Der Protektionismus der USA, die Unsicherheiten aufgrund des anstehenden Brexit und weitere globale Handelsrisiken schwächten im Jahr 2018 den Welthandel (IW-Forschungsgruppe Konjunktur, 2018). Die schwierigen politischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen blieben für die Pharmabranche mit ihrem stark exportorientierten Profil nicht ohne Spuren. Im Vorfeld eines möglichen Brexit verzeichnete die pharmazeutische Industrie in den letzten Jahren, verglichen mit anderen exportorientierten Industrien, die stärksten Einbrüche im Handel mit dem Vereinigten Königreich (Deutsche Bank Research, 2019). Andererseits legte der im Handel mit den EWU-Ländern erwirtschaftete Umsatz im Jahr 2018 gegenüber dem Vorjahr stark zu.

Umsatz der pharmazeutischen Industrie im Jahr 2018

Die pharmazeutische Industrien erzielte im Jahr 2018 gegenüber dem Vorjahr real und saisonbereinigt ein Umsatzplus von 4,5 Prozent. Die positive Entwicklung ist vor allem auf die starke erste Jahreshälfte 2018 mit einer Umsatzsteigerung von 5,6 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum zurückzuführen (Abbildung). In der zweiten Jahreshälfte verringerte sich das Umsatzwachstum in der Pharmabranche. Mit einem Plus von 3,3 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum spiegelt diese Entwicklung die Eintrübung der Wachstumserwartungen im Jahresverlauf wider (Kirchhoff, 2018). Dabei zeigte sich das Umsatzwachstum auf dem Binnenmarkt im Vergleich zum Auslandsgeschäft der Branche recht stabil: Während der Umsatz im ersten Halbjahr 2018 um 2,4 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum anstieg, verzeichnete der Binnenhandel im zweiten Halbjahr nur noch ein Plus von 2,1 Prozent gegenüber dem zweiten Halbjahr 2017.

Deutliche Auswirkungen sind dagegen im Auslandsgeschäft zu verzeichnen. Für die Branche ist das Exportgeschäft ausschlaggebend, erwirtschafteten die Unternehmen der deutschen Pharmabranche rund zwei Drittel ihres Umsatzes im Ausland. In der ersten Jahreshälfte verbuchte die Pharmaindustrie noch einen starken Anstieg des Auslandsumsatzes von 7,1 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. In der zweiten Hälfte trübte sich das Wachstum aufgrund eines schwachen vierten Quartals auf plus 3,8 Prozent gegenüber dem Vorjahreswert ein.

Ein Grund für das im Jahresverlauf abnehmende Wachstum lag in der entsprechend abgeschwächten Handelsentwicklung mit den Ländern der Europäischen Währungsunion (EWU). Ist in der ersten Jahreshälfte der Handel mit der Eurozone um 11,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahreswert gestiegen, verringerte sich das Umsatzwachstum mit den EWU-Ländern im zweiten Halbjahr. Im Vorjahresvergleich stieg der mit der Eurozone erwirtschaftete Umsatz in der zweiten Jahreshälfte um 6,4 Prozent. Allerdings erzielte die Branche mit rund 54 Prozent mehr als die Hälfte ihres Auslandumsatzes im Handel mit den Nicht-EWU-Ländern – dieser Anteil ist im Vergleich zum Vorjahr aber um rund 5 Prozentpunkte gesunken. Seit 2013 entwickelte sich der Handel mit dem sonstigen Ausland dynamischer als mit den EWU-Ländern. Im Jahr 2018 verlief die Umsatzentwicklung dagegen anderes: Während der Umsatz mit dem sonstigen Ausland um 3,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr zulegte, nahm der Handel mit der Eurozone trotz der Handelseintrübung im zweiten Halbjahr 2018 insgesamt stark um 8,8 Prozent im Vorjahresvergleich zu. Das Auslandsgeschäft mit den Nicht-EWU-Ländern zeigte sich für die Pharmaindustrie auch im Jahr 2018 weniger volatil im Vergleich zum Handel mit der Eurozone (Diel/Kirchhoff, 2017; Kirchhoff, 2018).

