Zwar betreffen die neuen US-Zölle auf Stahl- und Aluminiumprodukte nur eine geringe Zahl von Waren. Doch dahinter steht ein beträchtlicher Wert. Zudem sind viele Waren aus den Kernbereichen der Industrie darunter.
Neue US-Zölle auf Stahl- und Aluminiumprodukte: Schlimmer als gedacht
Institut der deutschen Wirtschaft (IW)
Zwar betreffen die neuen US-Zölle auf Stahl- und Aluminiumprodukte nur eine geringe Zahl von Waren. Doch dahinter steht ein beträchtlicher Wert. Zudem sind viele Waren aus den Kernbereichen der Industrie darunter.
Diese stehen für fast 9 Prozent der gesamten US-Importe aus Deutschland. Bei Maschinen und Apparaten aus Deutschland sind es sogar 27 Prozent. Aber die USA schaden sich auch selbst, da viele der betroffenen Waren nur schwer ersetzbar sein dürften.
Ende Juli hatten sich die EU und die USA grundsätzlich auf einen Handelsdeal geeinigt (European Commission, 2025). Er sieht vor, dass die meisten US-Importe aus der EU mit einem Zoll von insgesamt maximal 15 Prozent belegt werden. Ausnahme: Ein höherer Satz von 50 Prozent auf Stahl- und Aluminiumprodukte sowie auf den Stahl- und Aluminiumgehalt einiger weiterverarbeiteter Produkte, der schon vorher eingeführt worden war, soll auch weiterhin gelten. Um hier mittelfristig eine Entlastung zu erzielen, setzt die EU auf weitere Verhandlungen mit den USA mit dem Ziel, bald eine Zollquoten-Regelung zu erreichen. Dabei würden für übliche Mengen an US-Importen aus der EU in diesen Bereichen niedrigere US-Zölle gelten.
Doch statt hier konstruktiv zu sein, haben die USA fast zeitgleich mit dem gemeinsamen Statement zum US-EU-Deal im August eine überschaubare Zahl weiterer Warengruppen zusätzlich mit dem 50-prozentigem Zoll belegt (Federal Register, 2025). Das trifft die EU und Deutschland härter als gedacht und vor allem bei Maschinen und Anlagen. Daher verstößt dieser Schritt der US-Administration gegen den Geist der Zoll-Einigung auf verlässliche 15 Prozent für das Gros der europäischen Industrieprodukte.
Betroffenheit der EU und Deutschlands
Die US-Industrie kann dreimal im Jahr weitere Waren vorschlagen, die nach einer Prüfung der US-Administration auf die Liste der 50-prozentigen Zölle aufgenommen werden können. Im August folgte die erste Erweiterung der zunächst im März 2025 eingeführten Liste der Stahl- und Aluminiumzölle, welche auf Basis der Section 232 des US Trade Expansion Act von 1962 mit der vermeintlichen Gefährdung der nationalen Sicherheit der US begründet werden (The White House, 2025). Der Zollsatz betrug ursprünglich 25 Prozent und war Anfang Juni 2025 auf 50 Prozent verdoppelt worden.
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Die zusätzlichen Waren auf der Erweiterungsliste unterscheiden sich stark nach ihrem Gehalt an Stahl und Aluminium. Bei einer Reihe von Waren aus dem Lebensmittel- und Chemiebereich handelt es sich nur um den Metallgehalt der Verpackungen. Entsprechend gering ist die zusätzliche Zoll-Last hier. Doch es sind auch viele Waren aus den Kernbereichen der Industrie dabei, bei denen Stahl und Aluminium wichtige Bestandteile ausmachen. Auf diese Waren fokussiert dieser Kurzbericht. Dazu gehören einige weitere Waren aus Stahl und Aluminium sowie zahlreiche Waren aus weiterverarbeitenden Industrien wie dem Maschinenbau, der Elektronik und dem Fahrzeugbau. Betrachtet werden dabei Waren auf der 10-Steller-Ebene der US-Importstatistik.
Von den betrachteten Waren auf der Erweiterungsliste haben die USA im Jahr 2024 insgesamt 35 Milliarden US-Dollar aus der EU importiert. Das entspricht immerhin 5,7 Prozent der gesamten US-Importe aus der EU im Wert von 618 Milliarden US-Dollar im letzten Jahr.
Die deutsche Industrie ist von den zusätzlichen Zöllen noch stärker betroffen. So beträgt die Importsumme der betrachteten Waren 14,4 Milliarden US-Dollar und macht somit rund 8,8 Prozent der gesamten US-Importe aus Deutschland von rund 164 Milliarden US-Dollar im Jahr 2024 aus.
