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(© Getty Images)
Gastbeitrag 19. Mai 2026 Michael Grömling in der Fuldaer Zeitung

Der nächste Stillstand

IW-Konjunkturexperte Michael Grömling untersucht die Folgen des Kriegs im Nahen Osten für die deutsche Wirtschaft und fordert einen noch stärkeren Fokus auf die Resilienz von kritischen Versorgungs- und Lieferketten.

Die noch vor wenigen Monaten relativ guten Wirtschaftsperspektiven für Deutschland im Jahr 2026 lösen sich mehr und mehr in Luft auf. Mit dem Ende Februar 2026 begonnenen Krieg im Nahen Osten entstehen neue erhebliche Belastungen für die deutsche Volkswirtschaft.

Die aktuelle Situation erinnert an jene im Frühjahr 2022, als sich die damals sehr guten Wirtschaftsaussichten durch den Kriegsausbruch in der Ukraine ebenfalls in kurzer Zeit verflüchtigten. Der erneute geopolitische Schock und die damit ausgelöste Energie- und Versorgungskrise setzen auf einer seit Jahren angeschlagenen und sich unter strukturellen Anpassungen befindlichen Volkswirtschaft auf.

Mit dem Krieg im Nahen Osten sieht sich die gesamte Weltwirtschaft mit zusätzlichen und schwer kalkulierbaren Belastungen konfrontiert. Die Blockade der für die globale Versorgung mit Energie und teils verarbeiteten Gütern wichtigen Straße von Hormus und die Beschädigungen von Produktionsanlagen schaffen erneute Versorgungsrisiken, kombiniert mit Preisschocks auf der Produktions- und Konsumebene. Zusätzlich werden industrielle Lieferketten und Produktionsmöglichkeiten weltweit bedroht.

All dies wird die Inflation rund um den Globus erhöhen, das weltweite Wachstum und den Welthandel abschwächen. Die tatsächlichen Auswirkungen hängen von der Dauer des politischen Konflikts und den sich daraus ergebenden ökonomischen Folgen ab. Aussagen zu den politischen Entwicklungen kann eine Konjunkturprognose nicht leisten. Es können lediglich Annahmen hinsichtlich einer politischen Lösung getroffen und in der Prognose gesetzt werden. Im Übrigen wirken nach wie vor die Unberechenbarkeiten der US-Außenwirtschaftspolitik und vielfältige geopolitische Konflikte.

In Deutschland lassen die bereits bestehenden Belastungen durch den Nahost-Krieg und die für das gesamte Jahr erwarteten Liefer- und Produktionsstörungen das Bruttoinlandsprodukt im Jahresverlauf 2026 kaum von der Stelle kommen. Das magere jahresdurchschnittliche Wachstum von gut 0,4 Prozent ergibt sich vorwiegend aus dem expandierenden Staatskonsum und den staatlichen Investitionen im Bereich Verteidigung. Durch die globale Abschwächung bleibt jedoch das angeschlagene deutsche Exportgeschäft weiter rückläufig. Die privatwirtschaftlichen Investitionen kommen weiterhin nicht von der Stelle. Durch den erneuten Energieschock mit einer jahresdurchschnittlichen Inflationsrate von gut 3 Prozent stagniert der private Konsum. Die Anzahl der Erwerbstätigen wird 2026 um 190.000 Personen sinken – vor allem in der Industrie. Die Arbeitslosigkeit wird leicht auf rund 3 Millionen ansteigen.

Angesichts dieses erneuten geopolitischen Schocks auf den Energiemärkten und der Versorgungsrisiken muss noch stärker der Fokus auf die Resilienz von kritischen Versorgungs- und Lieferketten gelegt werden. Dies gilt für Unternehmen und den Staat!

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