Die Unabhängige Flugbegleiter-Organisation UFO droht der Lufthansa mit einem einwöchigen Ausstand. Die finale Eskalation ließe sich aber vermeiden. Dazu müssten sich alle drei Gewerkschaften, die derzeit mit der Airline verhandeln, auf gemeinsame Gespräche verständigen.
Kooperieren statt eskalieren
Anders als die Pilotenvereinigung Cockpit (VC) setzte UFO bisher darauf, den Tarifkonflikt ohne Arbeitskampf beizulegen. Während die Piloten die Brechstange auspackten und bereits 13 Mal gestreikt haben, beschränkte sich UFO auf verbale Eskalationen und stimmte – trotz einer erfolgreichen Urabstimmung – erst einmal zwei Schlichtungen zu. Rechnet man alle Eskalationsstufen zusammen, hat der laufende Tarifkonflikt der Flugbegleiter bislang 24 Konfliktpunkte auf dem IW-Konfliktbarometer. Die Piloten setzten hingegen ganz auf Arbeitskampf: Fast die Hälfte der 113 Konfliktpunkte der laufenden Tarifrunde entfällt bei ihnen auf Ausstände (siehe Grafik). Erreicht haben sie damit allerdings nichts.
Im Schatten der beiden Berufsgewerkschaften verhandelt derzeit auch noch Verdi für das Bodenpersonal. Nach sechs ergebnislosen Runden sollen die Verhandlungen am 5. November fortgesetzt werden.
Alle Lufthansa-Tarifkonflikte haben eines gemeinsam: Bei ihnen geht es nicht nur um Lohnerhöhungen oder die Betriebsrenten, sondern auch um die Folgen der Gründung von „Eurowings“. Diese unternehmerische Entscheidung, mit der die Firmenleitung die internationale Wettbewerbsfähigkeit steigern will, verlangt Einschnitte bei allen Berufsgruppen. Es läge daher im Interesse aller Beteiligten, gemeinsam auszuloten, wie die Anpassungslasten zwischen Unternehmen und Mitarbeitern, aber auch zwischen den verschiedenen Arbeitnehmergruppen fair verteilt werden können.
Gemeinsame Verhandlungen könnten vermeiden, dass eine Gewerkschaft von einer Konkurrenzgewerkschaft übervorteilt wird. Dies könnte das angespannte Klima zwischen den drei Arbeitnehmerbünden erheblich verbessern. Und das Unternehmen müsste nicht länger damit rechnen, dass eine Berufsgruppe nach der anderen in den Ausstand tritt – auch für die erneut verunsicherten Kunden wäre dies ein Hoffnungsschimmer.
IW-Konfliktbarometer
Konfliktintensität der laufenden Tarifauseinandersetzungen bei der Lufthansa: So viele Konfliktpunkte verursachten die einzelnen Eskalationsstufen
Die Konfliktintensität misst anhand einer Eskalationspyramide, wie konfliktintensiv eine Tarifauseinandersetzung verläuft. Dabei werden bei Erreichen bestimmter Eskalationsstufen Maluspunkte vergeben: Streikdrohung/Aussperrungsdrohung=1 Punkt; Abbruch der Verhandlungen=2 Punkte; Streikaufruf=3 Punkte; Warnstreik=4 Punkte; Scheitern und Schlichtung sowie juristische Auseinandersetzungen=5 Punkte; Scheitern und Urabstimmung oder Scheitern und Streikankündigung=6 Punkte; Streik und Aussperrung=7 Punkte. Stand: November 2015
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