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IW-Kurzbericht Nr. 26 14. März 2025 Vanessa Rebecca Hünnemeyer / Hanno Kempermann / Christian Kestermann Wegen Wohlstand geschlossen?: Ergebnisse aus dem IW-Wirtschaftsfördererpanel 2025

Wirtschaftsförderer stehen vor einem Dilemma: Damit Deutschland drittgrößte Volkswirtschaft bleibt, sind Investitionen und eine Erneuerung der industriellen Basis notwendig. Doch Planungsprozesse und -konflikte bremsen neue Flächen für die Industrie aus.

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Ergebnisse aus dem IW-Wirtschaftsfördererpanel 2025
IW-Kurzbericht Nr. 26 14. März 2025 Vanessa Rebecca Hünnemeyer / Hanno Kempermann / Christian Kestermann

Wegen Wohlstand geschlossen?: Ergebnisse aus dem IW-Wirtschaftsfördererpanel 2025

Vanessa Rebecca Hünnemeyer / Hanno Kempermann / Christian Kestermann Institut der deutschen Wirtschaft (IW) Institut der deutschen Wirtschaft (IW)

Wirtschaftsförderer stehen vor einem Dilemma: Damit Deutschland drittgrößte Volkswirtschaft bleibt, sind Investitionen und eine Erneuerung der industriellen Basis notwendig. Doch Planungsprozesse und -konflikte bremsen neue Flächen für die Industrie aus.

Die digitale und ökologische Transformation sowie das europäische Streben nach Souveränität in den Bereichen Energie, Batterien oder Mikrochips stellen zentrale Felder für die Zukunft des Industriestandortes Deutschland dar. Doch der Mangel an Industrieflächen sowie vielfältige Nutzungskonflikte erschweren Expansion und Ansiedlung. Ohne strategische Lösungen drohen Wettbewerbsnachteile und verpasste Wachstumschancen.

Industrienation Deutschland – aber ohne Fläche?

Deutschland ist Industrienation. Mehr als 20 Prozent der Bruttowertschöpfung verantwortete das verarbeitende Gewerbe im Jahr 2022. Fast ebenso hoch ist der Anteil derjenigen, die im verarbeitenden Gewerbe beschäftigt sind. Aufgrund industrieller Skaleneffekte gibt es regionale Ballungen. In einigen Regionen liegen deshalb die Anteile jenseits von 50 Prozent (z. B. Wolfsburg, Landkreis Dingolfing-Landau). Doch die Industrie findet zunehmend keinen Platz mehr.

Nur 4 Prozent aller am IW-Wirtschaftsfördererpanel teilgenommenen Wirtschaftsförderungen beurteilen die aktuell verfügbaren Industrieflächen in ihrem jeweiligen Geltungsbereich als ausreichend. Bei den teil- und unerschlossenen sowie bei den perspektivisch verfügbaren Flächen ist ihr Anteil zwar höher – allerdings mit 7 Prozent und 16 Prozent ebenfalls auf einem niedrigen Niveau.

Dieses Ergebnis offenbart: Neben hohen Energie- und Arbeitskosten, Fachkräftemangel und Regulatorik kann auch die Knappheit an geeigneten Flächen den Industriestandort Deutschland schwächen.

Wirtschaftsförderer sehen Engpässe

Seit der erstmaligen Befragung im Jahr 2022 hat sich die Situation kaum verbessert.  Mit Ausnahme der perspektivisch verfügbaren Flächen nimmt der Anteil der Wirtschaftsförderungen, die die Flächenverfügbarkeiten als ausreichend empfinden, von einem niedrigen Ausgangsniveau weiter ab.

Der Blick in die Zukunft lässt keine deutliche Kehrtwende vermuten. Rund jede zweite Wirtschaftsförderung erwartet in den kommenden drei Jahre keine wesentliche Veränderung. Etwa ein Drittel der Wirtschaftsförderungen geht von einer Verschlechterung auf dem Flächenmarkt aus, zwischen 15 und 21 Prozent von einer Verbesserung.

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Industrie sucht Fläche

Sowohl Bestandsunternehmen als auch Unternehmen, die sich ansiedeln wollen, suchen Industrieflächen. Knapp drei Viertel aller Wirtschaftsförderungen melden Gesuche für ergänzende Logistikflächen für das verarbeitende Gewerbe – angesichts der hohen Exportorientierung wenig überraschend (Veres-Homm et al., 2019). Jede zweite Wirtschaftsförderung erhält Nachfragen aus der Metall- und Elektroindustrie, knapp 30 Prozent explizit aus der Automotive-Industrie. Zudem besteht Bedarf an Flächen für Energie- und Digitalinfrastrukturen (z. B. Rechenzentren, Energiespeicher).

