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Hanno Kempermann im Kölner Stadt-Anzeiger Interview 6. April 2018

„Die Stadt macht es Bauherren enorm schwer”

Im IW-Regionalranking belegt Köln in der Kategorie Lebensqualität einen der hinteren Plätze. Wohnen und Arbeit sind hierfür wichtige Faktoren, erklärt IW-Branchenexperte Hanno Kempermann im Interview mit dem Kölner Stadt-Anzeiger. Hier habe Köln noch Nachholbedarf.

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Herr Kempermann, im bundesweiten IW-Regionalranking zum wirtschaftlichen Erfolg landet Köln in Bezug auf Lebensqualität auf Rang 331 von 401. Woran liegt das?

Das Ergebnis mag der gefühlten Lebenswirklichkeit vieler Menschen in der Stadt widersprechen. Für unsere Erhebung haben wir uns aber auf Faktoren konzentriert, die im statistischen Sinne maßgeblich für den wirtschaftlichen Erfolg einer Stadt sind.

Welche sind das?

Zum einen die Zahl der Straftaten. Das Gefühl von Sicherheit ist eine Grundvoraussetzung für eine hohe Lebensqualität. Köln landet auf Platz 396. In dieser Kategorie sind erwartungsgemäß alle deutschen Großstädte im Gegensatz zu ländlichen Regionen auf den hinteren Rängen. Düsseldorf liegt auf Platz 387, Frankfurt auf 398, Bremen auf 399, Schlusslicht ist Berlin. Selbst München kommt nur auf 265. In Köln ist nach den Ereignissen der Silvesternacht von Seiten der Stadt und der Polizei offenbar reagiert worden. In unserer dynamischen Betrachtung der Jahre 2011 bis 2016 zeigt sich das auch, da landet Köln auf Platz 13.

Ein weiterer Minus-Punkt ist die Zahl der überschuldeten Haushalte. Warum können die Kölner so viel schlechter mit Geld umgehen?

Diesen Punkt haben wir besonders stark gewichtet, weil dies ein Spiegelbild des wirtschaftlichen Erfolgs vor Ort ist. In Köln sind fast zwölf Prozent der Bürger überschuldet. Das beeinträchtigt die Lebensqualität natürlich enorm. In Düsseldorf sind es 12,1 Prozent, in München dagegen nur 8,9 Prozent. Ein entscheidender Punkt ist die relativ hohe Arbeitslosigkeit in Köln. Mit 8,4 Prozent im Jahr 2017 liegt die Stadt über dem Landesschnitt von 7,4 Prozent. Köln könnte sich andere Großstädte wie Hamburg (6,8 Prozent), Frankfurt (5,9 Prozent) oder München (4,2 Prozent) mit leistungsfähigeren Arbeitsmärkten zum Vorbild nehmen, dann würde sich auch das Überschuldungsproblem relativieren. Eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf wäre ebenfalls eine sinnvolle Maßnahme.

Die Studie berücksichtigt auch das Thema Baugenehmigungen in der Kategorie Lebensqualität.

Wohnen und Arbeit bestimmen die Lebensqualität wesentlich. Unternehmen, die ihren Firmensitz nach Köln verlegen, innerhalb der Stadt umziehen oder sich vergrößern möchten, sind auf eine schnelle Bearbeitung durch das Bauamt ebenso angewiesen wie private Bauherren. Hier macht es die Stadt den Betroffenen im Vergleich zu anderen Kommunen enorm schwer. Wer nur ein halbes Jahr warten muss, darf sich glücklich schätzen. Die Besetzungslage im Bauamt ist zwar schwierig, aber trotzdem ist hier noch viel Luft nach oben. Gerade in den letzten Jahren hat sich die Lage nicht gebessert. Köln boomt, aber 2015 wurde nur der Bau von 695 Wohngebäuden genehmigt. Neben verstärkten Bemühungen für eine digitale Verwaltung und weniger bürokratischer Anforderungen muss die Motivationslage verbessert und in neue Stellen investiert werden. Letzteres scheint die Stadt ja gerade zumindest anzugehen.

Zum Interview im Kölner Stadt-Anzeiger

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