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Michael Hüther in der Kölnischen Rundschau Interview 29. April 2010

"Griechenland steht vor einer Rosskur"

Die Währungskrise in Europa spitzt sich zu. Die Kölnische Rundschau sprach mit dem Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft, Michael Hüther, über die Gefahren.

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Gehen Griechenland und vielleicht weitere hoch verschuldete Euro-Länder pleite?

Portugal steht noch besser da als Griechenland. Für Griechenland sind wir aber in einer Situation, in der eine Umschuldung ins Auge gefasst werden muss. Die Gelder von Internationalem Währungsfonds und der EU verschaffen Griechenland eine Atempause von vielleicht einem Jahr.

Das heißt, dass die Gläubigerbanken für die Entschuldung herangezogen werden.

Ich halte das für vertretbar, wenn sich das in vernünftigen Größenordnungen abspielt. Ich denke da an eine Quote von zehn bis 30 Prozent.

Soll Griechenland von den Euro-Partnern gestützt werden? Das ist letztlich schon im März so beschlossen worden.

Und dazu sehe ich auch keine Alternative. Die Frage ist jetzt noch, wie das geschieht, welche Auflagen Griechenland gemacht werden und wie der zeitliche Rahmen aussieht.

Kann Griechenland jemals seine Schulden zurückzahlen?

Das wird zumindest ein sehr langer Prozess. Der Blick auf andere Auslandsschuldenkrisen zeigt aber, dass es geht. In Griechenland ist der öffentliche Sektor aufgebläht, das Steuersystem ist dagegen nicht effizient. Da ist eine normale Staatstätigkeit nicht gewährleistet. Und das Land muss wieder wettbewerbsfähig werden. Griechenland lebt eindeutig über seine Verhältnisse. Durch die Einführung des Euro sanken in Griechenland die Zinsen. Das Land hat das aber nicht zur Sanierung des Haushalts genutzt, sondern die Schulden ausgeweitet. Jetzt steht Griechenland vor einer Rosskur.

Sollte Griechenland aus dem Euro austreten oder herausgedrängt werden?

Einen Ausschluss aus der Euro-Zone zu fordern, halte ich für eine Stammtischparole. Einmal angenommen, die Regierung verkündet, zu einem bestimmten Tag wird der Euro abgeschafft und die Drachme oder eine andere Währung eingeführt. Sofort würden die Sparer versuchen ihr Geld bar in Euro zu halten, weil sie keine Weichwährung haben wollen. Das führt sofort zur Destabilisierung, wenn nicht sogar zum Zusammenbruch des Banksystems.

Welche Reformen der Institutionen sind nötig, damit sich eine Krise nicht bei weiteren Beitrittsländern wiederholt?

Wenn Länder der Eurozone beitreten, haben sie Aufholpotenzial. Bei ihnen ist darauf zu achten, dass sie die fiskalische Dividende durch niedrigere Zinsen nicht konsumptiv verwenden. Der Stabilitäts- und Wachstumspakt muss klarer gefasst werden. Und die Schuldenbremse, wie Deutschland sie hat, sollte zum Standard werden. Gut ist, wenn der IWF bei Sanierungen im Boot ist, denn dann tut es für die Betroffenen auch weh.

Ist der Euro als stabile Währung noch zu retten?

Die ersten zehn Jahre waren eine Erfolgsgeschichte. Es gab eine beachtliche Stabilität. Und Griechenland ist klein. Mit institutionellen Reformen und einer Stärkung der EZB, die bislang einen guten Job gemacht hat, sehe ich für den Euro eine Zukunft.

Auch wenn sich die Krise auf Portugal oder gar Spanien ausweitet?

Die Krise muss als Lektion für institutionelle Innovationen in der Währungsunion genutzt werden. Dann wird es gelingen. Spanien und Portugal stehen beispielsweise mit Blick auf die Schuldenstandsquoten und die Zins-Steuer-Quoten zum Teil deutlich besser da. Die Märkte differenzieren ja auch in den Risikoprämien.

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