Bauholz, Computerchips und Fahrräder. Verschiedene Güter sind in den letzten Wochen so knapp geworden, dass es zu Lieferschwierigkeiten gekommen ist. Vor allem mit dem erneuten Einstieg in die gesellschaftliche und ökonomische Normalisierung infolge der Impffortschritte und der damit einsetzenden Entladung des aufgestauten Konsums halten diese Engpässe die konjunkturelle Erholungsdynamik zurück. In Teilen spiegeln höhere Preise diese Knappheiten wider.

Für die gegenwärtigen Lieferproblematik kommen ganz unterschiedliche Ursachen und Erklärungen in Betracht:

  • Für einige Produkte ist schlichtweg die Nachfrage in der Corona-Krise deutlich angestiegen. Exemplarisch gilt dies etwa für Fahrräder oder ausgewählte Güter im Gesundheitsbereich.
  • An anderer Stelle kam es zu einem Einbruch infolge der Lockdown-Maßnahmen und dann zu einer überraschend schnellen Erholung, auf die sich Lieferanten nicht rechtzeitig einstellen konnten. Die Erholung des Welthandels und damit der Nachfrage nach deutschen Exportgütern war im Vergleich mit früheren Krisen erheblich schneller. Damit entsteht ein Lieferstau, der langsam abgearbeitet werden kann.
  • Auch der globale Warentransport leidet noch unter der Corona-Pandemie. Nach der Vollbremsung der Weltwirtschaft und des Welthandels vor einem Jahr muss vieles nachgeliefert werden. Vor allem auf dem Weg von China nach Europa stockt es, weil beispielsweise Container und zum Teil auch Schiffsbesatzungen fehlen.
  • Einzelereignisse wie der Brand von Halbleiter-Fabriken oder die zwischenzeitliche Blockade des Suez-Kanals haben die Situation weiter verschärft. Während dieser für den Welthandel wichtige Schifffahrtsweg wieder frei ist, lassen sich zerstörte Produktionskapazitäten nicht ohne weiteres ersetzen.
  • Auch Handelskonflikte tragen zu Knappheiten bei. So sollen sich beispielsweise chinesische Elektronik-Hersteller mit Chips eingedeckt haben, um sich vor möglichen Handelskonflikten zu schützen.

Vielfach kommen verschiedene Faktoren zusammen. Im Fall der fehlenden Verfügbarkeit von Halbleitern, die etwa in der Autoindustrie bereits zu Produktionsunterbrechungen in Deutschland geführt hat, kommen die hohe Nachfrage nach Unterhaltungselektronik, die zwischenzeitliche Krise und entsprechende Bestellanpassung der Autoindustrie, der Ausfall von Produktionskapazitäten und der zusätzliche Lageraufbau aufgrund von Handelskonflikten zusammen.

Die Folge sind Lieferengpässe für eine Reihe von Produkten, aber auch höhere Preise. So ist beispielsweise der Holzpreis in den letzten Monaten deutlich angestiegen. Auch Metalle bewegen sich gemessen am Industriemetallpreisindex (IMP-Index) auf Rekordniveau (Bardt, 2021). Höhere Preise für knappe Güter sind eine normale marktwirtschaftliche Reaktion. Diese fördert eine effiziente Ressourcenallokation, beschleunigt damit die Auflösung von Engpässen und führt die knappen Güter zu den dringendsten Verwendungen. Bestehende strukturelle Behinderungen, vor allem auf der Produktionsseite und in den Lieferketten, lassen sich damit kurzfristig und je nach Güterart auch mittelfristig jedoch nicht beheben.