untersuchungszeitrum von 39,5 auf 44,8 deutlich stärker. Seit 2006 ist das Durchschnittsalter in den kreisfreien Großstädten niedriger als in den anderen Regionen des Landes. Ursprünglich war die Bevölkerung in den Großstädten älter, da vor allem kinderreiche Familien häufiger auf dem Land wohnten. Dies hat sich seither umgekehrt, zumindest im Durchschnitt über alle Alters- und Bevölkerungsgruppen. In einigen Großstädten fand sogar eine Verjüngung statt. Am deutlichsten war dies in Frankfurt am Main zu beobachten, wo das mittlere Bevölkerungsalter im Zeitraum 1995 bis 2016 von 41,3 auf 40,6 Jahre sank.