Die deutsche Wirtschaft bewegt sich derzeit zwischen Stabilisierung und neuerlichen Belastungen. Zwar konnte das Bruttoinlandsprodukt zu Jahresbeginn leicht zulegen, von einer nachhaltigen Erholung kann jedoch noch keine Rede sein.
Aktuelle Ergebnisse des ZIA-IW-Immobilienstimmungsindex (ISI): Stimmungseintrübung stärkt nachfragestarke und resiliente Segmente
Gutachten im Auftrag des ZIA Zentraler Immobilien Ausschuss e.V.
Institut der deutschen Wirtschaft (IW)
Die deutsche Wirtschaft bewegt sich derzeit zwischen Stabilisierung und neuerlichen Belastungen. Zwar konnte das Bruttoinlandsprodukt zu Jahresbeginn leicht zulegen, von einer nachhaltigen Erholung kann jedoch noch keine Rede sein.
Das reale Wirtschaftswachstum dürfte 2026 nur 0,4 Prozent betragen (Grömling et al., 2026). Belastend wirken insbesondere die geopolitischen Spannungen im Nahen Osten, die gestiegenen Energiepreise sowie die damit verbundenen Risiken für internationale Lieferketten und den Welthandel. Die Exportwirtschaft leidet unter der Abschwächung der Weltkonjunktur, private Investitionen bleiben zurückhaltend und auch der private Konsum wird durch die erhöhte Inflation gebremst. Wachstumsimpulse kommen vor allem von staatlichen Ausgaben und Investitionen.
Die aktuelle Befragung zum ZIA-IW-Immobilienstimmungsindex (ISI) verzeichnet einen deutlichen Rückgang. Nachdem sich die Einschätzungen der Immobilienwirtschaft im Frühjahr 2026 bereits leicht eingetrübt hatten, sinkt im aktuellen Quartal die Bewertung der Geschäftslage um 6,7 Punkte auf 7,9 Punkte. Der Wert für die Erwartungen stürzt regelrecht ab und fällt um 27,8 Punkte auf einen negativen Wert von -11,4 Punkten. Insgesamt gibt damit das Immobilienklima massiv um 17,5 Punkte nach und liegt nun bei -2,0 Punkten. Die negative Entwicklung zieht sich durch nahezu alle Segmente und deutet auf eine erhebliche Verunsicherung im Markt hin, die durch anhaltende geopolitische und wirtschaftliche Herausforderungen sowie Zinsunsicherheiten getrieben sein dürfte. Die Ergebnisse im Einzelnen:
- Im Bürosegment hat sich die robuste Stimmung des Vorquartals im aktuellen Quartal deutlich abgeschwächt. Die Bewertung der aktuellen Geschäftslage sinkt um 4,5 Punkte auf 15,5 Punkte. Dramatisch ist der Einbruch bei den Erwartungen: Diese fallen um 33,6 Punkte auf einen negativen Wert von -6,9 Punkten. Das Immobilienklima sinkt entsprechend um 19,3 Punkte auf 4,0. Die aktuelle Lage präsentiert sich noch relativ stabil, gestützt durch bestehende Mietverträge und eine verlässliche Grundauslastung im Dienstleistungssektor. Die Zukunftsaussichten haben sich hingegen deutlich eingetrübt. Konjunkturelle Unsicherheiten und offene Fragen zum zukünftigen Flächenbedarf dürften die Nachfrage nach neuen Büroflächen bremsen.
- Das Handelssegment zeigt sich im Sommer 2026 gespalten: Während sich die Bewertung der aktuellen Geschäftslage bei 37,9 Punkten bewegt, liegen die Erwartungen mit -17,2 Punkten im negativen Bereich. Das Immobilienklima zeigt 8,5 Punkte. Da sich im Zeitverlauf beim Handel häufig starke Ausschläge zeigen, die auf statistischen Effekten beruhen, dürfte dies jedoch keine entsprechend drastische Verschlechterung der Marktlage widerspiegeln. Dennoch offenbart der Rückgang der Erwartungen eine erhebliche Skepsis gegenüber den Perspektiven des stationären Einzelhandels. Insbesondere die Sorge vor einer Abschwächung des Konsums und einer schwächeren Konjunktur scheint die Stimmung zu belasten.
