1. Home
  2. Studien
  3. Iranerinnen und Iraner sind gut am deutschen Arbeitsmarkt integriert
IW-Kurzbericht Nr. 19 12. März 2026 Wido Geis-Thöne Iranerinnen und Iraner sind gut am deutschen Arbeitsmarkt integriert

Fast 60 Prozent der in Deutschland lebenden Iraner im erwerbsfähigen Alter sind sozialversicherungspflichtig beschäftigt, wohingegen dies nur auf etwas mehr als die Hälfte der ausländischen Bevölkerung insgesamt zutrifft. Zudem üben die iranischen Staatsangehörigen weit häufiger qualifizierte Fachkrafttätigkeiten aus.

PDF herunterladen
IW-Kurzbericht 19/2026
IW-Kurzbericht Nr. 19 12. März 2026 Wido Geis-Thöne

Iranerinnen und Iraner sind gut am deutschen Arbeitsmarkt integriert

Wido Geis-Thöne Institut der deutschen Wirtschaft (IW) Institut der deutschen Wirtschaft (IW)

Fast 60 Prozent der in Deutschland lebenden Iraner im erwerbsfähigen Alter sind sozialversicherungspflichtig beschäftigt, wohingegen dies nur auf etwas mehr als die Hälfte der ausländischen Bevölkerung insgesamt zutrifft. Zudem üben die iranischen Staatsangehörigen weit häufiger qualifizierte Fachkrafttätigkeiten aus.

Der seit dem 28. Februar lodernde Irankrieg könnte sich auf absehbare Zeit auch auf die Zukunftspläne der iranischen Bevölkerung in Deutschland auswirken. Bestenfalls verschwindet das Mullah-Regime und eine moderne, demokratisch legitimierte Regierung übernimmt die Kontrolle über das Land. Dann dürften viele der aus dem Iran geflohenen Personen darüber nachdenken zurückzukehren. Ob sie sich letztlich für diesen Schritt entscheiden, hängt allerdings von vielen Faktoren ab.

Schlimmstenfalls könnte es aber auch zu einer nachhaltigen Destabilisierung des Irans bis hin zu bürgerkriegsähnlichen Zerfallsprozessen kommen. Solche Entwicklungen haben in den letzten Jahrzehnten mit dem Irak und Afghanistan zwei Nachbarländer des Irans erlebt. In diesem Fall könnte es zu einer stärkeren Fluchtbewegung nach Deutschland und Europa kommen. Dabei ist der Iran mit 90,1 Millionen Einwohnern ungefähr so groß wie Afghanistan und der Irak zusammen, wohingegen das vom Iran stark beeinflusste Syrien als bedeutendstes Herkunftsland von Geflüchteten aus der Region in Deutschland nur auf 23,0 Millionen Einwohner kommt (Stand: 2023; UN, 2026).

Im Vergleich zu anderen Zuwanderergruppen ist die iranische Bevölkerung in Deutschland bisher eher überschaubar. So lebten am 31.12.2024 der Ausländerstatistik zufolge 162.000 iranische Staatsangehörige (ohne weitere deutsche Staatsbürgerschaft) in Deutschland, was einem Anteil von 1,1 Prozent der gesamten ausländischen Bevölkerung entsprach. Sehr viel größer waren die irakische Bevölkerung mit 269.000 Personen, die afghanische Bevölkerung mit 442.000 Personen und die syrische Bevölkerung mit 975.000 Personen (Statistisches Bundesamt, 2026a). Insgesamt lebten dem Mikrozensus zufolge im Jahr 2024 rund 256.000 aus dem Iran zugewanderte Personen in Deutschland, von denen 99.000 bereits eingebürgert waren (Statistisches Bundesamt, 2026b).

Betrachtet man nur die Personen ohne deutsche Staatsangehörigkeit, hielten sich 81,9 Prozent der Iraner maximal neun Jahre und 40,3 Prozent maximal drei Jahre im Land auf. Ein großer Teil dieser Personengruppe ist also erst in den letzten Jahren nach Deutschland gekommen. Dies gilt auch, wenn man die eingebürgerten Personen mit in den Blick nimmt. So war es unmittelbar nach der Gründung der islamischen Republik im Jahr 1979 zwar zu einer stärkeren Fluchtbewegung aus dem Iran gekommen. Jedoch erreichte die damalige Nettozuwanderung in die Bundesrepublik Deutschland mit 3.200 Personen im Jahr 1979, 6.900 Personen im Jahr 1980 und 1.100 Personen im Jahr 1981 bei weitem nicht das Niveau der letzten Dekade, als allein im Jahr 2023 rund 19.300 Personen nach Deutschland kamen (Statisches Bundesamt 2026a; verschiedene Jahrgänge).

