Welche Berufe versorgungsrelevant sind, also für die Grundversorgung der Bevölkerung, das staatliche Gemeinwesen und die öffentliche Sicherheit mittelfristig erforderlich sind, wurde bisher noch nicht ausreichend untersucht. Diese KOFA-Studie erarbeitet eine Liste solcher Berufe und schätzt, in welchen dieser Berufe in der Corona-Krise Fachkräfteengpässe bestehen oder zu erwarten sind. Dabei wurde die Definition von Relevanz für kritische Infrastrukturen weiter gefasst als bisher, da für die Grundversorgung der Bevölkerung lange Wertschöpfungsketten zu berücksichtigen sind. Zudem ist darauf hinzuweisen, dass die Relevanz für kritische Infrastrukturen keine Wertung der Wichtigkeit von Tätigkeiten für Wirtschaft, Kultur und Gesellschaft für diejenigen Berufe und Tätigkeiten impliziert, die derzeit nicht entsprechend eingestuft werden. Der Begriff der Relevanz für kritische Infrastrukturen bezieht sich hier ausschließlich auf eine kurz- bis mittelfristige Versorgungsrelevanz .

Im Fokus der Diskussion stehen bisher verschiedene Branchenlisten kritischer Infrastrukturen (KRITIS) von Bund und Ländern. Von Branchen kann jedoch nicht ohne Weiteres auf Berufe geschlossen werden. Ausgehend von den KRITIS-Listen werden in dieser KOFA-Studie 501 Berufe herausgearbeitet. Diese beinhalten auch mittelbar relevante Berufe, die in der bisherigen Diskussion häufig vernachlässigt werden. Beispielsweise brauchen Krankenhäuser nicht nur Ärzte und Pfleger, sondern auch Geräte und Materialien, die ebenfalls dauerhaft von passend qualifizierten Arbeitskräften hergestellt und gewartet werden müssen. Die KOFA-Liste der für kritische Infrastrukturen relevanten Berufe berücksichtigt erstmals Wertschöpfungsketten und gelangt dadurch zu einer größeren Vielfalt an Berufen, die für die Grundversorgung der Bevölkerung dauerhaft wichtig sind.
Für alle identifizierten Berufe wurde anschließend eine Corona-spezifische Arbeitsmarktanalyse durchgeführt, um eventuelle Engpässe in diesen Berufen zu identifizieren. Es werden sowohl die Wahrscheinlichkeit von Engpässen als auch die Größe der Corona-Fachkräftelücke in zwei Szenarien geschätzt. Für die Berechnungen wurden unter anderem Annahmen zu Mehrbedarfen und erwarteten Arbeitsausfällen getroffen. Sie gelten für die Dauer der Corona-Pandemie, jedoch nicht darüber hinaus. Die Ergebnisse sind nicht als exakte Werte zu verstehen, sondern dienen der Orientierung und der Fokussierung von Berufen mit besonderen Handlungsbedarfen. Abschließend werden politische Handlungsempfehlungen zur Aktivierung vorhandener Fachkräftepotenziale gegeben, um die Fachkräfteversorgung in für kritische Infrastrukturen relevanten Berufen mittelfristig sicherzustellen.