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Marokko hat ein großes Potenzial bei erneuerbaren Energien, wie hier beim Solarkraftwerk Ouarzazate. (© Anadolu / Getty Images)
IW-Nachricht 11. Februar 2026 Simon Gerards Iglesias

Außenhandel: Trotz Zeitenwende kaum neue Handelspartner

Deutschlands Außenhandel kommt bei der Erschließung alternativer Märkte kaum voran. Noch immer entfällt ein großer Teil des Außenhandels auf wenige große Partner, zeigen Zahlen des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW). China und die USA sind auf diesen Märkten deutlich aktiver.

Trotz Forderungen nach weniger Abhängigkeit von den USA und China bleibt der deutsche Außenhandel auf wenige Partner konzentriert. Nach IW-Analysen entfielen 2025 nur knapp elf Prozent der Importe und Exporte auf die 25 strategisch bedeutsamen Länder des globalen Südens – kaum mehr als 2016 mit 10,5 Prozent. Ein Beispiel ist Indien: Trotz des Aufstiegs zur viertgrößten Volkswirtschaft der Welt lag sein Anteil am deutschen Außenhandel 2016 bei 0,8 Prozent und stieg bis 2023 nur auf gut ein Prozent. Seither stagniert er.

Anders die USA: Sie wickeln rund 30 Prozent ihres Außenhandels mit dieser Staatengruppe ab. Auch China hat seine Präsenz deutlich ausgebaut und erzielt dort inzwischen rund ein Drittel seines Außenhandels – vor zehn Jahren war es noch weniger als ein Viertel.

Große Abhängigkeit von China und USA

Weiterhin konzentriert sich ein großer Teil des deutschen Außenhandels neben dem EU-Binnenmarkt auf zwei Staaten:

  • China bleibt einer der zentralen Handelspartner Deutschlands. Im Jahr 2025 lag sein Anteil an der deutschen Außenhandelsbilanz bei rund neun Prozent. Zwar ist der Anteil damit seit 2022 um gut einen Prozentpunkt gesunken, doch ist die Abhängigkeit von der Volksrepublik weiterhin groß – etwa bei seltenen Erden. Besonders deutlich wird das beim Blick auf die Importe: Etwa 13 Prozent der deutschen Einfuhren stammen aus China, während der Exportanteil bei gut fünf Prozent liegt.
  • Auch im Handel mit den USA gab es kaum Verschiebungen. Ihr Anteil an der deutschen Außenhandelsbilanz betrug 2025 rund acht Prozent. Politische Unsicherheiten und protektionistische Tendenzen haben die Handelsstrukturen bislang kaum verändert.

Partner für regelbasierte Weltwirtschaft gesucht

Länder des globalen Südens gewinnen als alternative Handelspartner und politische Verbündete an Bedeutung. Staaten außerhalb der geopolitischen Blöcke können helfen, Abhängigkeiten zu verringern und die regelbasierte Weltwirtschaft zu stärken. Deutschland nutzt dieses Potenzial bislang kaum. Welche strategische Rolle diese Länder spielen können, zeigt das Beispiel Marokko. Das Land entwickelt sich zu einem attraktiven Standort für erneuerbare Energien und industrielle Produktion. Zudem unterstützen mehrere EU-Staaten wie Spanien und Frankreich Marokkos Anspruch auf die Westsahara – ein geopolitisch relevantes Signal.

Zur Methodik: Der Begriff „Globaler Süden“ fasst im weiteren Sinne die Entwicklungs- und Schwellenländer zusammen. Das Magazin „The Economist” definiert die wichtigsten Staaten aus dieser Gruppe als „Transactional 25“. Sie haben sich weder den USA noch China oder Russland eindeutig angeschlossen und verfolgen eine opportunistische und pragmatische Außenpolitik. Zugleich sind es wirtschaftlich aufstrebende und für die Rohstoffsicherheit bedeutsame Länder. Zur Liste der Länder: siehe Grafik.
 

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