EU-Handelskommissar Maroš Šefčovič hat den USA als Deal im Handelsstreit angeboten, die Importe aus den USA um 50 Milliarden Euro zu erhöhen. Damit geht die EU in den Zoll-Verhandlungen mit den USA in die Offensive. Ein starkes und richtiges Signal.
US-Handelsstreit: EU legt kluges Angebot vor
Šefčovič’ Vorschlag hat Hand und Fuß. Denn die EU hatte im Jahr 2024 im Warenhandel zwar einen Überschuss von 198 Milliarden Euro, weist aber im Dienstleistungshandel ein Defizit von 148 Milliarden Euro aus. Daraus ergibt sich im Gesamthandel von Waren und Dienstleistungen nur ein Überschuss von rund 50 Milliarden Euro. Dass die USA nur auf den Warenhandel schauen, greift damit viel zu kurz. Gerade mit den hochwertigen Dienstleistungsexporten der USA lässt sich viel Geld verdienen – denkt man nur an die Internetgiganten oder die Wall Street.
Gas-Abhängigkeit von den USA würde sich nicht kritisch erhöhen
Eine Einfuhrsteigerung um 50 Milliarden Euro erscheint erreichbar, wenn die EU etwa mehr Flüssiggas, Waffen und Agrargüter aus den USA importiert. Vor allem bei Sojabohnen ist das in Trumps Interesse, denn mit China fällt einer der größten Abnehmer wohl weitgehend weg, was zu starken Einbußen bei der wichtigen Klientel der Landwirte führen dürfte. „Eine Einigung auf den EU-Vorschlag wäre für beide Seiten also eine gesichtswahrende Lösung“, sagt IW-Handelsexpertin Samina Sultan.
Nach Angaben von Eurostat hat die EU im vergangenen Jahr Flüssiggas (LNG) im Wert von 18,8 Milliarden Euro in den USA eingekauft. Das waren 45,3 Prozent der gesamten Extra-EU-LNG-Importe von 41,4 Milliarden Euro. 7,2 Milliarden Euro gab sie zudem noch für LNG-Einfuhren aus Russland aus. Würden diese zurückgefahren, kann die EU in entsprechendem Maß mehr aus den USA importieren.
Jetzt müssen die EU-Länder an einem Strang ziehen
Aber um die 50 Milliarden Euro an zusätzlichen Warenimporten zu erreichen, sollten die LNG-Importe wohl noch stärker steigen. Angenommen, es gelänge, die LNG-Einfuhren aus den USA um 19 Milliarden Euro zu erhöhen und damit auf knapp 38 Milliarden Euro zu verdoppeln, würde der US-Anteil an den gesamten EU-Gasimporten von über 100 Milliarden Euro rund 38 Prozent betragen. Denn die EU importierte im Jahr 2024 neben LNG auch Erdgas im Wert von 60 Milliarden Euro. Bislang war Norwegen mit einem Anteil von immerhin gut 27 Prozent der wichtigste Gaslieferant.
"Eine Steigerung der Importe aus den USA um 50 Milliarden Euro ist nicht trivial, dafür müssen alle in der EU mitziehen“, sagt IW-Experte Jürgen Matthes. Aber ein Deal ist klar im Interesse aller Mitgliedstaaten, um eine Eskalation des Handelskonflikts zu vermeiden.
Die Transaktionskosten der Geopolitik bleiben hoch
IW-Direktor Michael Hüther analysiert im SZ Dossier Geoökonomie, wie Trumps Zollpolitik, Chinas Machtstreben und Russlands imperialer Anspruch die Weltordnung verändern. Europa müsse seine Verteidigungsfähigkeit stärken und sich auf hohe Transaktionskosten einstellen.
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Rekord-Handelsbilanzdefizit mit China – Kernbranchen betroffen
Im Jahr 2026 dürfte das deutsche Handelsbilanzdefizit mit China über 100 Milliarden Euro betragen. Seit 2019 wäre das ein Anstieg von rund 90 Milliarden Euro.
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