Diese Flächengesuche zeigen erstens, dass in Zeiten der Transformation und zur Überwindung der aktuellen Rezession Ressourcen in ausreichender Qualität und Quantität erforderlich sind. Dies schließt geeignete Flächen für den Aufbau neuer Produktionsprozesse und neuer Produkte ein (Kiwitt, 2025). Sie zeigen zweitens, dass Industrieflächenentwicklung als Teil einer ganzheitlichen Standortstrategie betrachtet werden muss. Die hohe Nachfrage nach Logistikflächen und Flächen für Infrastrukturen, die essenziell sind für die ökologische und digitale Transformation, unterstreichen dies.

Warum der Industrie der Platz ausgeht

Die vielfältigen Nutzungsansprüche setzen die Flächenentwicklung unter Druck. Raumnutzungskonflikte finden in der Regel in der kommunalen Planungshoheit ihre konkrete Verortung. Jede zweite Wirtschaftsförderung (49 Prozent) berichtet von fehlendem Willen bzw. Bereitschaft auf kommunaler Ebene, Industrieflächen auszuweisen bzw. davon, dass entsprechende politische Mehrheiten nicht mobilisiert werden können.

Bürgerinitiativen spielen dabei eine Schlüsselrolle: 38 Prozent der Wirtschaftsförderungen geben an, dass Bürgerinitiativen wesentlichen Einfluss auf die lokale Verfügbarkeit von Industrieflächen haben. Die Inhalte der Proteste sind vielfältig und reichen von Umweltbedenken hin zu persönlichen Nachteilen (Kühn, 2023). Dies deutet daraufhin, dass in Teilen der Bevölkerung kein ausreichendes Bewusstsein für die Notwendigkeit neuer Industrieflächen zur Sicherung des lokalen Wohlstands existieren.

Industrie braucht Fläche – wie kann Deutschland wettbewerbsfähig bleiben?

Der Flächenmangel verschlechtert die Standortbedingungen und mindert die Wettbewerbsfähigkeit. Ohne Erweiterungen und Modernisierungen droht Unternehmen die Vergreisung. Notwendige Impulse bleiben aus, wenn sich zentrale Zukunftsbranchen wie Halbleiterfertigung und Batteriezellenproduktion in anderen Ländern niederlassen.

Damit die Industrie  Rückgrat für Wirtschaft und Wohlstand bleibt, benötigt es vielfältige Flächen – für den Mittelstand und für Großunternehmen, für junge Tech-Unternehmen und expandierende Bestandsunternehmen sowie für neue Infrastrukturen. Doch Boden und Flächen sind begrenzt. Mit steigenden Flächenansprüchen erfordert dies mehr denn je ein sorgfältiges Abwägen von Interessen (Fratesi, 2025) und strategisches Vorgehen – etwa mittels vorausschauender Flächenbedarfsanalysen (Sell et al., 2023), einer Priorisierung der Bodenpolitik in der kommunalen Agenda (Pätzold et al., 2023), unter Einbezug der interkommunalen Zusammenarbeit (Wuschansky/ König, 2011) oder mittels einer funktionierenden Flächenkreislaufwirtschaft (Reiß-Schmidt, 2024).

Da Kommunen über die Planungshoheit verfügen, haben Wirtschaftsförderungen, insbesondere auf Kreisebene, oft wenig direkten Einfluss auf die Bereitstellung von Industrieflächen. Zukünftig wird ihre Rolle stärker in Vermittlung, Moderation und Kommunikation zwischen Unternehmen, kommunalen Gremien sowie der Zivilgesellschaft liegen. Frühzeitige Dialoge und das Aufzeigen wirtschaftlicher Folgen können die Akzeptanz für industrielle Flächenbedarfe erhöhen. Denn: Die Industrie war und ist Wohlstandsmotor in Deutschland. Damit dies so bleibt, benötigt es Spielräume für Unternehmen, die am Standort Deutschland wachsen wollen.

Das IW-Wirtschaftsfördererpanel

Die Ergebnisse stammen aus dem IW-Wirtschaftsfördererpanel. Seit dem Jahr 2022 befragt die IW Consult jährlich alle 400 Wirtschaftsförderungen der Kreisebene mittels eines standardisierten Online-Fragebogens. In der aktuellen Befragung (01/2025) antworteten 138 Wirtschaftsförderungen. Dies entspricht einer Rücklaufquote von knapp 35 Prozent.

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