Investitionen können das Produktionspotenzial erhöhen und für die Entstehung von Einkommen und Beschäftigung in der Zukunft sorgen. Sie gelten als wachstumswirksam und stehen dadurch im besonderen Fokus bei Debatten zur Zukunftsfähigkeit der deutschen Volkswirtschaft. In diesem Kontext haben verschiedene Studien Deutschland umfangreiche Investitionsbedarfe attestiert (BMWi, 2020). So fordern Bardt et al. (2019) im Rahmen eines Deutschland-Fonds zusätzliche Ausgaben von mindestens 457 Mrd. Euro über die nächsten 10 Jahre in transformativen Bereichen wie Dekarbonisierung, Kommunikationsnetze, Digitalisierung, öffentliche Infrastruktur oder Bildung. Zur Bereitstellung eines bedarfsgerechten öffentlichen Kapitalstocks müsste der Staat also jährlich 45,7 Mrd. Euro zusätzlich zu den bereits vorhandenen öffentlichen Investitionen in die Hand nehmen. Massive Investitionen in die öffentliche Infrastruktur fordern inzwischen übergreifend auch Industrie, Politik und Gewerkschaften.

Somit gilt zu klären, inwiefern eine zunehmende Investitionsdynamik des Bundes erkennbar ist und ob diese ausreichen, um die Diskrepanz zu den geforderten Mehrausgaben von etwa 45 Mrd. Euro pro Jahr zu schließen.

Ein Blick in die amtliche Statistik lässt tatsächlich auf den ersten Blick eine zunehmende öffentliche Investitionsdynamik seit dem Tiefstand der nominalen Bruttoanlageinvestitionen von 2014 erkennen. Die jährlichen gesamtstaatlichen Investitionsausgaben lagen im Jahr 2019 bei 85,7 Mrd. Euro und somit etwa 24 Mrd. Euro höher als noch 5 Jahre zuvor (Destatis, 2020). Dies entspricht einer nominalen jährlichen Wachstumsrate von etwa 7 Prozent. Bei dieser Betrachtung ist aber nicht zu vergessen, dass die Wirtschaftsleistung in Deutschland im selben Zeitraum parallel angestiegen ist. Gemessen als Anteil des Bruttoinlandsprodukts lagen die Bruttoanlageinvestitionen des Staates 2019 bei 2,5 Prozent. Zum Vergleich: in den 1990er Jahren lag der Anteil bei über 3 Prozent, in den 2000er Jahren bei lediglich 2,1 Prozent.

In der Finanzstatistik des Bundeshaushalts ist ebenfalls eine zunehmende Dynamik bei den investiven Ausgaben zu erkennen. So sind die Investitionsausgaben auf Bundesebene zwischen 2014 und 2019 insgesamt um rund 9 Mrd. Euro auf 38,1 Mrd. Euro im Jahr 2019 gestiegen (BMF, 2020a). Noch deutlicher wird diese Dynamik sichtbar in den aktuellen Sollplanungen des Bundes (Abbildung). Vergleicht man das Jahr 2019, indem der Deutschland-Fonds durch Bardt et al. (2019) vorgeschlagen wurde, und die aktuellen Sollzahlen für 2020 und 2021, ergibt sich auf den ersten Blick durchaus eine beachtliche Zunahme bei den investiven Ausgaben. Geplant hat der Bund investive Ausgaben von insgesamt 71,3 Mrd. Euro im Jahr 2020 und somit etwa 33 Mrd. Euro mehr als noch im vergangenen Jahr.