Betrachtet man die Arten der Aufenthaltstitel der iranischen Staatsangehörigen ohne deutsche Staatsbürgerschaft, dominiert der Fluchtkontext. Jedoch finden sich auch 12.200 im Kontext der Erwerbsmigration und 11.100 im Kontext der Bildungsmigration im Land lebende Personen (Statistisches Bundesamt, 2026a; eigene Berechnungen). Einen Asylerstantrag hatten im Jahr 2025 nur 2.300 iranische Staatsangehörige gestellt; im Jahr 2023 lag die Zahl noch bei 9.400. Von den im Jahr 2025 abgeschlossenen Asylverfahren iranischer Staatsangehöriger endeten 2.600 oder 22,8 Prozent mit einem Schutzstatus. Das ist deutlich weniger als der entsprechende Wert für alle abgeschlossenen Asylverfahren von 28,1 Prozent (BAMF, 2026). Dennoch sind in den letzten Jahren nur sehr wenige Personen aus Deutschland in den Iran zurückgekehrt (Abbildung).

Inhaltselement mit der ID 15273 Inhaltselement mit der ID 15275
Inhaltselement mit der ID 15274

Mit 74,2 Prozent waren im Jahr 2024 fast drei Viertel der iranischen Staatsangehörigen ohne deutsche Staatsbürgerschaft in Deutschland im typischen Erwerbsalter zwischen 25 und 64 Jahren, wohingegen dies nur auf 65,2 Prozent aller Ausländer zutraf. Im frühen Erwerbsalter zwischen 18 und 24 Jahren, das häufig noch von der Ausbildung geprägt ist, befanden sich 7,4 Prozent der Iraner (8,8 Prozent aller Ausländer), minderjährig waren 12,9 Prozent (16,9 Prozent) und 65 Jahre alt und älter 5,5 Prozent (9,2 Prozent). Der Frauenanteil lag bei der iranischen Bevölkerung mit 45,4 Prozent leicht niedriger als bei der ausländischen Bevölkerung insgesamt mit 47,5 Prozent. Das ist noch immer ein relativ ausgeglichenes Geschlechterverhältnis, wohingegen bei den Afghanen, Irakern und Syrern starke Männerüberschüsse bestehen (Statistisches Bundesamt, 2026a; eigene Berechnungen).

Trotz der großenteils eher geringen Aufenthaltsdauer sind die meisten Iraner ohne deutsche Staatsangehörigkeit sehr gut in den deutschen Arbeitsmarkt integriert. So lag der Anteil der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten an den Personen mit iranischer Staatsangehörigkeit im erwerbsfähigen Alter im November 2025 bei 58,6 Prozent. Das entspricht dem Niveau der Bürger der (anderen) EU-Länder von 58,8 Prozent und liegt weit über dem Wert für alle Ausländer von 52,5 Prozent. Hingegen waren es bei den Afghanen nur 41,3 Prozent, den Irakern 43,5 Prozent und den Syrern 40,4 Prozent. Allerdings war der Anteil der Personen, die Bürgergeld bezogen, im Oktober 2025 bei den erwerbsfähigen Iranern mit 17,2 Prozent leicht höher als bei allen erwerbsfähigen Ausländern mit 16,5 Prozent (Bundesagentur für Arbeit, 2026a). Würde man die Zuwanderer aus dem Iran mit deutscher Staatsangehörigkeit in die Betrachtung miteinbeziehen, was mit den hier verwendeten Ausgangsdaten nicht möglich ist, wäre das Bild wahrscheinlich noch deutlich günstiger, da der Zugang zur Einbürgerung in einem starken Zusammenhang mit dem Integrationserfolg steht.

