Die weltweiten Einschnitte in das gesellschaftliche und wirtschaftliche Leben im Zuge der Corona-Pandemie haben auch die globalen Handelsströme in Mitleidenschaft gezogen. Vor allem aufgrund der unterbrochenen Wertschöpfungsketten und der globalen Nachfrageschwäche dürfte gemäß der IW-Prognose der Welthandel im Jahr 2020 um 9 Prozent sinken. Während der Pandemie ist es zudem zu einer Verschärfung des Protektionismus gekommen. Einige Länder verhängten Exportbeschränkungen oder zeitweise sogar Exportverbote, um die Versorgungssicherheit der eigenen Bevölkerung mit bestimmten Arzneimitteln und medizinischen Gütern zu gewährleisten. Zudem werden diese Instrumente für industriepolitische Zwecke zur Förderung des eigenen Industriezweigs für Pharmazeutika und Medizinprodukte eingesetzt. So verständlich diese Vorgehensweise im Einzelfall sein mag, so sehr wird damit Sand ins Getriebe einer effizienten und gerechten globalen Verteilung von Gesundheitsgütern gestreut. Ein funktionierender globaler Warenverkehr bei diesen Produkten ist aktuell daher von großer Wichtigkeit.

Im Folgenden werden Gesundheitsgüter betrachtet, die für den Schutz vor und die Behandlung von Covid-19 als relevant angesehen werden – Gesundheitsgüter können entsprechend einer Studie der Welthandelsorganisa­tion (WTO) in folgende Kategorien unterteilt werden:

  • Arzneimittel: sowohl dosiert als auch undosiert. Dies ist die größte Kategorie mit einem Anteil von 56 Prozent an den globalen Importen von Gesundheitsgütern.
  • Medizinprodukte (Anteil 31 Prozent): Medizintechnik und -geräte und medizinisches Verbrauchsmaterial. Dies umfasst beispielsweise Geräte für Diagnostik, Chirurgie, Intensivmedizin, Implantate, Sterilisation sowie Verbandmittel, Hilfsmittel oder OP-Material.
  • Produkte zum persönlichen Schutz (Anteil 13 Prozent): wie Handseife und Desinfektionsmittel, Gesichtsmasken, Schutzbrillen.

Der Handel mit Gesundheitsgütern spielt global eine wichtige Rolle. Im Jahr 2019 belief sich der Welthandel (Exporte und Importe) mit Gesundheitsprodukten gemäß der Daten der WTO auf 2 Billionen US-Dollar. Das sind rund 5 Prozent des weltweiten Warenhandels.

Deutschland ist der WTO zufolge der größte Exporteur von Arzneimitteln und Medizinprodukten mit einem Anteil von fast 14 Prozent am Weltexport, knapp vor den USA mit rund 12 Prozent im Jahr 2019 (Abbildung). Deutsche Gesundheitsgüterexporte betrugen im vergangenen Jahr 136 Milliarden US-Dollar, die Gesundheitsgüterimporte 86 Milliarden US-Dollar.