Bisherige KOFA-Studien untersuchten den Fachkräftemangel primär anhand von Daten der Bundesagentur für Arbeit (z. B. Risius et al., 2018). Da Recruiting heutzutage häufig online ohne Einbindung der Arbeitsagenturen läuft, wurden in dieser Studie erstmals Online-Stellenanzeigen und Klicks anhand der Daten von Indeed ausgewertet, um den Fachkräftemangel aus einem neuen Blickwinkel betrachten zu können.

Anschließend wurde mittels einer Unternehmensbefragung der Frage nachgegangen, welche Auswirkungen der Fachkräftemangel auf die Personalgewinnung der Unternehmen hat und wie Unternehmen in Zeiten des Fachkräftemangels Mitarbeiter*innen gewinnen. Die Unternehmen wurden auch nach ihren Recruiting-Strategien und deren Erfolg befragt. Ein Fokus lag hierbei auf Maßnahmen der strategischen Personalplanung.

Die wichtigsten Ergebnisse

  • Die Analyse der Online-Stellenanzeigen und des Klickverhaltens auf Indeed zeigt große Unterschiede zwischen den Bundesländern und sieben ausgewählten Berufen. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass Unternehmen in ländlichen Regionen ihre Stellen seltener online ausschreiben. Weiterhin sind in vielen Regionen kaum noch Arbeitslose vorhanden, jedoch sehr wohl an einem Jobwechsel interessierte Beschäftigte.
  • In über 90 Prozent aller befragten Unternehmen ist das Thema Fachkräftemangel präsent. 41 Prozent der befragten Unternehmen bezeichnen den vorhandenen Fachkräftemangel sogar als dringlich oder existenziell für ihr Unternehmen.
  • 70 Prozent der befragten Unternehmen geben an, bestimmte Mitarbeitergruppen besonders dringend zu suchen. Besonders häufig suchen Unternehmen Mitarbeiter*innen im Bereich der IT-Dienstleistungen (29 Prozent). Fünf Prozent aller befragten Unternehmen haben die Suche nach passenden Fachkräften aufgegeben.
  • Trotz Fachkräftemangel ist strategische Personalplanung in vielen Unternehmen noch nicht verankert. Zwar gibt fast jedes zweite vom Fachkräftemangel betroffene Unternehmen (49 Prozent) an, eine strategische Personalplanung zu betreiben – bei den Unternehmen ohne Fachkräftemangel trifft jedoch nur jedes dritte (36 Prozent) vorausschauende Annahmen über Personalengpässe, Talentbedarf, Fluktuation und Pensionierungen.
  • Das Thema Recruiting ist für Unternehmen in den letzten Jahren relevanter geworden. So hat mehr als die Hälfte der befragten Unternehmen (54 Prozent) die Anzahl der Personen im Unternehmen, die sich hauptsächlich mit dem Thema Recruiting beschäftigen, in den vergangenen drei Jahren erhöht.