Die meisten der sozialversicherungspflichtig beschäftigten Iraner (ohne deutsche Staatsangehörigkeit) üben Fachkrafttätigkeiten aus, für die in der Regel ein beruflicher oder hochschulischer Abschluss notwendig ist. Im Juli 2025 traf dies auf 73,1 Prozent der nicht in Ausbildung befindlichen Beschäftigten zu. Bei allen Ausländern lag der entsprechende Anteil nur bei 62,7 Prozent. Eine Tätigkeit als Spezialist oder Experte, die sogar eine akademische Ausbildung oder eine Fortbildung zum Meister, Techniker oder Ähnlichem erfordert, übten 31,7 Prozent der Iraner, aber nur 18,3 Prozent aller Ausländer aus. Hier kommt den Iranern ein im Vergleich zu anderen Zuwanderergruppen sehr hohes Bildungsniveau zugute. So hatten 43,3 Prozent der iranischen, aber nur 19,5 Prozent aller ausländischen Beschäftigten einen akademischen Bildungsabschluss (Bundesagentur für Arbeit 2026a; eigene Berechnungen).

Differenziert man nach Branchen, waren die sozialversicherungspflichtig beschäftigten Iraner im Juni 2025 mit einem Anteil von 11,2 Prozent sehr viel häufiger im Gesundheitswesen tätig als alle Ausländer mit nur 6,0 Prozent. Gleiches gilt mit einem Anteil von 10,6 Prozent gegenüber 5,8 Prozent auch für den Bereich von Immobilien und freiberuflichen, wissenschaftlichen und technischen Dienstleistungen sowie mit 5,8 Prozent gegenüber 2,7 Prozent für den Bereich Erziehung und Unterricht. Dafür waren sie im Verarbeitenden Gewerbe mit 11,0 Prozent gegenüber 16,3 Prozent, bei den sonstigen Dienstleistungen, zu denen unter anderem Arbeitnehmerüberlassung, Reinigungs- und Wachgewerbe zählen, mit 9,2 Prozent gegen 13,6 Prozent und im Baugewerbe mit 3,3 Prozent gegenüber 7,8 Prozent deutlich schwächer vertreten (Bundesagentur für Arbeit, 2026b; eigene Berechnungen).

Mit 41,0 Prozent lag der Anteil der Frauen an allen sozialversicherungspflichtig beschäftigten Iranern im Juni 2025 etwas höher als bei den sozialversicherungspflichtig beschäftigten Ausländern insgesamt mit 39,0 Prozent, obwohl ihr Anteil an der Gesamtbevölkerung bei den Iranern etwas niedriger war als bei allen Ausländern. Die Integration in den deutschen Arbeitsmarkt gelingt also nicht nur bei den iranischen Männern, sondern auch bei den Frauen gut. Besonders häufig arbeiteten die iranischen Beschäftigten in Hamburg, Düsseldorf, Köln und Essen, wohingegen sie in den meisten ländlichen Gebieten nur sehr selten zu finden sind. Ihr mittleres Bruttoentgelt (Median) lag bei einer sozialversicherungspflichtigen Vollzeitbeschäftigung (ohne Auszubildende und weitere Sonderfälle) im Dezember 2024 mit monatlich 3.528 Euro weit über dem Wert für alle Ausländer von 3.204 Euro, womit auch ihr Beitrag zu der Sozialversicherung und Einkommensteuer vergleichsweise groß war (Bundesagentur für Arbeit, 2026b; eigene Berechnungen).

PDF herunterladen
IW-Kurzbericht 19/2026
IW-Kurzbericht Nr. 19 12. März 2026 Wido Geis-Thöne

Iranerinnen und Iraner sind gut am deutschen Arbeitsmarkt integriert

Wido Geis-Thöne Institut der deutschen Wirtschaft (IW) Institut der deutschen Wirtschaft (IW)

Mehr zum Thema

Mehr zum Thema

Artikel lesen
Ingenieurinnen in Deutschland – Potenziale, Herausforderungen und Entwicklungen, Teil 1: Analyse und Handlungsempfehlungen
Gutachten 17. April 2026 Julia Betz / Axel Plünnecke

Ingenieurinnen in Deutschland – Potenziale, Herausforderungen und Entwicklungen

Deutschland steht im Innovationswettbewerb zunehmend unter Druck. Die Situation wird durch demografische Entwicklungen, sinkende Studierendenzahlen in technischen Fächern und Schwächen im Bildungssystem weiter verschärft.

Julia Betz / Axel Plünnecke IW

Artikel lesen
IW-Nachricht 31. März 2026 Fabian Semsarha

Syrische Rückkehr: Vier Fakten über syrische Arbeitskräfte in Deutschland

Was eine großangelegte Rückkehr syrischer Staatsangehöriger für den deutschen Arbeitsmarkt bedeuten würde, zeigen Zahlen des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW).

Fabian Semsarha IW

Mehr zum Thema

Inhaltselement mit der ID 8880