Wo stehen die USA nach den Midterms? Darüber diskutierte IW-Ökonomin Samina Sultan in der ZDF-Talkshow „Markus Lanz”. Sie erklärte auch, welche Parallelen es zu Deutschland gibt.
„Trumps Versprechen einer Reindustrialisierung ist nicht aufgegangen”
Samina Sultan machte bei „Markus Lanz“ deutlich, dass die USA mit einem Gesamtwachstum von 2,3 Prozent in diesem Jahr zwar Zahlen erreichen, von denen Deutschland weit entfernt ist. „Der Punkt ist aber, dass das Wachstum sehr fragil und unausgewogen ist“, erklärte die Ökonomin.
Während die oberen zehn Prozent der Bevölkerung von Trumps Wirtschaftspolitik, etwa Steuererleichterungen, profitieren, leiden die unteren zehn Prozent darunter. Das Leben wird für sie immer unerschwinglicher. „Insofern steht viel auf dem Spiel, was die langfristige Perspektive angeht“, sagt Sultan.
Auch Trumps Versprechen einer Reindustrialisierung der USA ging nicht auf. Obwohl der US-Präsident etwa die Stahlindustrie mit Zöllen schütze, wachse die Industrie nicht mehr. „Man darf nicht das falsche Versprechen machen, dass die Form von Industrialisierung zurückkommt, die Amerika mal hatte“, sagt Sultan.
Das Gleiche gelte für Deutschland. „Den Strukturwandel muss man schon zulassen, aber man muss ihn abfedern. Und das ist in den USA nicht der Fall.“ Denn einen Sozialstaat, der den Menschen zum Beispiel ermöglicht, umzuschulen, gebe es dort nicht.
Was hilft in dieser Lage? „Falsche Versprechungen führen zu Frust“, sagt Sultan. „Die Anerkennung der Realität ist der erste Schritt, um etwas Neues aufzubauen.“ Ein wichtiger Hebel ist aus ihrer Sicht, gemeinsam dort gegenzuhalten, wo die Globalisierung schiefgelaufen ist.
Sowohl in den USA als auch in Deutschland sei die Industrie durch unfairen Wettbewerb aus China unter Druck geraten. Das Land verschafft sich unter anderem durch massive Subventionen und die Unterbewertung seiner Währung Vorteile. Dagegen könne man gezielt vorgehen – zum Beispiel durch Ausgleichszölle. Ihr Fazit: „Es geht nicht um die Art von Protektionismus, den Trump macht. Sondern darum, gezielt gegen unfaire Praktiken vorzugehen.“
Die ganze Sendung können Sie hier nachschauen: zdf.de
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