Die deutschen Exporte nach Indien sind seit 2019 um fast 40 Prozent gestiegen, während die Ausfuhren nach China um rund 15 Prozent zurückgingen. Ein Freihandelsabkommen zwischen der EU und Indien könnte diesen Trend deutlich verstärken.
EU-Indien-Abkommen könnte Handel mehr als verdoppeln
Für die exportorientierten Volkswirtschaften der EU könnte Indien ein wichtiger Handelspartner werden. Der Besuch von EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen in Indien ist deshalb mit großen Erwartungen verbunden. Zwar gehen bislang nur rund ein Prozent der deutschen Exporte nach Indien. Doch der Anteil wächst – im Gegensatz zu China, dessen Bedeutung für den deutschen Export seit Jahren abnimmt. So stiegen die deutschen Exporte nach Indien im Jahr 2025 gegenüber 2019 (jeweils Januar bis November) um fast 40 Prozent. Die Ausfuhren nach China gingen im gleichen Zeitraum um 15 Prozent zurück. Modellschätzungen zeigen, dass sich der Handel zwischen der EU und Indien durch ein Abkommen mehr als verdoppeln könnte.
Abhängigkeiten von China und den USA reduzieren
Zugleich bietet Indien die Chance, die Importabhängigkeiten von China zu reduzieren. Insbesondere im Bereich Elektronik baut Indien seine Kapazitäten aus und kann sich zu einem alternativen Zulieferer für deutsche Maschinenbauer oder Elektronikhersteller entwickeln. Auch bei vielen IT-Dienstleistungen ist Indien stark – ein Bereich, in dem Europa bislang besonders von den USA abhängig ist.
Gleichzeitig bestehen auf beiden Seiten noch Vorbehalte. Die EU will Stahlimporte begrenzen und größere Exportkontingente für europäische Autos durchsetzen, während Indien den CO₂-Grenzausgleichsmechanismus der EU kritisch sieht. Auch der Agrarsektor dürfte weitgehend ausgeklammert bleiben. Das Abkommen könnte daher weniger umfassend ausfallen als andere jüngere EU-Handelsverträge. Beide Seiten werden Kompromisse machen müssen, so dass unterm Strich die Vorteile überwiegen. Die derzeitige Weltlage dürfte die Bereitschaft dazu begünstigen.
EU braucht ein Netz an Handelspartnern
Angesichts der geopolitisch zunehmend fragmentierten Weltordnung wäre ein Abschluss ein wichtiger Schritt. Die EU braucht ein breiteres Netz verlässlicher Partner. Indien muss ein Teil dieser Strategie sein, denn das Land gewinnt zunehmend an weltpolitischer Bedeutung. Zudem sollte das Mercosur-Abkommen als Mahnung dienen: Keiner Seite ist geholfen, wenn man sich bis zur Perfektion halbtot verhandelt.
Die Transaktionskosten der Geopolitik bleiben hoch
IW-Direktor Michael Hüther analysiert im SZ Dossier Geoökonomie, wie Trumps Zollpolitik, Chinas Machtstreben und Russlands imperialer Anspruch die Weltordnung verändern. Europa müsse seine Verteidigungsfähigkeit stärken und sich auf hohe Transaktionskosten einstellen.
IW
Rekord-Handelsbilanzdefizit mit China – Kernbranchen betroffen
Im Jahr 2026 dürfte das deutsche Handelsbilanzdefizit mit China über 100 Milliarden Euro betragen. Seit 2019 wäre das ein Anstieg von rund 90 Milliarden Euro.
IW