Auch die Warengruppen sind unterschiedlich stark von den neuen Zusatzzöllen betroffen. Betrachtet werden die drei Warengruppen auf der Erweiterungsliste aus den Kernbereichen der Industrie mit einem relevanten Metallanteil, die zusammen für rund 34 Milliarden an US-Importen aus der EU stehen, also für den allergrößten Teil der betrachteten US-Gesamtimporte aus der EU in Höhe von 35 Milliarden US-Dollar:
- Im Bereich der Elektronik, also elektrischen Maschinen/Apparaten/Geräten und Zubehör (Warenkapitel 85), entfallen jeweils über 9 Prozent der US-Importe aus der EU und aus Deutschland auf die betrachteten Waren. Die Betroffenheit auf EU-Ebene ist also leicht überdurchschnittlich und bei Deutschland durchschnittlich.
- Ähnliches gilt bei Straßenfahrzeugen (Zugmaschinen/Kraftwagen/Krafträder – Warenkapitel 87) mit einem Anteil von jeweils rund 10 Prozent an den US-Importen aus der EU und aus Deutschland.
- Deutlich überproportional betroffen ist der Maschinenbau. Bei Maschinen/Apparate/mechanische Geräte (Warenkapitel 84) machen die betrachteten Waren rund 26 Prozent der gesamten US-Importe aus der EU und sogar 27 Prozent aller US-Importe aus Deutschland aus.
Betroffenheit der USA
Nicht nur die EU und Deutschland, sondern auch die USA werden von den negativen Effekten der Erweiterungsliste getroffen. Denn die US-Administration erhebt die zusätzlichen Stahl- und Aluminium-Zölle auch auf Waren, bei denen die USA eine recht hohe Importabhängigkeit von der EU haben, so dass die Zoll-Last sehr wahrscheinlich überwiegend bei den US-Käufern liegen dürfte.
Bei den Waren aus dem Kernbereich der Industrie mit einem relevanten Metallanteil hat die EU zusammen-genommen einen Anteil von knapp 20 Prozent an den US-Importen aus allen Ländern. Das ist ähnlich hoch wie für den gesamten US-Import aller Waren aus der EU. Bei diesen Waren gibt es also in der Gesamtschau keine überproportionale Abhängigkeit der USA von der EU.
Doch bei einigen der betroffenen Waren ist die US-Abhängigkeit durchaus groß (Abbildung):
- 20-Prozent-Schwelle: Bei 292 Waren war der US-Importanteil aus der EU im Jahr 2024 mit mindestens 20 Prozent überproportional hoch. Dahinter steht ein Warenwert von zusammen rund 28 Milliarden US-Dollar. Das entspricht rund vier Fünfteln der insgesamt betroffenen 35 Milliarden US-Dollar an US-Importen aus der EU bei den Waren der Erweiterungsliste mit einem relevanten Metallanteil aus den Kernbereichen der Industrie.
- 50-Prozent-Schwelle: Bei einem Importanteil der EU von mindestens 50 Prozent ist die US-Importabhängigkeit von der EU und damit auch die potenzielle Marktmacht der EU noch deutlich größer. Hier sind es immer noch 99 Waren mit einem Warenwert von insgesamt fast 9 Milliarden US-Dollar. Das ist wertmäßig immerhin noch gut ein Viertel der betroffenen 35 Milliarden US-Dollar.
- 90-Prozent-Schwelle: Selbst bei der Importschwelle von mindestens 90 Prozent kommt die EU immer noch auf 18 Waren mit einem Warenwert von rund 1,7 Milliarden US-Dollar.
- 100-Prozent-Anteil: Bei 8 Waren steht die EU gar für den gesamten US-Warenimport in Höhe von rund 47 Millionen US-Dollar.
Besonders ausgeprägt ist die US-Importabhängigkeit von der EU, wenn diese nicht nur für ein einzelnes Jahr hoch ist, sondern über einen längeren Zeitraum hinweg durchgehend. Mit Blick auf diese Persistenz der US-Importabhängigkeit für die betrachteten Waren lässt sich folgendes feststellen:
- Bei 45 Waren mit einem summierten Warenwert von 6,4 Milliarden US-Dollar hat die EU durchgehend über die letzten fünf Jahre einen US-Importanteil von mindestens 50 Prozent gehabt. Diese Persistenz der Importabhängigkeit spricht dafür, dass diese Waren für die USA nur schwer zu substituieren sein dürften.
- Bei einem Schwellenwert von mindestens 70 Prozent US-Importanteil durchgehend seit 2020 aus der EU sind es immerhin noch 15 Waren mit einem Warenwert von rund 2,1 Milliarden US-Dollar.
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