Der gegenwärtige Fortschritt bei der Schutzimpfung gegen Covid-19 in Deutschland – nunmehr haben rund 10,6 Prozent der Bevölkerung ihre zweite und mehr als ein Drittel ihre erste Impfung erhalten – in Kombination mit den flächenmäßig gut verfügbaren Testkapazitäten setzt mehr und mehr die Hoffnung frei, dass ein erneuter Anlauf in die gesellschaftliche und ökonomische Normalität gelingen kann. Ein Konsumschub und eine damit einhergehende Reaktivierung vieler Dienstleister sind dringend notwendig – auch um bleibende Schäden in unserer Unternehmenslandschaft zu vermeiden.

Infolge der bisherigen Impfpriorisierung – beginnend mit unserer älteren und für diese gefährliche Pandemie vulnerablen Bevölkerung – kommt es zunächst auch zu unterschiedlich starken Konsumimpulsen durch die verschiedenen Altersgruppen. Hier ein paar Fakten zum altersspezifischen Konsum: Von ihrem Einkommen verwenden die höheren Altersgruppen mehr für Wohnen und Gesundheit, aber deutlich weniger für Verkehr. Das überrascht nicht. In den von Einschränkungen besonders hart getroffenen Konsumbereichen – Freizeit/Unterhaltung/Kultur sowie Gaststätten- und Beherbergungsdienstleistungen – sind die Unterschiede zwischen den Generationen aber gering. Über alle Altersgruppen hinweg entfielen darauf vor der Pandemie rund 17 Prozent ihrer Konsumausgaben.

In absoluten Größen sind die Ausgaben der Älteren auf Basis von Haushaltsdaten jedoch niedriger: Während etwa die Altersgruppe der 35- bis 54-Jährigen in normalen Zeiten pro Haushalt und Monat mehr als 500 Euro für Freizeit/Unterhaltung/Kultur sowie Gaststätten- und Beherbergungsdienste ausgibt, sind es bei den 65-bis 79-Jährigen rund 400 Euro und bei den Haushalten mit der Haupteinkommensperson über 80 Jahre rund 350 Euro.

Alle Haushalte zusammen, in denen jeweils die Haupteinkommensperson älter als 65 Jahre ist, geben in normalen Zeiten insgesamt gut vier Milliarden Euro pro Monat für Freizeit/Unterhaltung/Kultur sowie für Gast- und Beherbergungsdienste aus. Das entspricht fast einem Viertel dieses derzeit stark beschränkten Konsums aller Generation. Nochmals gut ein Viertel oder über 4,4 Milliarden Euro geben allein die Haushalte in der Altersgruppe 55 bis 64 Jahre pro Monat für diesen Konsum
aus. Damit entfällt in normalen Zeiten die Hälfte dieses weit definierten und derzeit stillgelegten Freizeitkonsums auf alle Haushalte in der Altersgruppe 55 Jahre und älter.

Mit der fortschreitenden Impfung der älteren Jahrgänge entstehen also auch kräftige volkswirtschaftliche Konsumimpulse. Das ist keine Rechtfertigung einer Impfpriorisierung. Es geht bei dieser Berechnung auch nicht um Fairness, sondern lediglich um eine empirische Orientierung, was ältere Haushalte an Konsumimpuls in den nächsten Monaten auslösen können. Mit der Aufgabe der Priorisierung kommen dann mehr und mehr auch die jüngeren Geimpften in Fahrt.

Freizügigkeit geimpfter Kunden wirkt aber nur bei offenen Gastronomie- und Veranstaltungsbetrieben. Gute Hygienekonzepte und Rücksichtnahme erlauben dies. Zwar ist erst einmal auch noch offen, ob die Menschen ihren früheren Konsumgepflogenheiten gleich vollumfänglich nachkommen wollen. Aber: Entscheidende Schritte werden derzeit mit der Impfung gemacht – und über diese Fortschritte sollten wir uns freuen!