Die Dekarbonisierung der Grundstoffindustrien Stahl und Zement erfordert hohe Investitionen in emissionsarme Produktionsprozesse. Unternehmen sehen sich dabei mit Mehrkosten („Green Premium“) konfrontiert, die sie im Wettbewerb nur begrenzt weitergeben können – insbesondere in energieintensiven Branchen.
Grüne Leitmärkte: Potenziale des Sondervermögens
Gutachten im Auftrag von EPICO KlimaInnovation und Bellona Deutschland
Institut der deutschen Wirtschaft (IW)
Die Dekarbonisierung der Grundstoffindustrien Stahl und Zement erfordert hohe Investitionen in emissionsarme Produktionsprozesse. Unternehmen sehen sich dabei mit Mehrkosten („Green Premium“) konfrontiert, die sie im Wettbewerb nur begrenzt weitergeben können – insbesondere in energieintensiven Branchen.
Grüne Leitmärkte
Leitmärkte werden von der Bundesregierung und der Europäischen Union (EU) als marktnahe Instrumente verstanden, um eine verlässliche Nachfrage für klimafreundliche Grundstoffe zu schaffen, Skaleneffekte zu heben und Investitionsrisiken zu senken. Eine nachhaltige öffentliche Beschaffung (Green Public Procurement, GPP) nimmt dabei eine Schlüsselrolle ein, da Bund, Länder und Kommunen jährlich ein großes Beschaffungsvolumen abrufen und so als „Ankerkunden“ für grüne Materialien auftreten können.
Sondervermögen für Infrastruktur und Klimaschutz
Durch das Sondervermögen für Infrastruktur und Klimaneutralität (SVIK) stehen zusätzliche Mittel bereit, um die Investitionen des öffentlichen Bausektors in den kommenden zwölf Jahren jährlich um rund 30 Milliarden Euro und damit um etwa 39 Prozent zu erhöhen. Dies eröffnet einen erheblichen Hebel, um über Nachhaltigkeitsvorgaben in der öffentlichen Beschaffung eine gesicherte Nachfrage nach klimafreundlichen Baustoffen wie Stahl und Zement zu schaffen und so die Transformation in der Grundstoffindustrie anzuschieben.
Stahl
Die Berechnungen in diesem Gutachten zeigen, dass durch das Sondervermögen der jährliche Stahlbedarf des öffentlichen Bausektors auf 3,7 Millionen Tonnen und damit gut 11 Prozent der gesamten heutigen deutschen Stahlnachfrage anwachsen könnte. Durch eine nachhaltige Beschaffung dieser Stahlmengen könnten jährlich 2,45 Millionen Tonnen CO2 eingespart werden. Die anfallenden Mehrkosten beliefen sich auf bis zu 228 Millionen Euro jährlich.
Zement
Noch größer wäre der Hebel auf die Nachfrage nach Zement: Bis zu 9,7 Millionen Tonnen würden inklusive des Sondervermögeneffekts jährlich durch den öffentlichen Bausektor nachgefragt, gut 34 Prozent des gesamten heutigen deutschen Zementbedarfs. Durch eine nachhaltige öffentliche Beschaffung ließen sich hier bis zu 1,01 Millionen Tonnen CO2 jährlich einsparen – zu Mehrkosten von bis zu 100 Millionen Euro.
Kurzfristige versus langfristige Effekte
Kurz- und mittelfristig stärkt GPP vor allem bereits verfügbare CO2-reduzierte Alternativen (Zemente mit reduziertem Klinkerfaktor, Sekundärstahl mit Grünstrom), die häufig zu Kosten auf dem Niveau konventioneller Produkte oder zu geringen Mehrkosten verfügbar sind. Near-Zero-Technologien wie Stahlproduktion per wasserstoffbasierter Direktreduktion (Direct Reduced Iron, DRI) oder Zement mit Carbon Captur and Storage (CCS) werden voraussichtlich erst nach 2030 in nennenswerten Mengen verfügbar sein.
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