Daher sollen diese Fragen der Armutsforschung und Armutspolitik hier aufgegriffen werden. Eine detaillierte Analyse kann die Grundlage liefern, um auf effiziente Weise Maßnahmen zur Armutsbekämpfung mit regionalpolitischen Instrumenten zu verknüpfen. Dabei steht die Diskussion um eine Neuorientierung und Neugestaltung der Regionalförderung ohnehin an: Im Jahr 2019 läuft der Solidarpakt II für die neuen Bundesländer aus und die „Gemeinschaftsaufgabe zur Verbesserung der regionalen Wirtschaftsstruktur“ (GRW) als Kern der deutschen Regionalpolitik ist neu zu regeln.

In regionalen Armutsvergleichen für Deutschland wurde bisher meist außer Acht gelassen, dass es zwischen den Regionen nennenswerte Preisunterschiede gibt. Diese bedeuten, dass man sich von demselben Einkommen in den verschiedenen Regionen unterschiedlich viel leisten kann. Wenn es aber bei monetärer Armut darum gehen soll, dass ein bestimmtes Einkommen auch einen (national einheitlichen) Mindestlebensstandard sichert, dann ist es geboten, die Armut in Deutschland nicht an einem einheitlichen Maßstab für das Einkommen, sondern für die Kaufkraft festzumachen und damit regional differierende Preisniveaus zu berücksichtigen. Dies geschieht in der vorliegenden Untersuchung der Armut in Deutschland.

In Kapitel 2 werden zunächst die Armutsbegriffe geklärt und es wird verdeutlicht, dass Armut mehrdimensional ist und beispielsweise auch über fehlende Entfaltungsmöglichkeiten erklärt werden kann. Ein im Vergleich zur Mitte niedriges Einkommen ist daher allenfalls ein Aspekt von Armut – wenn auch ein bedeutender – und spiegelt Einkommensungleichheit wider; allerdings als besonderes Maß, das nicht die gesamte Einkommensverteilung betrachtet. Diskutiert werden nachfolgend auch die Vor- und Nachteile, einen Schwellenwert für Einkommensarmut national oder regional zu setzen. Hier wird beiden Betrachtungsweisen ihre Gültigkeit zugesprochen. So wird der Zusammenhang zwischen den Größen Einkommensarmut mit nationalem Schwellenwert, intraregionale Einkommensarmut und mittleres Einkommensniveau der Regionen – quasi die interregionale Armut – dargestellt.

Armut in Deutschland: Die niedrigen Preise im Osten erleichtern das Leben

Anteil Kaufkraftarmer und Einkommensarmer in Prozent im Jahr 2014