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Junge Rekruten beim Gelöbnis: Bis 2035 will die Bundeswehr auf 460.000 Soldaten und Reservisten wachsen (© Getty Images)
Pressemitteilung 14. November 2025 Alexander Burstedde / Paula Risius / Hubertus Bardt

IW-Simulation: Neuer Wehrdienst verfehlt ohne Strukturreformen sein Ziel

Der geplante Aufwuchs auf 460.000 Soldaten und Reservisten ist allein mit mehr freiwillig Wehrdienstleistenden kaum erreichbar, zeigt eine Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW). Eine Wehrpflicht kann dieses Problem jedoch nicht allein lösen. Sie wäre umso teurer, je mehr Menschen eingezogen würden.

Die Bundeswehr wird ihr Personalziel von 460.000 Soldaten bis 2035 nach neuen IW-Simulationsrechnungen auch nach ihrer Wehrdienstreform deutlich verfehlen. Selbst bei deutlich verbesserter Attraktivität würde die Sollstärke mit der geplanten langsamen Erhöhung der Freiwilligenzahlen erst 2039 erreicht. 

Zwar führt die Reform voraussichtlich zu einem deutlichen Personalzuwachs. Um das Ziel 2035 zu erreichen, müssten die Ausbildungskapazitäten allerdings schon bis 2029 auf 50.000 freiwillig Wehrdienstleistende ansteigen, statt wie geplant auf 40.000 bis 2031. Der Ausbau der Ausbildungskapazitäten braucht also etwas mehr Tempo.

Allgemeine Wehrpflicht wäre ineffizient

Wichtiger ist jedoch, dass mehr Menschen nach dem Wehrdienst für die Bundeswehr aktiv bleiben. Zentral ist, welcher Teil der Wehrdienstleistenden sich anschließend als Soldat auf Zeit verpflichtet oder aktiver Reservist wird. Den Erfahrungen aus Schweden zufolge wird das nach Einführung einer Teilwehrpflicht erstmal schlechter. Auch die Abbruchquoten sind zu hoch.

Eine allgemeine Wehrpflicht könnte dieses Problem theoretisch lösen, wäre aber hochgradig ineffizient. Die wenigsten zwangsweise Eingezogenen dürften nach ihrem kurzen Dienst in der Truppe bleiben. Ihre Fähigkeiten gehen dann verloren und tragen nicht zur Verteidigungsfähigkeit bei. Garantiert ist nur, dass jeder junge Mensch, der ohne Aussicht auf Verbleib einen Wehrdienst ableistet, verspätet in Ausbildung und Arbeitsmarkt einsteigt. Das hat hohe volkswirtschaftliche Kosten.

Dienst muss attraktiver werden

„Ökonomisch betrachtet sollten die Ziele mit möglichst wenigen freiwillig Wehrdienstleistenden erreicht werden“, sagt IW-Ökonom Alexander Burstedde. Es müsse deshalb darum gehen, einen möglichst großen Anteil der Freiwilligen als Soldaten auf Zeit oder Reservisten zu gewinnen. Auch müssen die hohen Abbruchquoten runter. 

„In den kommenden Jahren muss der Dienst viel attraktiver werden. Der geplante Zielkorridor sollte auch Attraktivitätskriterien festlegen und forcieren“, so Burstedde. Zum Beispiel könne man die Abbruchquoten senken, indem ein Teil des hohen Soldes nur bei Durchhalten ausgezahlt und die Wünsche bei Einsatzort und Tätigkeit noch besser berücksichtigt würden.
 

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Für den personellen Aufwuchs ist vor allem der Verbleib zentral.
IW-Report Nr. 57 14. November 2025 Alexander Burstedde / Paula Risius / Hubertus Bardt

Wehrpflichtsdebatte: Attraktivität der Bundeswehr entscheidend

Alexander Burstedde / Paula Risius / Hubertus Bardt Institut der deutschen Wirtschaft (IW) Institut der deutschen Wirtschaft (IW)

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