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IW-Ökonom Maximilian Stockhausen (© Maximilian Stockhausen (Foto: Michel Buchmann))
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Maximilian Stockhausen in der Bild Interview 13. August 2019

Einkommensverteilung: Warum gehört man so schnell zur Oberschicht?

Wer als Single im Monat 3440 Euro netto verdient, gehört zu den einkommensstärksten zehn Prozent in Deutschland. Das zeigt eine Analyse des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW). Wer mit seinem Partner ohne Kinder zusammenlebt, gehört aufgrund der Einspareffekte schon mit 5160 Euro dazu. Was das bedeutet, erklärt IW-Verteilungsexperte Maximilian Stockhausen in einem Interview in der Bild.

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Was sagt die Studie über Deutschland aus?

„Über Geld spricht man ungern – und die Zahlen zeigen, wo jeder Einzelne mit seinem Einkommen steht. Aber nur in der jeweiligen Vergleichsgruppe! Im Osten gehört ein Single mit 2839 Euro zu den obersten zehn Prozent, im Westen wäre er damit nur in den Top 20. Eine der wichtigsten Aussagen: Bildung lohnt sich, Akademiker stehen deutlich über dem Strich des mittleren Nettoeinkommens von 1869 Euro.“

Bin ich plötzlich reich, wenn ich zu den oberen zehn Prozent meiner Einkommensgruppe gehöre?

„Einkommensstark ja, aber nicht unbedingt vermögend. Wir haben nur das betrachtet, was jeden Monat auf dem Konto landet. Zum Reichtum gehören noch andere Vermögenswerte wie Immobilien, Sportwagen, Yachten oder Flugzeuge. Andere definieren Reichtum damit, viel Zeit mit ihrer Familie verbringen zu können. Wer zur Ober- und wer zur Mittelschicht gehört, ist deshalb schwierig abzugrenzen.“

Wie definiert man denn nun Ober-, Mittel- oder Unterschicht in Deutschland?

„Wenn wir die Schichten mithilfe der Haushaltsnettoeinkommens bestimmen, dann gehört im untersuchten Jahr ein Single mit einem monatlichen Nettoeinkommen zwischen 1121 Euro und 1495 Euro zur einkommensschwachen Mitte. Mit einem Nettoeinkommen von 1496 Euro bis 2804 Euro gehört ein Single zur Mittelschicht im engeren Sinne. Zwischen 2805 Euro und 4673 Euro gehört er zur einkommensstarken Mitte und mit mehr als 4673 Euro zu den relativ Reichen.“

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Laut Umfragen glaubt praktisch niemand in Deutschland, zu den einkommensreichsten 20 Prozent zu gehören. Will denn niemand mehr reich sein?

„Reich sein ist mit einem Stigma verbunden: Man gehört nicht zur Mitte, hat sich nach oben abgesetzt. Das will niemand – Geld haben dagegen schon. Die Menschen vergleichen sich ja mit dem, was in ihrem Umfeld passiert: Was haben meine Nachbarn, Verwandten, Freunde, was habe ich. Daraus folgt in der Regel die Selbsteinschätzung, normal zu sein – und nicht arm oder reich.“

Um welche Gruppen müssen wir uns Sorgen machen?

„Vor allen Dingen um Alleinerziehende und deren Kinder. Die Erwachsenen stehen unter enormem finanziellen Druck, haben im Mittel 1309 Euro. Die Kinder laufen Gefahr, nicht an sozialen Aktivitäten teilhaben zu können. Wenn das Geld knapp wird, muss oft bei Freizeitaktivitäten der Kinder gespart werden. Die Alleinerziehenden brauchen mehr als nur Geld: Unterstützung durch den Ex-Partner, durch den Staat.“

Wie sieht es mit unseren Rentnern aus?

„Altersarmut ist aktuell weniger häufig ein Problem, im konkreten Fall aber ernst zu nehmen! 14 Prozent der Rentner in Deutschland laufen Gefahr, in die Armut zu rutschen. In der Gesamtbevölkerung liegt die Armutsrisikoquote bei 17 Prozent, also nur unwesentlich höher. Als arm gilt in Deutschland, wer über 60 Prozent des mittleren Nettoeinkommens von 1869 Euro verfügt. Aber: Das ist eine Momentaufnahme, die die Entwicklung der Renten nicht berücksichtigt. Und: Wenn ein Partner stirbt, also das zweite Einkommen wegbricht, kann es eng werden. Dann könnte allerdings immer noch auf gespartes Vermögen zurückgegriffen werden, insofern welches angespart werden konnte.“

Zum Interview in der Bild

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