Über ein bundeseinheitliches Tempolimit wird seit Jahrzehnten diskutiert. Dabei fahren in Nordrhein-Westfalen die meisten Autofahrer auch auf Abschnitten ohne Limit bereits heute langsamer als 130 Kilometer pro Stunde. Das zeigen neue Daten des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW).
Autobahnen ohne Tempolimit: Die meisten Autofahrer fahren langsamer als 130 km/h
Deutschlandweites Tempolimit, ja oder nein? Diese Frage spaltet gerade mit Blick auf die nächste Bundestagswahl die Gemüter. Die meisten Fahrzeuge halten die Richtgeschwindigkeit aber auch auf Autobahnen ohne Tempolimit bereits ein. Fast 83 Prozent der Pkw wurden zu einem Zeitpunkt (1-Minuten-Intervall) gezählt, in der die Durchschnittsgeschwindigkeit aller erfassten Pkw unter 130 km/h lag. Bei weiteren 10,5 Prozent betrug die ihnen zugeordnete Durchschnittsgeschwindigkeit zwischen 130 und 140 km/h.
Durchschnittsgeschwindigkeit sinkt weiter
Tendenziell fahren Autofahrer heute langsamer als noch vor einigen Jahren: Schon im Sommer 2021 haben die IW-Experten entsprechende Daten aus NRW ausgewertet, damals fuhren die Pkw im Schnitt 116,5 km/h. 2022 lag die durchschnittliche Geschwindigkeit nur noch bei 115 Kilometern pro Stunde, zuletzt waren es 113,5 km/h. Das liegt wohl zum einen daran, dass es auf den Straßen voller geworden ist und es mehr Baustellen gibt. Aber selbst in Zeiten, in denen eine weitestgehend freie Fahrt möglich ist, fahren viele Autofahrer von sich aus höchstens 130 km/h. Zudem wurden verhältnismäßig viele Pkws mit exakt 130 km/h gemessen – viele Autofahrer nutzen wohl einen Tempomaten oder orientieren sich am Tacho.
Debatte muss ein Ende finden
Über ein einheitliches Tempolimit auf deutschen Autobahnen wird seit Jahrzehnten gestritten, dabei ist der Großteil der Autofahrer mit einer Geschwindigkeit unter 130 km/h unterwegs. „Im Verkehrssektor gibt es viel größere Probleme. So muss die Politik dringend eine Antwort auf die Infrastrukturkrise liefern“, erklärt IW-Verkehrsökonom Thomas Puls. „Die Debatte um ein einheitliches Tempolimit ist überzogen.“
Zur Methodik: Für die Studie haben die IW-Wissenschaftler über einen Zeitraum von rund vier Monaten im Sommer 2024 Daten von sogenannten Autobahnzählstellen an Abschnitten ohne Geschwindigkeitsbegrenzung in Nordrhein-Westfalen ausgewertet, dabei wurden rund 1,9 Milliarden Pkw erfasst.
Transparenzhinweis:
In einer früheren Version dieser Studie hieß es: „Fast 83 Prozent der Autofahrer fahren langsamer als 130 km/h“. Diese Aussage ist nicht korrekt. Tatsächlich beschreiben die Daten die durchschnittliche Geschwindigkeit aller Pkw, die innerhalb von jeweils einer Minute an den Zählstellen erfasst wurden. Der Durchschnitt von 130 km/h wäre also theoretisch auch erreicht, wenn innerhalb dieses Intervalls zwei Fahrzeuge gemessen worden wären, von denen eines 80 km/h und eines 180 km/h gefahren ist. Die fehlerhafte Beschreibung und Interpretation der Erhebungsmethode der Daten wurden in der Studie korrigiert.
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