Auftragseingang

Die Auftragseingänge in der pharmazeutischen Industrie zeigten ein ähnliches Wachstumsbild wie der Branchenumsatz: Sie verzeichneten in der ersten Hälfte 2018 stärkere Zuwächse gegenüber dem entsprechenden Vorjahreswert als im zweiten Halbjahr 2018. Allerdings nahm die Wachstumsentwicklung der Auslandsnachfrage weniger stark ab als die inländischen Auftragseingänge. Der Zuwachs aus dem Ausland lag im ersten Halbjahr bei 5,2 Prozent und schwächte sich im zweiten Halbjahr auf 4,3 Prozent gegenüber dem entsprechenden Vorjahresergebnis ab. Diese relativ moderate Entwicklung ist auf die Nachfrage aus der Eurozone zurückzuführen: Hier verstärkte sich das Wachstum im zweiten Halbjahr 2018. Insgesamt stieg die Nachfrage nach Erzeugnissen der pharmazeutischen Industrie im Jahr 2018 real und saisonbereinigt um 4,1 Prozent im Vorjahresvergleich an.

Allerdings orientiert sich die Nachfrage nach Arzneimitteln primär am medizinischen Bedarf und weniger am konjunkturellen Auf und Ab einer Volkswirtschaft. Daher ist besondere Vorsicht bei der Interpretation des Auftragseingangsindexes der Pharmaindustrie geboten.

Produktion

Auffällig ist die Entwicklung des Produktionsindexes. Im Jahr 2018 verzeichnete die Pharmabranche mit 17,2 Prozent gegenüber dem Vorjahreswert den stärksten Produktionszuwachs innerhalb der deutschen Industrie. Zum Vergleich: Das Verarbeitende Gewerbe steigerte seine Produktion insgesamt nur um 1,2 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Dennoch zeigte die Produktion der pharmazeutischen Industrie im Jahresverlauf ähnliche Bremsspuren wie die vorherigen Indikatoren: Die Branche weitete ihre Produktion im ersten Halbjahr um 21,5 Prozent und im zweiten Halbjahr um 13,4 Prozent jeweils im Vergleich zum entsprechenden Vorjahreswert aus. Der außergewöhnlich starke Produktionsanstieg ist angesichts des kurzen Beobachtungszeitraums nur schwer zu interpretieren (Kirchhoff, 2018).

Beschäftigung 

Während die konjunkturellen Auswirkungen einer zunehmend unsicheren Weltwirtschaft an der Umsatz- und Nachfrageentwicklung der Pharmaindustrie nicht vorbeigegangen zu sein scheinen, entwickelte sich die Beschäftigung der Branche in eine andere Richtung: Stieg die Beschäftigung im ersten Halbjahr 2018 gegenüber dem entsprechenden Vorjahreszeitraum um 1,4 Prozent, beschäftigte die Pharmaindustrie im zweiten Halbjahr 1,9 Prozent mehr Menschen im Vergleich zum Vorjahreswert. Insgesamt weiteten die pharmazeutischen Unternehmen im Jahr 2018 ihre Beschäftigung um 1,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr aus.

Getrübter Start ins Jahr 2019 

In das Jahr 2019 hatte die pharmazeutische Industrie keinen guten Start. Im Vorjahresvergleich minderten sich im Januar 2019 der Branchenumsatz auf allen Märkten – ausgenommen den Handel mit dem sonstigen Ausland – und die Produktion der Branche. Die Aufträge der Pharmaindustrie lagen ebenfalls unter dem Vorjahresergebnis. Die Auftragseingänge aus dem Inland und den Nicht-EWU-Ländern verzeichneten jeweils ein Plus, konnten die rückläufigen Aufträge aus den Ländern der Eurozone aber nicht kompensieren. Das Verarbeitende Gewerbe startete mit einem Umsatzminus auf allen Märkten, einem Nachfragerückgang aus dem In- und Ausland und einer rückläufigen Produktion jeweils im Vorjahresvergleich in das laufende Jahr.

Fazit zur Entwicklung in der Pharmaindustrie

Die gesamtwirtschaftliche Eintrübung im Jahr 2018 beeinträchtigte die Entwicklung der Pharmaindustrie. Allerdings führte die nachlassende Dynamik der Weltwirtschaft in der pharmazeutischen Industrie nicht zu einer Branchenrezession. Zum Vergleich: Das Verarbeitende Gewerbe verzeichnete im zweiten Halbjahr 2018 in allen betrachteten Konjunkturindikatoren – ausgenommen die Beschäftigung - eine im Vergleich zum Vorjahresergebnis rückläufige Entwicklung. Im laufenden Jahr dämpfen die weiterhin bestehenden weltwirtschaftlichen Risiken die Wachstumsaussichten auch für die pharmazeutische Industrie.