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IW-Report Nr. 11 24. März 2026 Maximilian Stockhausen Stellungnahme: 7. Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung

Der Siebte Armuts- und Reichtumsbericht (7. ARB) ist ein umfangreiches, datenbasiertes Werk, das viele relevante Lebensbereiche abdeckt – von Einkommen und Vermögen über Bildung, Gesundheit und Teilhabe bis hin zu neuen Themen wie Klimawandel und subjektiven Erfahrungen von Armut.

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Stellungnahme
IW-Report Nr. 11 24. März 2026 Maximilian Stockhausen

Stellungnahme: 7. Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung

Maximilian Stockhausen Institut der deutschen Wirtschaft (IW) Institut der deutschen Wirtschaft (IW)

Der Siebte Armuts- und Reichtumsbericht (7. ARB) ist ein umfangreiches, datenbasiertes Werk, das viele relevante Lebensbereiche abdeckt – von Einkommen und Vermögen über Bildung, Gesundheit und Teilhabe bis hin zu neuen Themen wie Klimawandel und subjektiven Erfahrungen von Armut.

Gleichzeitig ist zu kritisieren, dass der Bericht durch seine starke thematische Erweiterung an analytischer Schärfe und Übersichtlichkeit verliert.

Ein zentrales, aber zu wenig diskutiertes Problem sind methodische Brüche in wichtigen Datensätzen: Coronabedingte Erhebungsänderungen, die Neugestaltung des Mikrozensus sowie die Integration des EU SILC ab 2020 in den Mikrozensus erschweren eine verlässliche Trendauswertung in wesentlichen Verteilungskennziffern. Auch im SOEP führte ein Institutswechsel 2021 zu einem Zeitreihenbruch. Dadurch lassen sich Kriseneffekte und die Wirksamkeit politischer Maßnahmen nur eingeschränkt beurteilen. Eine konsequentere Darstellung dieser Einschränkungen im 7. ARB wäre notwendig gewesen.

Trotz dieser Probleme zeigen die verfügbaren Daten eine weitgehend stabile Einkommens  und Vermögensverteilung in Deutschland. Der Gini Koeffizient der verfügbaren Haushaltseinkommen liegt seit Jahren nahezu konstant, und auch die Vermögensungleichheit ist – trotz höherem Niveau als bei den Einkommen – leicht rückläufig. Staatliche Umverteilung und automatische Stabilisatoren haben größere Verwerfungen während der Krisen erfolgreich abgefedert.

Der Bericht betont zu Recht, dass die Armutsgefährdungsquote ein relatives Maß ist und keine direkte Aussage über materielle Hilfebedürftigkeit trifft. Ursachen steigender Armutsrisiken, wie die starke Zuwanderung von Geflüchteten nach 2015 mit geringen materiellen Ressourcen, stellen keine Gerechtigkeitsdefizite oder ein mangelndes Funktionieren des Sozialstaats dar. Eine sozialversicherungspflichtige Vollzeitbeschäftigung bleibt der zentrale Schutzfaktor vor Einkommensarmut.

Ein weiterer kritischer Punkt ist die Diskrepanz zwischen objektiven Daten und subjektiver Wahrnehmung: Viele Bürger überschätzen das Ausmaß sozialer Ungleichheit, was politische Debatten prägt. Diese Wahrnehmungsverzerrungen werden im 7. ARB zwar erwähnt, aber nicht systematisch in die Schlussfolgerungen integriert.

Insgesamt ist der 7. ARB als wichtiges Instrument der sozialpolitischen Beobachtung zu würdigen, es ist jedoch eine klarere Kommunikation, eine konsequentere Berücksichtigung methodischer Unsicherheiten sowie eine stärkere Fokussierung auf zentrale Verteilungsindikatoren anzumahnen. Der Bericht sollte Fortschritte und Stabilitäten ebenso hervorheben wie bestehende Herausforderungen, um ein realistisches Bild der sozialen Lage in Deutschland zu vermitteln.

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