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Finanzminister Lars Klingbeil und die Bundesregierung suchen nach Möglichkeiten, die Einkommensteuer zu reformieren.
Pressemitteilung 30. Juni 2026 Tobias Hentze / Martin Beznoska

Spitzensteuersatz greift schon ab dem 1,4-Fachen des Durchschnittslohns

Schon mittlere Einkommen müssen in Deutschland den Spitzensteuersatz zahlen. Was mögliche Reformen kosten würden, zeigt eine Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW).

Während der Spitzensteuersatz von 42 Prozent im Jahr 2005 erst ab dem Doppelten des durchschnittlichen Bruttogehalts einsetzte, liegt diese Schwelle heute beim 1,4-Fachen. Bei Vollzeitkräften liegt sie sogar nur beim 1,1-Fachen des Bruttogehalts. Das zeigt eine neue IW-Untersuchung, für die die Forscher die historischen Steuersätze ab 2005 verglichen haben.

Insgesamt ist die Steuerlast für Beschäftigte seit der Einführung der heutigen Tarifregelungen im Jahr 2006 deutlich gestiegen – und das, obwohl der Bund seitdem keine Steuererhöhung beschlossen hat. Ein Hauptgrund dafür ist der sogenannte Mittelstandsbauch: Der Steuertarif steigt nach dem Grundfreibetrag zunächst ungewöhnlich steil an – wer etwas mehr verdient, startet direkt mit einem hohen Steuersatz. Weil die Tarifstufen seit 2006 nicht mit den Reallöhnen mitgewachsen sind, trifft dieser steile Anstieg heute auch Durchschnittsverdiener. Während sich die Lohnsumme seitdem gut verdoppelt hat, sind die Einnahmen des Bundes aus der Einkommensteuer in der Folge auf das 2,65-Fache gestiegen.

Was die Reformen kosten

Dass dieser Zustand reformbedürftig ist, bemängeln fast alle Parteien in Deutschland. Doch je umfassender eine Reform ausfällt, desto teurer wird sie. Wie teuer, haben die Autoren nun berechnet:

  • Abschaffung des Mittelstandsbauchs: Dies wäre die umfassendste Lösung und mit Blick auf die Arbeitsanreize eine zielführende Reform – mit Mindereinnahmen von rund 68 Milliarden Euro aber auch die teuerste. 
  • Moderate Reform: Werden die Tarifeckwerte spürbar verschoben, so dass der Spitzensteuersatz erst bei 80.000 statt bei 70.000 Euro beginnt, kostet das den Staat rund 21 Milliarden Euro. Normalverdiener würden einen mittleren dreistelligen Betrag im Jahr mehr im Portemonnaie haben. Hebt man zusätzlich den Grundfreibetrag entsprechend dem Existenzminimum an, steigt die Entlastung auf gut 24 Milliarden Euro
  • Ausgleich der kalten Progression: Will der Bund dagegen nur die versteckte Steuererhöhung bei inflationsbedingten Lohnanstiegen in diesem Jahr ausgleichen, entgehen ihm rund acht Milliarden Euro.

Mehr arbeiten lohnt sich kaum

„Der heutige Einkommensteuertarif bestraft Leistung“, sagt IW-Ökonom Tobias Hentze. Wenn von einem Euro Zusatzlohn durch Steuern und Sozialabgaben zum Teil mehr als die Hälfte an den Staat ginge, fehle der Anreiz, mehr zu arbeiten. „Den Mittelstandsbauch ganz abzuschaffen, kann die Politik nicht finanzieren – die Inflation auszugleichen, ist keine echte Reform. Der realistische Weg liegt dazwischen: mittlere Einkommen entlasten und den Spitzensteuersatz später greifen lassen“, so der Steuerexperte. 
 

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