Die Nachfrage nach Fachkräften für den Ausbau erneuerbarer Energien aus Wind, Sonne oder grünem Wasserstoff ist seit 2014 deutlich gestiegen.
KOFA-Studie 3/2025: Berufswechsel für den Ausbau erneuerbarer Energien
Institut der deutschen Wirtschaft (IW)
Die Nachfrage nach Fachkräften für den Ausbau erneuerbarer Energien aus Wind, Sonne oder grünem Wasserstoff ist seit 2014 deutlich gestiegen.
In den 31 für diese Studie ausgewählten Engpassberufen stieg die Zahl der offenen Stellen von 115.345 im Jahr 2014 auf 184.548 im Jahr 2024. Knapp 120.000 dieser offenen Stellen konnten im Jahr 2024 rechnerisch nicht besetzt werden, da es bundesweit keine Arbeitslosen gab, die eine entsprechende Stelle suchten.
Schon heute setzen Unternehmen vermehrt auf Mitarbeitende, die zuvor in verwandten oder sogar fachfremden Berufen tätig waren
Über die Hälfte der im Jahr 2023 geschlossenen Neuverträge, in einem der hier betrachteten Engpassberufe, wurde von Personen unterschrieben, die zuvor in einem anderen Beruf gearbeitet haben. Teilweise kommen sie aus verwandten Berufen mit ähnlichen Tätigkeitsprofilen bzw. Kompetenzanforderungen. Ein nicht unbedeutender Teil stammt jedoch auch aus Berufen, die auf den ersten Blick fachfremd erscheinen.
Quereinsteigerinnen und Quereinsteiger bieten ein enormes Potenzial, für die Fachkräftesicherung
Die Studie identifiziert 80 Berufe, die für einen oder mehrere der betrachteten 31 Engpassberufe Wechselpotenzial bieten. Dabei werden nur solche Herkunftsberufe berücksichtigt, in denen es neben Überschneidungen bei den Kompetenzprofilen auch Arbeitslosen gibt, für die im Herkunftsberuf keine offenen Stellen verfügbar sind. Besonders bei Berufen mit breiten Kompetenzprofilen, wie der Maschinenbau- und Betriebstechnik, lassen sich viele Quereinsteigerinnen und Quereinsteiger finden. Auch Arbeitslose ohne formale Qualifikation verfügen über Fähigkeiten, die für den Ausbau erneuerbarer Energien genutzt werden können.
Viele arbeitslose An- und Ungelernte bieten Potenzial für Berufswechsel
Es gibt deutlich mehr Arbeitslose ohne formale Qualifikation als offene Stellen in Helfertätigkeiten, auch in Bereichen, die deutliche Kompetenzüberschneidungen zu den hier betrachteten Berufen aufweisen. So gab es im Jahr 2024 beispielsweise nur gut 6.000 offene Stellen für Elektrotechnik-Helferinnen und Helfer, aber gut 16.000 Arbeitslose, die eine solche Stelle suchten. Die Studie zeigt, dass dieses Wechselpotenzial bereits heute genutzt, aber bei Weitem noch nicht ausgeschöpft wird.
Nutzen auch Sie das Potenzial von Berufswechseln – der Blick über den Tellerrand lohnt sich
Auf einem Arbeitsmarkt, auf dem Angebot und Nachfrage durch den Strukturwandel immer häufiger nicht unmittelbar zusammenpassen, braucht es neue Strategien der Fachkräftesicherung. Die vorliegende Studie zeigt, dass berufsfremde Talente großes Potenzial bieten. Hierzu bedarf es jedoch einer Rekrutierungsstrategie, bei der weniger auf Berufsbilder fokussiert, sondern mit dem sogenannten skill-based Recruiting vermehrt auf Kompetenzen von Kandidatinnen und Kandidaten gesetzt und bei Bedarf intensiv nachqualifiziert wird.
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IW