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(© Foto: iStock)
IW-Nachricht 5. August 2020 Dirk Werner

Ausbildung in Corona-Zeiten: Neun Prozent weniger Bewerber

Die Folgen der Corona-Pandemie hinterlassen auf dem deutschen Ausbildungsmarkt deutliche Spuren: Erstmals seit 2013 ist die Zahl der Ausbildungsstellen zurückgegangen, besonders in der Gastronomie und in einigen technischen Berufen. Gleichzeitig gibt es aber auch deutlich weniger Bewerber. Unternehmen dürften also große Schwierigkeiten haben, ihre freien Stellen zu besetzen.

Bereits vor der Corona-Pandemie hatten Bäckereien, Logistikunternehmen oder Autowerkstätten Probleme, ihre Ausbildungsstellen zu besetzen. In diesem Jahr ist die Lage allerdings noch schwieriger, zeigen aktuelle Berechnungen, die das IW gemeinsam mit dem Kompetenzzentrum Fachkräftesicherung (KOFA) auf Basis von Arbeitsmarktdaten erstellt hat: So suchten im Juni gerade einmal rund 417.000 Bewerber eine Ausbildung, ein Rückgang von etwa 43.000 bzw. neun Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Die Unternehmen meldeten rund 482.000 freie Stellen, knapp 47.000 weniger als im Vorjahr. Folglich dürften viele Stellen unbesetzt bleiben.

Seltener arbeitslos als Akademiker

Der Hauptgrund: Ähnlich wie in früheren Krisenjahren schauen sich Jugendliche vermehrt nach Alternativen zur klassischen Ausbildung um. Das Studium gilt mitunter als krisensicher, der kleine Ausbildungsbetrieb um die Ecke eher nicht. Die Sorge ist bezogen auf den einzelnen Betrieb nicht unbegründet: Besonders in der Gastronomie ist die Zahl der Ausbildungsstellen geschrumpft, allein im Juni 2020 meldeten die Gastronomen 16 Prozent weniger Ausbildungsplätze als im Vorjahr. Ähnlich stark sind die Auswirkungen im Maschinenbau und bei Logistikunternehmen. Recht krisensicher erweisen sich dagegen Betriebe in der Ver- und Entsorgung sowie im Tiefbau; diese Unternehmen bilden sogar mehr aus als in früheren Jahren. Generell gilt: Nach einer Ausbildung sind die Arbeitsmarktchancen für beruflich Qualifizierte sehr gut – sie sind sogar seltener arbeitslos als Akademiker.

Politik muss Betriebe unterstützen

Die schwierige Marktlage führt dazu, dass Unternehmen und Auszubildende Hilfe von der Politik benötigen. Hier greift das neue Bundesprogramm „Ausbildungsplätze sichern“: Kleine und mittlere Ausbildungsbetriebe erhalten eine Prämie in Höhe von 2.000 bis 3.000 Euro, wenn sie ihr Ausbildungsniveau halten oder gar erhöhen, Kurzarbeit vermeiden oder Auszubildende von insolventen Betrieben übernehmen. „Ob diese Ausbildungsprämie wirklich viele zusätzliche Ausbildungsplätze schafft und nicht nur Mitnahmeeffekte erzielt, muss sich aber erst noch zeigen“, sagt IW-Ausbildungsexperte Dirk Werner. Sinnvoll wäre es, die Prämie stärker auf Berufe mit Fachkräftemangel zu fokussieren und die Übernahme von Insolvenz-Azubis stärker zu fördern. Außerdem brauchen viele Unternehmen Unterstützung bei der Vermittlung, die dieses Jahr durch die Corona-Pandemie stark verzögert abläuft.

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