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(© Foto: Michael Luhrenberg/iStock)
IW-Nachricht 14. Dezember 2016 Armuts- und Reichtumsbericht

Viele positive Entwicklungen

Mittlerweile kursiert der Entwurf des Fünften Armuts- und Reichtumsberichts der Bundesregierung im Internet. Der Bericht deutet auf viele positive Entwicklungen hin, dennoch werden in vielen Medien vor allem negative Befunde betont. Das ebenfalls dokumentierte Auseinanderdriften von gefühlter und messbarer Realität dürfte sich dadurch weiter verstärken.

Seit einigen Jahren entwickelt sich die deutsche Wirtschaft positiv – zum Nutzen der Arbeitnehmer. So sind zum Beispiel von 2012 bis 2015 die Arbeitnehmerentgelte stärker gestiegen als die Einkommen aus Unternehmertätigkeit und Vermögen. Dagegen ist die Anzahl atypischer Beschäftigter seit 2010 rückläufig und die Langzeit- und Jugendarbeitslosigkeit geht ebenfalls zurück. Der Entwurf des Armuts- und Reichtumsberichts zeigt auch, dass die Ungleichheit nicht weiter zunimmt. Seit etwa 2010 sei eine „gebremste oder rückläufige Lohnungleichheit“ zu erkennen – gleiches hatten das IW Köln und das Statistische Bundesamt bereits im September dieses Jahres festgestellt.

Zudem bestätigt der Entwurf eine seit 2005 weitgehend stabile Mittelschicht. Die Vermögensungleichheit ist seit dem letzten Armuts- und Reichtumsbericht – nicht zuletzt aufgrund der Finanz- und Wirtschaftskrise – rückläufig. Gleiches gilt für den Anteil jener Vermögenden, die eine halbe Million Euro oder mehr besitzen. Waren es im Jahr 2002 noch 2,7 Prozent der Bundesbürger, gehörten zehn Jahre später 2,5 Prozent dazu.

Natürlich offenbart der Bericht auch problematische Entwicklungen und Handlungsbedarfe – wie beispielsweise einen steigenden Anteil verschuldeter Haushalte, mehr Wohnungslose sowie die Herausforderungen der Flüchtlingsintegration und die Bekämpfung von Armut. Diese Probleme gilt es ernst zu nehmen. Wenn die mediale Berichterstattung allerdings vor allem die negativen Entwicklungen in den Vordergrund stellt, überrascht die postfaktische Wahrnehmung von Armut und Reichtum nicht: 44 Prozent der Befragten sind laut Bericht der Meinung, der Anteil armer Menschen sei in den vergangenen fünf Jahren stark gestiegen, 31 Prozent sagen dies auch für den Anteil reicher Menschen in Deutschland – beides lässt sich nicht nachweisen. Auch vermuten zwei von drei Befragten ein besonders hohes Armutsrisiko im Ruhestand, das geringste Risiko wird bei jungen Erwachsenen verortet – laut aktuellen Armutsindikatoren ist es aber genau umgekehrt. Somit gehen nicht nur „Wahrnehmung und messbare Realität“ auseinander, wie im Bericht beschrieben, sondern verzerrte Wahrnehmungen können die Politik auch zu falschen Maßnahmen verleiten.

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