US-Präsident Trump droht mit Zusatzzöllen auf Pharmaimporte. Dabei bezieht die US-Pharmaproduktion 87 Prozent ihrer pharmazeutischen Vorleistungen aus dem Ausland. Es drohen höhere Medikamentenpreise in den USA. Dies läuft dem Ziel der US-Regierung zuwider, Arzneimittelpreise per Dekret zu senken.
US-Pharmazölle: Mit Risiken und Nebenwirkungen
Institut der deutschen Wirtschaft (IW)
US-Präsident Trump droht mit Zusatzzöllen auf Pharmaimporte. Dabei bezieht die US-Pharmaproduktion 87 Prozent ihrer pharmazeutischen Vorleistungen aus dem Ausland. Es drohen höhere Medikamentenpreise in den USA. Dies läuft dem Ziel der US-Regierung zuwider, Arzneimittelpreise per Dekret zu senken.
Seit seinem Amtsantritt hat US-Präsident Donald Trump eine Vielzahl an Zollerhöhungen angedroht und teils auch umgesetzt. Damit will er nicht nur zusätzliche Staatseinnahmen generieren, sondern vor allem die Industrieproduktion zurück in die USA holen. Neben einem Basiszoll von 10 Prozent auf nahezu alle Importe in die USA gelten nochmal deutlich höhere Zölle für einzelne Produkte. So gilt auf Autos und Autoteile ein Zusatzzoll in Höhe von 25 Prozent belegt, für Stahl gar 50 Prozent. Zwar sind Pharmazeutika aktuell nicht von Einfuhrzöllen in den USA betroffen. Allerdings hat Trump diesen Schritt wiederholt angedroht, erst jüngst wieder nach dem G7-Gipfel (Reuter, 2025). Das US-Handelsministerium hat bereits im April auf Basis von Section 232 des Trade Expansion Acts eine Untersuchung eingeleitet, um die Auswirkungen der Einfuhren von Arzneimitteln und Wirkstoffen auf die nationale Sicherheit zu prüfen (Federal Register, 2025). Sollte das in Kürze erwartete Ergebnis der Prüfung eine Bedrohung der nationalen Sicherheit ergeben, wäre die Verhängung von Einfuhrzöllen möglich.
Daneben kündigte Donald Trump weitere Eingriffe in die Pharmaindustrie an: per Dekret will er die Arzneimittelpreise um bis zu 90 Prozent senken. Dafür wird geprüft, inwieweit die USA mehr Arzneimittelimporte aus anderen Industrieländern zulassen könnten, ebenso wird über mögliche Exportbeschränkungen diskutiert. Das Handelsministerium soll darüber hinaus gegen unfaire Preispolitiken im Ausland vorgehen. Im Mittelpunkt steht aber die Preissetzung der Unternehmen, insbesondere bei Arzneimitteln, bei denen die Preisunterschiede zwischen den USA und dem Ausland besonders groß sind. Zukünftig soll sich der Preis eines Medikaments in den USA an dem Preis im günstigsten Industrieland orientieren (The White House, 2025). Tatsächlich sind die Preise für verschreibungspflichte Arzneimittel in den USA durchschnittlich fast 2,8-mal so hoch wie in 33 anderen OECD-Ländern (Mulcahy et al., 2024).
Global aufgestellte US-Pharmaproduktion
So genannte Input-Output-Tabellen legen die Produktionsstruktur eines Landes und dessen Verflechtungen mit anderen Ländern offen. Diesen zufolge haben Unternehmen in den USA im Jahr 2022 (aktueller Datenstand) pharmazeutische Produkte im Wert von 296 Milliarden Euro hergestellt. Der Beitrag der eigenen Wert-schöpfung zum Produktionswert ist mit rund 65 Prozent hoch. Zum Vergleich: In den EU-Mitgliedsstaaten wurden im selben Jahr Pharmaprodukte im Wert von knapp 333 Milliarden Euro mit einer Wertschöpfungsquote von 46 Prozent produziert. Die Differenz zwischen Produktionswert und Wertschöpfung entspricht dem Vorleistungsbezug. Vorleistungen sind Roh- und Hilfsstoffe, Fertigteile, Halbfabrikate, Handelswaren oder Dienstleistungen, die ein Unternehmen von anderen für den eigenen Produktionsprozess bezieht.

Der gesamte Vorleistungsbezug der US-amerikanischen Pharmaproduktion belief sich 2022 auf über 93 Milliarden Euro – hiervon wurde die Hälfte oder knapp 47 Milliarden Euro aus dem Ausland zugeliefert. Allein aus der EU beziehen die USA 45 Prozent der importierten Vorprodukte für ihre Medikamentenherstellung.
Doch je nach Produktgruppe unterscheidet sich die Auslandsquote der Vorleistungen: Lediglich 16 Prozent der chemischen Vorprodukte der US-Pharmaproduktion stammen aus dem Ausland, bei den sonstigen industriellen Vorleistungen sind es 40 Prozent (vgl. Abbildung). Pharmazeutische Vorleistungen werden dagegen zu 87 Prozent aus dem Ausland bezogen. Das entspricht einem Importwert in Höhe von 35,8 Milliarden Euro.
