Die globale Wirtschaftskrise im Zuge der COVID-19-Pandemie hat den internationalen Handel kräftig erschüttert und bereits tiefe Spuren im Exportgeschäft deutscher Unternehmen hinterlassen. Zwar konnten sich die deutschen Exporte nach vorläufigen Daten des Statistischen Bundesamtes im Mai etwas erholen (Statistisches Bundesamt, 2020). Doch die Zunahme im Mai um 9,0 Prozent gegenüber April kann nur einen Bruchteil des Rückgangs um fast ein Drittel im April kompensieren.

Hierbei zeigt sich eine stark unterschiedliche Entwicklung bei den wichtigsten Exportzielländern (Statistisches Bundesamt, 2020). Während die deutschen Exporte in das Vereinigte Königreich in den Monaten Januar bis Mai 2020 um fast ein Viertel unter dem Vorjahreswert lagen, belief sich der Rückgang der Exporte nach China auf nur 10,1 Prozent. Der Rückgang nach Polen im gleichen Zeitraum betrug nur 6,8 Prozent. Gegenüber der Schweiz konnte sogar nahezu eine Seitwärtsbewegung der Exportumsätze verzeichnet werden.

Der unterschiedliche Krisenverlauf in den Exportzielländern wird ihre relative Bedeutung für die deutsche Wirtschaft im Verlauf des Jahres 2020 verändern. Von besonderer symbolischer Bedeutung ist der bereits abzusehende Aufstieg Chinas zum Exportzielland Nummer eins. Im Jahr 2019 war China, gemessen am Umsatz, der drittwichtigste Markt für deutsche Unternehmen. Die deutschen Exporte beliefen sich auf 96,0 Milliarden Euro und waren um 10,7 Milliarden Euro geringer als die Exporte nach Frankreich und 22,7 Milliarden Euro unter dem Wert der Exporte in die USA. Die Daten für die Monate Januar bis Mai 2020 zeigen ein ähnliches Ranking unter den Top 3. Doch der Abstand zwischen China und den zwei wichtigsten Exportzielländern ist wesentlich geringer als im Vorjahreszeitraum. So waren die deutschen Exporte nach China um nur 0,6 Milliarden geringer als die deutschen Exporte nach Frankreich. Unter Berücksichtigung der unterschiedlichen Krisenverläufe in den beiden Ländern dürfte China bereits im Juni Frankreich als Exportzielmarkt Nummer 2 für die deutsche Wirtschaft abgelöst haben.