Befragungsdaten deuten auf einen mehrheitlichen Wunsch hin, der Staat solle die Einkommensunterschiede in Deutschland verringern. Besonders im vergangenen Jahrzehnt hat sich die subjektive Umverteilungspräferenz weiter erhöht.
Subjektive Umverteilungspräferenzen in Deutschland: Wunsch und Wirklichkeit
IW-Trends
Institut der deutschen Wirtschaft (IW)
Befragungsdaten deuten auf einen mehrheitlichen Wunsch hin, der Staat solle die Einkommensunterschiede in Deutschland verringern. Besonders im vergangenen Jahrzehnt hat sich die subjektive Umverteilungspräferenz weiter erhöht.
Der verstärkte Wunsch nach sozialem Ausgleich vollzog sich losgelöst von der tatsächlichen Entwicklung der Verteilungsverhältnisse, die sich seit 2005 kaum verändert haben. Zwar sieht auch in anderen Ländern die Mehrheit der Bürger den Staat in der Verantwortung, die Einkommensunterschiede zwischen Arm und Reich abzubauen. Unter den Ländern mit hohem Wohlstand ist der Wunsch in Deutschland allerdings überdurchschnittlich ausgeprägt – und das, obwohl es unter den OECD-Staaten nur wenige Länder gibt, die faktisch eine höhere Umverteilung durch staatliche Abgaben und Transfers erreichen. Bei detaillierter Betrachtung der Umverteilungspräferenzen zeigt sich ein vergleichsweise geringes Interesse für die Ausweitung von Ausgaben, von denen zielgerichtet weniger privilegierte Gruppen profitieren würden. Auf der Abgabenseite wird von der Breite der Bevölkerung zwar eine höhere Progression der Belastung gewünscht. Jedoch deuten weitere Umfrageergebnisse darauf hin, dass die bisherige Umverteilungswirkung des Einkommensteuersystems deutlich unterschätzt wird. Gleichzeitig weisen Umfragen durchaus auf eine ausgeprägte Präferenz für erkennbare Einkommensunterschiede hin, wenn diese für leistungsgerecht gehalten werden. Neben den konventionellen Ungleichheitskennziffern wäre ein stärkerer Fokus auf Maße der Chancen- und Leistungsgerechtigkeit somit sinnvoll, da sich darin eher widerspiegeln kann, ob die umgesetzten Politiken die wahrgenommene Ungerechtigkeit im Sinne der Wahlberechtigten adressieren.
Judith Niehues: Subjektive Umverteilungspräferenzen in Deutschland – Wunsch und Wirklichkeit
IW-Trends
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IW
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