- Auch im Wohnsegment setzt sich der Abwärtstrend beschleunigt fort. Die aktuelle Geschäftslage geht um 4,6 Punkte auf 13,6 zurück. Die Erwartungen brechen jedoch deutlich um 28,7 Punkte ein und liegen nun im Minus bei -22,9 Punkten. Das Immobilienklima fällt dadurch um 17,4 Punkte auf -5,5. Trotz der weiterhin hohen Nachfrage nach Wohnraum haben sich die Perspektiven der Bestandshalter spürbar eingetrübt. Belastend wirken insbesondere anhaltende regulatorische Unsicherheiten, etwa im Zusammenhang mit einer möglichen Verschärfung der Mietpreisregulierung, sowie gestiegene Kosten.
- Die Situation in der Projektentwicklung bleibt hochgradig angespannt und verharrt auf einem sehr niedrigen Niveau. Die Geschäftslage gibt nochmals leicht um 1,5 Punkte nach und liegt nun bei alarmierenden -25,0 Punkten. Mit einem Wert von -9,4 Punkten verbleibt das Immobilienklima im negativen Bereich. Verantwortlich für die anhaltend schwierige Situation sind vor allem die hohen Bau- und Finanzierungskosten sowie die schwache Nachfrage. Obwohl die Erwartungen um 1,3 Punkte nachgeben, bleiben sie mit 7,5 Punkten als einziges Segment leicht im positiven Bereich. Dies signalisiert, dass die Marktteilnehmer weiterhin auf eine Verbesserung der Rahmenbedingungen hoffen.
- Die aktuelle Sonderfrage zeigt auf, dass insbesondere Wohnimmobilien (mit Fokus auf Bestandssanierung), Rechenzentren und Logistikobjekte zu den attraktivsten Anlageklassen im Immobiliensektor zählen. Demgegenüber stehen Büro- und Einzelhandelsimmobilien weiterhin vor erheblichen Anpassungsprozessen, sodass Investitionsentscheidungen in diesen Segmenten zunehmend von Objektqualität, Standortfaktoren und der Fähigkeit zur Anpassung an veränderte Nutzeranforderungen abhängen („Flight to Quality“). Die aktuelle schwache Marktstimmung scheint die Verlagerung in nachfragstarke und resiliente Immobiliensegmente zu forcieren.
Seit dem Jahr 2014 befragt das IW vierteljährlich deutsche Immobilienunternehmen nach ihrer Geschäftslage. Seit 2020 wird die Befragung in Kooperation mit dem Zentraler Immobilien Ausschuss e.V. (ZIA) erstellt und unter dem Namen ZIA-IW-Immobilienstimmungsindex (ISI) veröffentlicht. Der Index liefert zeitnahe Informationen über die Lage und Erwartungen von Immobilienunternehmen, also Bestandshalter von Immobilien, Finanzierer und Dienstleister von Immobilien und Projektentwicklern. Die Abfrage der Geschäftsführer und leitenden Angestellten hinsichtlich ihrer Einschätzung der Geschäftslage und Erwartungen dient zur aktuellen und prospektiven Beurteilung der konjunkturellen Entwicklung und zur Erhöhung der Transparenz des deutschen Immobilienmarktes. Subindizes für die vier wichtigsten Teilmärkte (Büro, Handel, Wohnen, Projektentwickler) zeigen ein differenziertes Bild der Stimmungslage im deutschen Immobilienmarkt. Das Unternehmenspanel der Befragung hat mittlerweile eine Größe von gut 400 Firmen.
Die Befragung ist als klassische Konjunkturumfrage konzipiert, in der die individuellen Einschätzungen der Geschäftsführer und Vorstände für ihre einzelnen Unternehmen abgefragt werden. Neben den beiden klassischen Fragen zur Lage und den Aussichten des eigenen Unternehmens, werden auch Fragen zu den Preis- und Mietentwicklungen, den Bestandsveränderungen sowie beispielsweise den Finanzierungsbedingungen gestellt. Die Zusammenführung der Einzelergebnisse zur Lage und den Aussichten erfolgt nach der Saldenmethode, bei der die prozentualen Anteile der drei Antwortkategorien aller Umfrageteilnehmer (gut, neutral, schlecht) saldiert werden. Dabei wird der Anteil der negativen Antworten von dem Anteil der positiven Antworten abgezogen, während der Anteil der neutralen Antworten für den Saldo keine Rolle spielt. Das Ergebnis wird auf Basis von Größenklassen gewichtet, um den unterschiedlichen Unternehmensgrößen Rechnung zu tragen. Durch dieses Vorgehen entstehen gewichtete und aggregierte Salden für die aktuelle Geschäftslage und die Geschäftserwartungen für die nächsten 12 Monate.
Aktuelle Ergebnisse des ZIA-IW-Immobilienstimmungsindex (ISI): Stimmungseintrübung stärkt nachfragestarke und resiliente Segmente
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