In Westdeutschland besteht erheblicher Ausbaubedarf bei der Ganztagsbetreuung für Grundschulkinder. In Ostdeutschland und in Hamburg reichen die bestehenden Kapazitäten hingegen aus. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW).
Grundschulen: 150.000 neue Ganztagsplätze in Westdeutschland nötig
In Westdeutschland reichen die bestehenden Betreuungsangebote für Grundschulkinder bei weitem noch nicht aus, um den bundesweiten Rechtsanspruch auf einen Ganztagsbetreuungsplatz unmittelbar nach seinem Start zu erfüllen. Nach IW-Berechnungen müssen bis zum Schuljahr 2029/30 hierfür noch rund 150.000 Ganztagsplätze zusätzlich geschaffen werden. Der Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung für Grundschulkinder gilt ab dem Schuljahr 2026/2027, beginnend mit der ersten Klassenstufe und wird stufenweise auf die Klassenstufen 2 bis 4 ausgeweitet.
Größter Ausbaubedarf in Bayern, Musterland Hamburg
Besonders groß ist der Ausbaubedarf in Nordrhein-Westfalen mit 45.300 fehlenden Plätzen und in Bayern mit 42.300. Legt man eine Zielquote von 75 Prozent ganztags betreuter Grundschulkinder zugrunde, wären sogar mehr als 570.000 zusätzliche Ganztagsplätze nötig – davon rund 204.000 in Bayern,126.000 in NRW und 105.000 in Baden-Württemberg.
Anders ist die Lage in Ostdeutschland und in Hamburg. Dort werden bereits heute weit mehr als 75 Prozent der Grundschulkinder ganztags betreut. Dennoch gibt es noch kleinere Unterschiede zwischen den von den Eltern geäußerten Betreuungsbedarfen der Eltern und der Betreuungsquote. Der Rückgang der Kinderzahlen dürfte diese Lücken aber in jedem Fall schließen. Ein weiterer Ausbau dürfte daher nicht nötig sein.
Angebote müssen attraktiver werden
„Beim Ausbau der Ganztagsbetreuung müssen die Länder darauf achten, dass die Angebote für Familien attraktiv sind – etwa mit Blick auf Qualität, Öffnungszeiten, Ferienbetreuung und die Höhe der Elternbeiträge“, sagt IW-Experte Wido Geis-Thöne. Denn Ganztagsbetreuung stärke nicht nur die Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Sie eröffne Kindern auch bessere Bildungs-, Entwicklungs- und Teilhabechancen.
Zur Methodik: Um zu berechnen, wie viele Ganztagsplätze nötig sind, hat das IW die Bedarfe im Schuljahr 2029/2030 auf Basis der voraussichtlichen Entwicklung der Zahlen der Kinder im Grundschulalter und der im Jahr 2024 von den Eltern geäußerten Betreuungswünsche hochgerechnet und mit dem derzeit bereits bestehenden Angebot an Ganztagsplätzen verglichen.

Ganztagsbetreuung für Grundschulkinder: In Westdeutschland ist noch ein Ausbau nötig
Institut der deutschen Wirtschaft (IW)
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