Die allgemeine Arbeitsmarktlage verschlechtert sich – das ist sowohl objektiv aus den Daten ablesbar als auch subjektiv die Wahrnehmung der Beschäftigten. Hinsichtlich ihrer individuellen Arbeitsmarktlage ist die Mehrheit der Beschäftigten dagegen optimistisch.
Trotz Krise: Die meisten Beschäftigten halten ihren Arbeitsplatz für sicher
Institut der deutschen Wirtschaft (IW)
Die allgemeine Arbeitsmarktlage verschlechtert sich – das ist sowohl objektiv aus den Daten ablesbar als auch subjektiv die Wahrnehmung der Beschäftigten. Hinsichtlich ihrer individuellen Arbeitsmarktlage ist die Mehrheit der Beschäftigten dagegen optimistisch.
Die deutsche Wirtschaft befindet sich im dritten Jahr der Rezession. Das ausbleibende Wachstum macht sich mehr und mehr auf dem Arbeitsmarkt bemerkbar. Die Anzahl der Arbeitslosen ist bereits seit 2022 um rund eine halbe Million angestiegen und in diesem Jahr kommt auch das Wachstum der Erwerbstätigkeit zum Stillstand. Es ergibt sich die Frage, wie die Beschäftigten ihre persönliche und die allgemeine Arbeitsmarktlage wahrnehmen.
Zur Beantwortung werden Daten der IW-Beschäftigtenbefragung ausgewertet, in der seit 2023 rund 5.000 sozialversicherungspflichtig und geringfügig Beschäftigte repräsentativ zu verschiedenen arbeitsmarktrelevanten Themen befragt werden. Die hier verwendeten Daten wurden im Mai/Juni 2025 beziehungsweise im April 2024 erhoben. Darin geben Befragte unter anderem Auskunft zu der Frage, ob sie damit rechnen, innerhalb der nächsten beiden Jahre ihren Arbeitsplatz zu verlieren und ob es ihnen leichtfallen würde, eine neue Beschäftigung zu finden. Auf dieser Basis werden die Befragten in drei Gruppen unterteilt (Schäfer, 2024):
- Optimisten: Beschäftigte, die keinen Verlust des Arbeitsplatzes befürchten.
- Wechsler: Beschäftigte, die den Verlust des Arbeitsplatzes befürchten, aber glauben, leicht eine gleichwertige neue Stelle finden zu können.
- Pessimisten: Beschäftigte, die den Verlust des Arbeitsplatzes befürchten und nicht glauben, leicht eine gleichwertige neue Stelle zu finden.
Der Anteil der Pessimisten ist in diesem Jahr mit rund 5 Prozent genauso groß wie im vergangenen Jahr. Der Anteil der Wechsler ist hingegen von 9 auf 5 Prozent zurückgegangen. Dementsprechend hat sich der Anteil der Optimisten trotz eingetrübter Arbeitsmarktlage sogar leicht von 85 auf 89 Prozent erhöht.
Überproportional sind die Pessimisten in der Industrie zu finden, wo sie einen Anteil von knapp 8 Prozent stellen. In diesen Branchen ist auch der Beschäftigungsabbau zurzeit am größten. Verbreitet ist unter den Pessimisten vor allem die Befürchtung, dass der technische Fortschritt ihre beruflichen Fähigkeiten entwerten wird. Der Aussage stimmen 53 Prozent der Pessimisten zu, aber nur 17 Prozent der Optimisten.

Beschäftigte erkennen Ernst der Lage
Die subjektive Einschätzung der Arbeitsmarktlage in Bezug auf das Ausmaß der Arbeitslosigkeit zeigt ein realistisches Bild: Die Befragten nehmen die gestiegene Arbeitslosigkeit in Deutschland deutlich wahr – und spiegeln damit die amtliche Statistik sowie die Prognosen des Instituts der deutschen Wirtschaft (vgl. Bardt et al., 2025). Der Vergleich von 2024 zu 2025 verdeutlicht, wie sich die Wahrnehmung der Arbeitslosigkeit in den drei Gruppen verändert hat (Abbildung). Die Befragung erfolgte anhand einer Skala von -10 („sehr stark verschlechtert“) bis +10 („sehr stark verbessert“). Der Medianwert der jeweiligen Gruppe zeigt die mittlere Einschätzung – in der Abbildung gekennzeichnet durch die horizontale Linie in jedem Kasten, während die vertikale Länge des jeweiligen Kastens die Streuung der mittigen 50 Prozent der Antworten abbildet.
Alle drei Gruppen Optimisten, Wechsler und Pessimisten bewerten die Arbeitsmarktlage 2025 deutlich schlechter als im Vorjahr. Besonders schlecht beurteilen die Pessimisten die aktuelle Lage: Der Median sinkt von -1 im Jahr 2024 auf -3 im Jahr 2025, begleitet von einer nochmals gestiegenen Streuung. Auch die Optimisten sehen eine Verschlechterung der Lage, während die Wechsler ihre zuvor positive Einschätzung auf eine neutrale Bewertung korrigieren. Diese Veränderung der Arbeitsmarkteinschätzung spricht für eine gewisse Sensibilität der Beschäftigten gegenüber dem Anstieg der Arbeitslosigkeit – und zwar weitgehend unabhängig von der eigenen Betroffenheit. Die Diskrepanz zwischen pessimistischer allgemeiner Wahrnehmung und eher zuversichtlicher Einschätzung der persönlichen Lage könnte auf stabile Beschäftigungsverhältnisse zurückzuführen sein. Die Statistik der Bundesagentur für Arbeit zeigt, dass die Abgangschance aus Arbeitslosigkeit in Beschäftigung historisch niedrig ist. Demgegenüber bleibt das Zugangsrisiko aus Beschäftigung in Arbeitslosigkeit stabil. Die gestiegene Arbeitslosigkeit speist sich derzeit weniger aus Entlassungen als vielmehr aus einem Rückgang der Einstellungen.
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IW