Die Lebenszufriedenheit ist in den letzten zehn Jahren in Deutschland deutlich gestiegen. Eine hohe Zufriedenheit von mindestens acht Punkten auf einer Skala von null („ganz und gar unzufrieden“) bis zehn („ganz und gar zufrieden“), gaben 2015 57 Prozent mehr an als zehn Jahre zuvor. Die Umfrageergebnisse stammen aus dem Sozio-oekonomischen Panel (SOEP, 2017), welches jährlich zwischen 10.000 und 30.000 Bürger in Deutschland befragt.

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Ein wichtiger Einflussfaktor für eine hohe Lebenszufriedenheit ist - neben der Gesundheit, dem Einkommen und der Persönlichkeit - die Erwerbstätigkeit (Ewers, 2016). Seit 2005 haben über vier Millionen Menschen wieder Arbeit gefunden und auch die Gehälter sind für eine Mehrheit der Bürger gestiegen. Das Gehalt ist jedoch nicht ausschlaggebend: Erwerbstätige sind im Durchschnitt deutlich zufriedener als Arbeitslose, ganz unabhängig vom Gehalt. Knabe et al. (2016) belegen dies mit Zahlen zu Arbeitslosen, die wieder Arbeit im Niedriglohnsektor gefunden haben. Durch den Wiedereinstieg in den Arbeitsmarkt waren sie deutlich zufriedener, auch wenn nach wie vor ergänzendes Arbeitslosengeld II bezogen wurde.

In der Arbeitsmarktpolitik gibt es regelmäßig Änderungen, wie beispielsweise die Verlängerung der Regelarbeitszeit und die Förderung des Arbeitens im Alter. Die Generation 60 plus ist viel gesünder und fitter als früher und ihre Lebenserwartung ist dadurch gestiegen. Da Menschen, die einer Erwerbstätigkeit nachgehen, deutlich zufriedener mit ihrem Leben sind, stellt sich die Frage, ob auch die Lebenszufriedenheit bei Menschen höheren Alters gestiegen ist, wenn diese nun länger arbeiten müssen?

Die Erwerbstätigenquote Älterer verdoppelte sich in den letzten zehn Jahren

Im Jahr 1995 waren rund 15 Prozent der älteren Menschen zwischen 60 und 69 Jahren erwerbstätig, zehn Jahre später waren es rund 20 Prozent und aktuell arbeiten rund 40 Prozent der 60 bis 69-Jährigen. Und auch für diese Altersgruppe zeigt sich, dass die Zufriedenheit der erwerbstätigen Älteren deutlich höher als die der nichterwerbstätigen ist. Nichterwerbstätige Ältere sind Rentner und auch Personen in Altersteilzeit mit einer Arbeitszeit von Null Stunden.

Die Zufriedenheit dieser Gruppe ist in den letzten Jahren ebenso gestiegen wie die aller Bürger. In der Abbildung wird die Lebenszufriedenheit aller Altersklassen zwischen den Jahren 1995 und 2015 dargestellt, sowie die Zufriedenheit der 60- bis 64-Jährigen und der 65- bis 69-Jährigen, die erwerbstätig oder nicht erwerbstätig sind. In der Abbildung wird deutlich, dass vor allem die Zufriedenheit der älteren Erwerbstätigen gestiegen ist: Heute geben die 65- bis 69-Jährigen im Durchschnitt eine Zufriedenheit von 7,6 an und vor 10 Jahren war der Wert 5 Prozent niedriger. Die Nichterwerbstätigen diese Altersgruppe geben im Durchschnitt einen Wert von 7,2 an. Interessanterweise sind die 65- bis 69-Jährigen zufriedener als die 60- bis 65-Jährigen. Auch in dieser Altersgruppe ist die Zufriedenheit der Erwerbstätigen um über 6 Prozent höher als die der Nichterwerbstätigen.

Eine längere Arbeitszeit ist die Realität vieler Älterer und die obigen, ersten, Einsichten zeigen eine positive Auswirkung auf deren Zufriedenheit. Ein Grund für die gestiegene Zufriedenheit in Deutschland ist also auch die Zunahme von älteren Erwerbstätigen.

Ein Unterschied zu früher liegt in der neuen Möglichkeit, länger arbeiten zu können und dem Fakt, dass dies auch viele wahrnehmen. Früher war ein älterer Arbeitnehmer über 65 Jahren ein Exot im Unternehmen und nun wird dies zur Normalität. Studien zur Lage Älterer zeigen auch, dass viele im 4. Lebensabschnitt nicht nur ihre Ruhe haben, sondern ein Teil der Gesellschaft sein wollen. Dann engagieren sie sich beispielsweise ehrenamtlich und bleiben dadurch im Kontakt mit vielen Menschen und tun etwas für einen guten Zweck. 42 Prozent der 65- bis 85-Jährigen engagieren sich ehrenamtlich (Generali Altersstudie 2017, 2017).

Welche Eigenschaften bringen ältere Erwerbstätige mit? Sind es arme Menschen, die sich den Ruhestand nicht leisten können? Esselmann und Geis (2015) finden ganz im Gegenteil heraus, dass ältere Menschen eher arbeiten, wenn ihr Haushaltseinkommen hoch ist, zum Beispiel weil sie selbstständig sind, einen hohen Bildungsabschluss und eine gute Gesundheit besitzen - und auch dann, wenn der Partner weiterhin arbeitet.

Tatsächlich sind auch die 60- bis 65-Jährigen Erwerbstätigen deutlich zufriedener mit ihrem Leben als die arbeitslosen Älteren, unabhängig von ihrer Gesundheit oder dem Haushaltseinkommen. Jedoch gibt es keinen signifikanten Unterschied bei der Lebenszufriedenheit von Erwerbstätigen und Rentnern für die Altersgruppe der 60- bis 65-Jährigen, wenn man für die Gesundheit und das Haushaltseinkommen kontrolliert. Wer allerdings gerne arbeiten will und keine Anstellung erhält, ist sehr viel unzufriedener mit seinem Leben.

IW-Kurzbericht

Mara Grunewald: Lebenszufriedenheit der Generation 60 plus steigt

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Der Einfluss der kulturellen Diversität innerhalb der Belegschaft auf den betrieblichen Erfolg ist kontextabhängig. Kulturelle Vielfalt innerhalb der Belegschaft wirkt per se weder förderlich noch hinderlich. Dies ist das Ergebnis einer empirischen Auswertung von Linked-Employer-Employee-Daten für Deutschland über das Zusammenspiel kulturell unterschiedlicher Gruppen in Unternehmen und ihren (möglichen) Einfluss auf die Bruttowertschöpfung. mehr