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(© Foto: Ljupco Smokovski - Fotolia)
Winfried Fuest auf www.INSM.de Interview 13. Februar 2011

Europas Stabilitätskultur ist in Gefahr

Professor Dr. Winfried Fuest, Finanzexperte des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW), im Interview mit der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft über Inflationsrisiken.

Herr Professor Fuest, wie groß ist die Inflationsgefahr in Deutschland?

Die Inflationsgefahren sind zu Beginn des Jahres 2011 drastisch gestiegen. Das Statistische Bundesamt hat im Januar mitgeteilt, dass die Preisentwicklung im Januar die 2-Prozentmarke überschritten hat. Damit ist die Marke erreicht, ab der Fachleute von Inflation sprechen.

Deutsche Bank-Chefvolkswirt Mayer hält gar eine Inflation von 4 Prozent für möglich. Halten Sie das für realistisch?

Das halte ich für überzogen.

Warum?

Inflations-Treiber sind Preisschübe bei Energie, Nahrungsmitteln und Rohstoffen gewesen. Dahinter stecken

1. eine wachsende Nahrungsmittelnachfrage als Folge einer vor allem in Asien und Afrika wachsenden Weltbevölkerung bei gleichzeitiger Verknappung des Angebots in Folge von Naturkatastrophen,

2. ein steigender Rohstoff- und Energiebedarf der Weltwirtschaft,

3. eine zeitweise Schwäche des Euro gegenüber dem Dollar, was sich insbesondere beim Ölpreis ausgewirkt hat, der am Weltmarkt in Dollar gerechnet wird. Die Entwicklungen haben sich hier aber weitgehend beruhigt. Zudem hat der Euro gegenüber dem Dollar wieder Boden gut gemacht. Mittelfristig drohen aber nach wie vor erhebliche Inflationsrisiken.

Wodurch?

In der zurückliegenden Krise haben Staaten in aller Welt viel Geld in die notleidende Wirtschaft gepumpt. Das war grundsätzlich richtig, weil die Krise sonst noch schlimmer ausgefallen wäre. Dadurch ist jedoch heute zu viel Geld im Umlauf. Jetzt muss eine Exit-Option geschaffen werden, um die überbordende Geldmenge wieder einzusammeln. Da tut sich die Politik derzeit schwer. Die Stabilitätskultur in Europa ist in Gefahr. Ein Indiz ist die Tatsache, dass Bundesbankchef Weber, ein Verfechter der Geldwertstabilität, in Europa als EZB-Chef politisch nicht mehr vermittelbar ist. Wir dürfen nicht zulassen, dass wir einen EZB-Chef von Gnaden der PIIGS-Staaten bekommen.

Wie kann und muss man diesen mittelfristigen Inflationsrisiken begegnen?

Da sind mehrere Akteure in der Verantwortung:

1. die EZB: Sie muss auf mittlere Sicht den Leitzins anheben: Sie ist hier in einer Warteposition. Denn anders als Deutschland sind viele Euro-Staaten nicht nicht so gut aus der Krise in den Aufschwung gestartet.

2. die Politik in Deutschland: Sie muss Investoren und Anlegern durch eine auf Konsolidierung bedachte Finanzpolitik Vertrauen geben. Und sie muss auf europäischer Ebene energisch dafür eintreten, dass nicht noch mehr Dämme der Stabilität brechen als bereits geschehen.

3. die Tarifpartner: Natürlich sollen Arbeitnehmer in der kommenden Tarifrunde am Aufschwung beteiligt werden. Ich warne aber davor, die wieder steigende Produktivität in den Betrjeben voll auf die Löhne umzulegen oder unter Verweis auf Lohnzurückhaltung in der Krisenzeit gar darüber hinaus zu gehen. Das könnte eine unselige Lohn-Preisspirale in Gang setzen, wie wir sie aus den 70er Jahren kennen als beispielsweise im Öffentlichen Dienst zweistellige Tarifabschlüsse gab. Allerdings haben die Gewerkschaften nach meinem Eindruck aus den Problemen damals gelernt.

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