1. Home
  2. Presse
  3. IW-Nachrichten
  4. Sie verstärkt die Krise
Zeige Bild in Lightbox Sie verstärkt die Krise
(© Foto: Dmitry Vereshchagin - Fotolia)
Teilen Sie diesen Artikel:

oder kopieren Sie den folgenden Link:

Der Link wurde zu Ihrer Zwischenablage hinzugefügt!

Zinsschranke IW-Nachricht 12. Oktober 2009

Sie verstärkt die Krise

Was Steuerexperten vermutet haben, ist nun durch eine aktuelle empirische Studie des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI) bestätigt worden. Die im Gefolge der Unternehmenssteuerreform 2008 vom Gesetzgeber allein aus fiskalischen Motiven heraus eingeführte Zinsschranke erweist sich als Krisenverstärker, der den Unternehmen über einen Liquiditätsentzug die Luft abschnürt und sie im Extremfall zur Aufgabe zwingt.

Teilen Sie diesen Artikel:

oder kopieren Sie den folgenden Link:

Der Link wurde zu Ihrer Zwischenablage hinzugefügt!

Sie sollte deshalb im Rahmen der Koalitionsverhandlungen auf den Prüfstand gestellt werden.  Dass sich die Einführung der Zinsschranke im Rahmen der Unternehmensteuerform 2008 in einer Konjunkturflaute als prozyklischer Krisenverstärker auswirken würde, war für alle Steuerexperten von Anfang an ein offenes Geheimnis. Denn diese Vorschrift limitiert den Schuldzinsenabzug auf maximal 30 Prozent des Gewinns – vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen.

Diese Vorschrift sollte verhindern, dass Zinszahlungen an eigene ausländische Konzerngesellschaften hierzulande steuermindernd geltend gemacht und die Zinserträge dagegen im steuergünstigen Ausland erfasst werden. Erklärte Absicht des scheidenden Bundesfinanzministers war es, dem Fiskus höhere Steuereinnahmen zu bescheren.

Tatsächlich erweist sich diese Vorschrift für die Unternehmen nun als Finanzierungsbremse - und das ausgerechnet in einer Phase, wo sie vielfach rote Zahlen schreiben oder zumindest unter einem Liquiditätsengpass infolge der schrumpfenden Erträge leisten. Betriebsnotwendige Finanzierungen werden damit zusätzlich vom Fiskus erschwert. Zwar gibt es neben einer Freigrenze von 3 Millionen Euro Ausnahmeregelungen und die Möglichkeit, die restlichen Finanzierungskosten in den Folgejahren immer bis zu dieser 30-Prozent-Grenze geltend zu machen. Dieses Verfahren ist aber sehr kompliziert und aktuell für große liquiditätsschwache Unternehmen wenig hilfreich.

Die BDI Studie zeigt auf, dass ähnliche Regelungen in den Niederlanden wie auch in den USA nicht mit einer derartigen krisenverstärkenden Wirkung ausgestattet sind. Vor diesem Hintergrund ist der Gesetzgeber aufgerufen, die deutschen Vorgaben an international geltende Standards anzupassen, weil ansonsten hierzulande Investitionen unterbleiben und Arbeitsplätze verloren gehen.

Teilen Sie diesen Artikel:

oder kopieren Sie den folgenden Link:

Der Link wurde zu Ihrer Zwischenablage hinzugefügt!

Mehr zum Thema

Artikel lesen
Michael Hüther in der Festschrift für Bernd Raffelhüschen zum 65. Geburtstag Externe Veröffentlichung 24. November 2022

Schuldenbremse als Generationenvertrag?: Volkswirtschaftliche Transformation und fiskalische Begleitung

Deutschland blickt erwartungsvoll auf die kommenden Jahre, denn in denen wird sich entscheiden, ob und wie die große Transformation zur Klimaneutralität gelingt. Nach den Beschlüssen der Bundesregierung soll das hierzulande im Jahr 2045 erreicht sein.

IW

Artikel lesen
Michael Hüther / Jochen Pimpertz in Zeitschrift für Wirtschaftspolitik Externe Veröffentlichung 17. November 2022

Wider eine verpflichtende Aktienrente – auch Vermögen sichert Wohlstand im Alter

Eine verpflichtende Vorsorge in Form einer kapitalgedeckten Zusatzrente wird unter anderem damit begründet, Freifahrerverhalten zu vermeiden. Verzichten Individuen freiwillig auf die Möglichkeit ergänzender Vorsorge, drohe eine ungerechtfertigte ...

IW

Mehr zum Thema

Inhaltselement mit der ID 8880