Schlechte Lage zum Jahreswechsel

Die deutsche Volkswirtschaft tritt seit dem Frühjahr 2019 auf der Stelle. Bislang konnten die boomende Bauwirtschaft und der in Teilen expansive Dienstleistungssektor einen ernsthaften gesamtwirtschaftlichen Rückgang verhindern. Die Industrie befindet sich dagegen seit Mitte des letzten Jahres in einer breit angelegten Rezession. Auch die unternehmensnahen Dienstleister erlitten im zweiten und dritten Quartal 2019 Geschäftseinbußen.

Ein Ende des industriellen Rückgangs ist im vierten Quartal 2019 nicht zu erwarten. Das geht auch aus der Lagebewertung der im Rahmen der Verbandsumfrage des Instituts der deutschen Wirtschaft befragten Unternehmensvereinigungen hervor. 32 der 48 teilnehmenden Verbände gaben an, dass die wirtschaftliche Situation in den von ihnen vertretenen Firmen zur Jahreswende 2019/2020 schlechter ist als vor einem Jahr. Auch damals meldeten schon 21 Verbände eine Verschlechterung im Vorjahresvergleich. Mit wenigen Ausnahmen hat sich die aktuelle Lage in der Industrie binnen Jahresfrist deutlich eingetrübt.

Die Verschlechterung betrifft besonders die großen Industrien wie die Automobil- und Elektroindustrie, den Maschinenbau und die Chemie. Deren rückläufige Geschäfte sind erstens die Folge einer zyklischen Normalisierung nach einer hochausgelasteten Phase. Zweitens belasten Protektionismus und geopolitische Verunsicherungen die globalen Investitionen und dies trifft die im internationalen Investitionsgütergeschäft aktive Industrie. Drittens lösen technologische Herausforderungen wie die Digitalisierung und Dekarbonisierung sowie Veränderungen der wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen – etwa durch die Energiepolitik – strukturelle Anpassungen, aber auch Verunsicherungen unter den Firmen und Verbrauchern aus.

15 Verbände bewerten die aktuelle Geschäftssituation ihrer Mitglieder als unverändert gegenüber dem Vorjahr. Im Industriesektor sind das die Sparten Schiffbau/Meerestechnik, die Feinmechanik/Optik, die Keramische Industrie und die Glasindustrie. Genauso wie zum Jahreswechsel 2018/2019 bewerten auch Teile der Banken- und Versicherungswirtschaft sowie der Einzelhandel, das Gastgewerbe und der Tourismus ihre aktuelle Lage. Nur ein Verband – der Bundesverband Investment und Asset Management (BVI) – meldete, dass die aktuelle Lage seiner Mitglieder zum Jahreswechsel 2019/2020 besser ist als vor einem Jahr. Darin dürfte sich die anhaltend hohe Sparneigung der Deutschen in Zeiten niedriger Zinsen niederschlagen.