Die US-amerikanische Pharmaproduktion ist dabei besonders eng mit dem europäischen Pharmastandort verflochten. Mehr als zwei Drittel der pharmazeutischen Vorleistungsimporte stammen aus Europa, mit einer starken Konzentration auf nur wenige Länder. Denn ebenfalls die Hälfte aller pharmazeutischen Vorproduktimporte beziehen die US-Pharmaproduzenten allein aus drei Ländern: Aus Irland stammen 29 Prozent der importierten Pharmavorprodukte, aus der Schweiz 17 Prozent und aus Deutschland 6 Prozent.
Doch Importzölle auf pharmazeutische Güter, die nun zusätzlich zu den bereits geltenden Zöllen auf andere Vorprodukte angedroht werden, würden damit nicht nur europäische Pharmastandorte auf einem ihrer wichtigsten Absatzmärkte treffen. Vielmehr würden diese zu steigenden Arzneimittelpreisen in den USA beitragen. Denn die Importe benötigter pharmazeutischer Vorprodukte mit US-Produkten zu ersetzen, wie von Donald Trump erhofft, ist in der kurzen Frist nicht zu bewältigen. Sollte das in der mittleren bis langen Frist trotzdem gelingen, würde dies die Kosten der Arzneimittelherstellung voraussichtlich deutlich steigern und damit auch die Preise der Endprodukte.
Neben pharmazeutischen Vorleistungen importieren die USA weitere pharmazeutische Produkte, etwa für den Endverbrauch. Insgesamt haben die USA im Jahr 2024 Pharmaprodukte im Wert von rund 212 Milliarden US-Dollar importiert. Auch hier zeigen sich die deutlichen Abhängigkeiten von europäischen Zulieferungen: Auf Irland entfallen knapp 24 Prozent der US-Pharmaimporte und auf die Schweiz 9 Prozent. Deutschland folgt mit 8 Prozent auf Rang 3.
Deutsche Pharmaproduktion braucht USA
Betrachtet man die direkten pharmazeutischen Vorleistungsimporte der deutschen Pharmaproduktion, so hängt diese besonders stark vom europäischen Ausland ab. So entfallen auf Irland und die Schweiz jeweils gut 22 Prozent der importierten Pharmavorprodukte. Der US-Anteil ist mit rund 11 Prozent nur halb so groß. Jedoch hängen die irische und die Schweizer Pharmaproduktion wiederum stark von pharmazeutischen Vorleistungen aus den USA ab. Aufgrund dieser indirekten Verflechtungen dürfte die Vorleistungsabhängigkeit der deutschen Pharmaproduktion von den USA deutlich größer sein. Denn die gegenseitigen Abhängigkeiten bei der Arzneimittelproduktion sind wegen der komplexen internationalen Lieferketten hoch. Häufig werden Arzneimittel an verschiedenen Standorten über mehrere Schritte hergestellt und zwischen europäischen und US-amerikanischen Produktionsstandorten hin- und hergeschickt. Einfuhrzölle auf Arzneimittel werden die Gefahr einer Entkoppelung der Forschungs- und Produktionsstandorte verstärken und den möglichen Schaden für Deutschland, Europa und die USA erhöhen.
Widersprüchliche US-Wirtschaftspolitik
Die angedrohten US-Pharmazölle und Eingriffe in die Preisgestaltung setzen den deutschen Pharmastandort unter Druck. Doch auch in den USA kann es zu negativen Auswirkungen kommen. Zölle können zu Preissteigerungen bei Arzneimitteln führen, wenn nicht gar die Medikamentenverfügbarkeit für US-amerikanische Patienten gefährden – während die US-Regierung per Dekret parallel das Ziel verfolgt, Arzneimittelpreise zu senken. Ebenso ist widersprüchlich, dass für die Arzneimittelpreissenkung per Dekret auch zusätzliche Arzneimittelimporte erwogen werden. Pharmazölle würden aber genau dies erschweren.
Darüber hinaus ist die Zielsetzung Trumps, mit Einfuhrzöllen die heimische Arzneimittelherstellung durch Produktionsverlagerungen aus dem Ausland in die USA zu stärken, kaum zu realisieren. Produktionsverlagerungen dauern mehrere Jahre, der Bau neuer Produktionsanlagen ist teuer. Gerade der Aufbau zusätzlicher Produktionsstätten für Generika ist aufgrund der hohen Herstellungskosten in den USA wenig realistisch. 90 Prozent der verschriebenen Arzneimittel in den USA sind Generika, die häufig aus Asien, vor allem China, kommen (PhRMA, 2020). Sowohl mit Blick auf die Patientenversorgung als auch auf eine starke Pharmaforschung und -produktion ist eine Eindämmung des Zollkonflikts und der Abbau von Handelshemmnissen für die USA und für Europa die bessere Lösung.
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