Bei der Suche nach Erklärungen für den Erfolg der AfD standen bei der Bundestagswahl die spezifische Einkommens- und Schichtstruktur ihrer Wähler („Prekarisierungshypothese“) sowie der Einfluss strukturschwacher Regionen im Fokus der Diskussion. Deren Stimmigkeit widmen sich Bergmann et al. (2018) in einem Beitrag, dessen Kernergebnisse im Folgenden referiert werden.

Die Analyse der sozio-ökonomischen Merkmale von AfD-Anhängern anhand der verfügbaren Mikrodaten erlaubt kaum eindeutige Aussagen. Zwar zeigen alle Datensätze eine Verringerung der Einkommen beim Übergang von einer eurokritischen zu einer rechtspopulistischen Partei; Zeitpunkt und Ausmaß der Verschiebung unterscheiden sich in den Befragungssätzen allerdings deutlich. Die Gesamtschau lässt vermuten, dass AfD-Anhänger mit Blick auf ihre Einkommen nahezu einen Querschnitt der Gesellschaft abbilden, mit einem leicht stärkeren Abschneiden in der unteren Einkommensmitte.

Gemäß der Online-Befragung der German Longitudinal Election Study (GLES) verfügen beispielsweise 23,6 Prozent der AfD-Anhänger über monatliche Haushaltsnettoeinkommen zwischen 1.500 und 2.000 Euro – gegenüber 19,4 Prozent unter allen Wahlberechtigten. Aber selbst in höheren Einkommensbereichen bekennen sich im Jahr 2016 zahlreiche Menschen zur AfD: 16,8 Prozent der AfD-Anhänger verfügen über ein Haushaltsnettoeinkommen von über 4.000 Euro – gegenüber 18,1 Prozent unter allen Wahlberechtigen.

Einheitlich über alle Mikrodatensätze zeigt sich, dass die AfD überdurchschnittlich – und zunehmend – bei Arbeitern punkten konnte. In der GLES-Vorwahlbefragung erreichte der entsprechende Anteil der AfD-Anhänger mit 23,5 Prozent seinen Höchststand – ein beinahe dreimal so hoher Anteil gegenüber den übrigen Wahlberechtigten. Da die Gruppe der Angestellten allerdings deutlich größer ist, stellten diese auch in der GLES-Vorwahlbefragung immer noch den größten Anteil der AfD-Anhänger.

Die großen Unterschiede zwischen den Mikrodatensätzen werfen grundsätzlich die Frage auf, ob sich die Wählerstruktur anhand von Befragungsdaten unverzerrt ermitteln lässt. Amtliche Daten liegen lediglich über die Anzahl der AfD-Wähler in den 299 Wahlkreisen vor. Danach kann die AfD besondere Erfolge in Regionen mit stark gesunkener Arbeitslosigkeit verzeichnen. Dieser zunächst überraschende Zusammenhang geht jedoch allein auf das stark überdurchschnittliche Abschneiden in den Neuen Bundesländern zurück, wo die Arbeitslosigkeit zuletzt deutlich zurückgegangen ist.