Durch den digitalen Wandel in der Arbeitswelt verändern sich die Kompetenzen, die Fachkräfte benötigen, um neue Technologien nutzen und den Wandel mitgestalten zu können. Dabei umfassen digitale Kompetenzen mehr als nur die Nutzung neuer Hard- oder Software. Digitale Kompetenzen sind auch erforderlich, um mittels digitaler Tools zu kooperieren und zu kommunizieren oder sich neues Wissen anzueignen. Digitale Kompetenzen sind daher auch in den Bereichen Kommunikation, Problemlösung und Teamarbeit gefragt (van Laar et al., 2017).

Bereits heute ist fast allen Unternehmen wichtig, dass ihre Fachkräfte, die eine abgeschlossene Berufsausbildung oder einen Fortbildungsabschluss haben, derartige Fähigkeiten haben: In einer repräsentativen Befragung der IW Consult im Rahmen des Projekts „Netzwerk Q 4.0“ wurden 1105 Unternehmen zu neun digitalen Kompetenzen befragt. Darunter waren 790 ausbildende Unternehmen, die im Folgenden näher betrachtet werden. 62,4 Prozent der befragten ausbildenden Unternehmen gaben an, dass ihnen bei ihren Fachkräften fünf oder mehr digitale Kompetenzen sehr wichtig oder wichtig sind. Durchschnittlich erachten Unternehmen fünf digitale Kompetenzen, für die bei ihnen beschäftigten Fachkräfte als wichtig. Für lediglich 3,0 Prozent der Befragten spielt keine der abgefragten digitalen Kompetenzen eine Rolle.

Besonders relevant sind laut der Unternehmensbefragung die Anwendung berufs- bzw. fachspezifischer Software (85,9 Prozent), die Fähigkeit zur angemessenen Kommunikation über digitale Kanäle (70,3 Prozent), die Informationsbeschaffung im Internet und die Bewertung der Qualität online verfügbarer Inhalte (67,9 Prozent), die kompetente Verwendung digitaler Lernmedien (67,9 Prozent) sowie Kenntnisse zu Datensicherheit und Datenschutz (61,3 Prozent). Weniger wichtig sind hingegen die selbstständige Lösung von Problemen bei der Anwendung digitaler Tools (31,9 Prozent) sowie die Fähigkeit, einfache digitale Anwendungen selbst erstellen zu können (21,9 Prozent) (siehe Abb. 1).

Die Bedeutung der digitalen Kompetenzen hängt vom Digitalisierungsgrad des Unternehmens ab. Unternehmen mit einem größeren Digitalisierungsgrad, sprich Unternehmen, die mehrere digitale Technologien für die Erstellung von Gütern und Dienstleistungen einsetzen, schätzen die Bedeutung digitaler Kompetenzen höher ein als Unternehmen mit einem geringeren Digitalisierungsgrad (keine oder eine digitale Technologie wird genutzt). Dies ist darin begründet, dass Unternehmen das volle Potenzial digitaler Technologien erst dann ausschöpfen können, wenn ihre Mitarbeiter die entsprechenden Kompetenzen zu deren Nutzung aufweisen (Gal et al., 2019). Ausbildende Unternehmen mit einem geringen Digitalisierungsgrad erachten durchschnittlich 3,9 digitale Kompetenzen als wichtig, ausbildende Unternehmen mit einem hohen Digitalisierungsgrad hingegen 6,0 digitale Kompetenzen.

Schreitet die Digitalisierung der Unternehmen zukünftig weiter voran, wird voraussichtlich auch die Bedeutung der digitalen Kompetenzen weiter wachsen: sowohl in bereits digitalisierten Unternehmen, wenn diese den Einsatz der Technologien ausweiten oder weitere neue Technologien implementieren als auch in Unternehmen, die heute nicht oder wenig digitalisiert sind, aber zukünftig neue digitale Technologien einführen. Je mehr Unternehmen digitale Technologien implementieren, desto wichtiger wird die entsprechende Qualifizierung von Fachkräften. Dies betrifft sowohl die Weiterbildung von bereits beschäftigten Fachkräften als auch die Ausbildung zukünftiger Fachkräfte: Bereits heute leisten viele Unternehmen in der Ausbildung einen zentralen Beitrag für eine zukunftsfähige Fachkräftesicherung, indem sie digitale Kompetenzen vermitteln.