Ab dem 7. September beginnt die Bundesregierung mit der schrittweisen Auszahlung des Kinderbonus, dessen Hauptziel die Unterstützung der Binnennachfrage ist. 18 Millionen Kinder sollen von dieser einmaligen Sonderzahlung profitieren (BMFSFJ, 2020). Voraussetzung für den Erhalt ist, dass ein Kind mindestens einen Monat im Jahr 2020 Kindergeld bezogen hat. Auch Kinder einkommensstarker Eltern werden den Kinderbonus zunächst erhalten. Dieser wird jedoch im Rahmen der Günstigerprüfung bei der Steuerveranlagung 2020 angerechnet und führt je nach Einkommenshöhe und Familienkonstellation zu einem Abschmelzen oder einer kompletten Verrechnung mit dem Kinderfreibetrag des jeweiligen Kindes. Nach Berechnungen des BMFSFJ (2020) werden rund 80 Prozent der anspruchsberechtigten Familien in vollem Umfang vom Kinderbonus profitieren.

Der Kinderbonus wird dabei in zwei Raten ausgezahlt, zunächst 200 Euro pro Kindergeldkind im September und im Oktober nochmals 100 Euro. Die stufenweise Auszahlung wird unter anderem damit begründet, dass nachteilige Folgen im Zusammenspiel von Kindesunterhalt und Unterhaltsvorschuss vermieden werden sollen. Der Kinderbonus wird darüber hinaus nicht auf ALG-II-Leistungen oder den Unterhaltsvorschuss angerechnet und erhöht somit die Kaufkraft von Haushalten mit Kindern im mittleren und unteren Einkommensbereich. Insgesamt plant die Bundesregierung für den Kinderbonus Mehrausgaben in Höhe von 4,3 Milliarden Euro ein. Da der Kinderbonus allen Haushalten (zunächst) unabhängig von ihrem Einkommen oder finanziellen Verlusten während der Corona-Krise zukommen wird, ist jedoch unklar, ob die Haushalte den Bonus tatsächlich ausgeben oder zum großen Teil sparen, was die gewünschte konjunkturelle Wirkung mindern würde.

Mithilfe einer Befragung im Auftrag des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) über die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie lässt sich noch vor Beginn der Auszahlung des Kinderbonus abschätzen, in welchem Umfang die zusätzlichen Gelder ausgegeben werden und ob das Ziel, einen weiteren Konjunkturimpuls auszulösen, erfüllt werden kann. Die Ergebnisse der Befragung basieren auf den Antworten von 1.202 Teilnehmern eines Online-Access Panels, welche zwischen dem 10. und 18. August 2020 durch das Marktforschungsunternehmen respondi AG befragt wurden (s. Methodik).

Auf die Frage „Was werden Sie mit dem Kinderbonus machen?“ antworteten 24 Prozent der Befragten mit einem kindergeldberechtigten Kind, dass sie den Kinderbonus vollständig ausgeben werden und 37 Prozent wollen dies zumindest teilweise tun. Hingegen gaben 39 Prozent der Befragten an, dass sie den Kinderbonus vollständig sparen wollen (Abbildung). Diejenigen, die den Kinderbonus nur anteilig ausgeben werden, wurden zusätzlich gefragt, welchen Teil sie davon genau verausgaben wollen. Rund 10 Prozent wollen demnach bis zu 25 Prozent davon konsumieren. Weitere 49 Prozent planen, 26 bis 50 Prozent auszugeben. 33 Prozent wollen gar 51 bis 75 Prozent des Kinderbonus für den Konsum aufwenden und 8 Prozent haben vor, 76 bis 99 Prozent davon auszugeben.