Das Bundeskabinett will morgen das Aktionsprogramm Kreislaufwirtschaft beschließen. Das Ziel: weniger Abfall, weniger Rohstoffverbrauch und nachhaltige Geschäftsmodelle. Das birgt großes Potenzial für Wirtschaft und Umwelt, doch ohne Digitalisierung und Nachfrage bleibt die Wirkung begrenzt.
Nationale Kreislaufwirtschaftsstrategie: Großes Potenzial, viele offene Baustellen
Mieten statt kaufen, reparieren statt wegwerfen, Second Hand statt Neuware: So lassen sich die Ziele der seit 2024 vorliegenden Nationalen Kreislaufwirtschaftsstrategie beschreiben. Mit einem Aktionsprogramm, das die Bundesregierung morgen vorstellen will, sollen Investitionen in zirkuläre Technologien und Geschäftsmodelle gestärkt werden. Das ist gut für die Umwelt, aber auch für die Wirtschaft: Laut IW-Umfragen sind sieben von zehn Betrieben im Verarbeitenden Gewerbe wirtschaftlich erfolgreich, wenn sie gezielt auf konkrete kreislauforientierte Strategien setzen. Ohne eine solche strategische Ausrichtung ist es nur gut jedes zweite.
240 Millionen Euro in Schubladen
Das größte Potenzial: Mit einer funktionierenden Kreislaufwirtschaft lassen sich knappe und teure Rohstoffe sparen und Umwelt sowie Klima zu schützen. So lagerten IW-Auswertungen zufolge im Jahr 2023 in deutschen Schubladen ungenutzte Handys mit Rohstoffen im Wert von rund 240 Millionen Euro. Recycling ermöglicht die Wiederverwendung dieser Rohstoffe und senkt die Rohstoffabhängigkeit. Gleichzeitig reduziert es die Umweltbelastung bei der Produktion von Elektronik.
Um die Kreislaufwirtschaft im Mainstream zu etablieren, müssen Produkte nachverfolgbar sein. Doch das ist bisher selten der Fall. Deshalb können viele Produkte aktuell nur schwer wiederverwendet oder recycelt werden. Digitale Verfahren und Künstliche Intelligenz können helfen, kommen aber selten zum Einsatz. Laut IW-Umfragen nutzen nur neun Prozent der Unternehmen in Industrie und industrienahen Dienstleistungen KI, um Produkte reparier- oder wiederverwertbar zu machen, 14 Prozent zur Ressourceneinsparung. Zudem stellt nur etwa die Hälfte der Unternehmen digitale Produktdaten bereit – meist nicht standardisiert. Damit ist eine wichtige Voraussetzung für die bald vorgeschriebenen digitalen Produktpässe häufig nicht erfüllt.
Verlässliche Nachfrage als Treiber für Investitionen
Das Aktionsprogramm ist grundsätzlich zu begrüßen. Denn bislang bleiben viele Potenziale ungenutzt, unter anderem wegen fehlender wirtschaftlicher Anreize, fehlender Absatzmärkte und unzureichender Digitalisierung. Entscheidend ist, eine verlässliche Nachfrage zu schaffen: Nur wenn zirkuläre Produkte tatsächlich gekauft werden, können Unternehmen investieren und ihre Mehrkosten refinanzieren. Der Einsatz kreislauforientierter Anforderungen in der öffentlichen Beschaffung – etwa durch die Bevorzugung von recycelten Rohstoffen, von Second-Hand- oder Mietangeboten – würde hierfür wichtige Impulse liefern.
Vom Anspruch zur Umsetzung: Kreislaufwirtschaft in NRW
Institut der deutschen Wirtschaft (IW)
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